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Dormagen-Straberg: Die Bäckerei May schließt nach 65 Jahren

Traditionsbetrieb in Straberg : Die Bäckerei May schließt nach 65 Jahren

Keine schöne Kunde für alle Freunde leckeren Backwerks: Die Traditionsbäckerei May, die unter anderem wegen ihrer Weckmänner fast schon Kultstatus genießt, schließt zum 31. März dieses Jahres. Inhaber Lothar May nennt gleich mehrere Gründe für diesen Schritt: „Mein Bruder ist vor kurzem aus Altersgründen aus dem Betrieb ausgestiegen.

Meine Ärzte sagen immer, ich solle kürzertreten.“ Hinzu komme, dass der Backofen mittlerweile so seine Macken habe, und das Gesundheitsamt möchte, dass einiges wie zum Beispiel der Fußboden erneuert wird. Zusammen würde dies einen Kostenaufwand von rund 150.000 Euro bedeuten.

Lothar May, der im Mai 59 Jahre alt wird, ist es satt, Personal zu suchen: „Das wird immer schwerer.“ Fest steht aber: Alle Angestellten, egal, ob aus der Backstube oder aus dem Verkauf, werden von anderen Betrieben übernommen, niemand muss beim Arbeitsamt vorsprechen. Dasselbe gilt auch für den Auszubildenden. „Personal wie ich es habe, wird derzeit händeringend gesucht, und auch ich habe schon Angebote von Bäckereien bekommen – Langeweile wird also kaum aufkommen“, sagt Lothar May, der das Geschäft von seinem Vater Toni übernommen hatte – der war im vergangenen Jahr im Alter von 89 Jahren verstorben. Auch Ehefrau Regine hat schon einen Arbeitsvertrag unterschrieben. Die 46-Jährige ist gelernte Erzieherin und hat schon eine Jobzusage in einer Kindertagesstätte, die neu eröffnet wird. Ihrem Sohn haben Regine und Lothar May beizeiten ausgeredet, Bäcker zu werden.

Lothar May weiß, dass die Gerüchteküche in Straberg derzeit brodelt: „Es stimmt nicht, dass wir pleite sind, und es ist auch nicht wahr, dass ein neuer Bäcker unsere Geschäftsräume nutzen wird.“ Was wohl stimmt, ist, dass May viele Pläne hat: „Vieles konnte ich in den vergangenen Jahren nur halbherzig machen. Im Garten gibt es viel zu tun, und die Wohnung müsste dringend renoviert werden.“ Außerdem möchte der Bäckermeister öfter mit seinem kleinen Segelboot rausfahren, sich frische Luft um die Nase wehen lassen. Hinzu kommt, dass der Backofen zurückgebaut werden muss. Es ist unwahrscheinlich, dass der Laden auch künftig als Geschäftsraum genutzt wird, dafür sind Geschäfts- und Privatbereich zu eng miteinander verbunden. Die Geschäftsräume werden höchstwahrscheinlich in Wohnraum umgewandelt. Nachdem vor einigen Jahren der Kiosk in Straberg gegenüber der Bäckerei aufgegeben worden war, gab es in der Bäckerei May nicht nur Backwaren, sondern auch Zeitungen, Wurst, Quark und Bier – sogar Grablichter verkaufte Lothar May. Er kann seine Kunden beruhigen: „Ich gehe davon aus, dass die Bäckerei Meuser ihr Sortiment entsprechend erweitern wird, um die Grundbedürfnisse der Einwohner zu befriedigen.“