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Dormagen: Stefan Blankenheim will in Israel helfen

Trotz Corona : Dormagener möchte als Freiwilliger in Israel arbeiten

Ein Jahr lang möchte Stefan Blankenheim aus Rheinfeld in Israel als Freiwilliger arbeiten. Dafür sucht er noch weitere Unterstützer. Start für das Arbeitsjahr soll trotz Corona am 9. September sein.

Aufmerksam verfolgt Stefan Blankenheim die Nachrichten zur Corona-Pandemie. Denn der gerade 21 Jahre alt gewordene Rheinfelder möchte ab 9. September für ein Jahr als freiwilliger Helfer in Israel arbeiten. „Ich hoffe sehr, dass die Corona-Beschränkungen das nicht noch verhindern“, sagt er. Vorsichtshalber hat er sich schon mal für Sonderpädagogik an der Uni Köln beworben. „Aber ich hoffe, dass ich mein Studium erst nach meinem Israel-Jahr im Wintersemester 2021/22 beginnen werde“, sagt Stefan Blankenheim.

Der einjährige Freiwilligendienst soll Stefan Blankenheim nach Afula, südlich von Nazareth und dem See Genezareth, führen. Möglich wurde es über die evangelische Entsendeorganisation „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ (ASF). „Dort werde ich als freiwillige Hilfskraft im Beit Uri, einer Lebensgemeinschaft für Menschen mit Behinderung, und in der offenen Seniorenarbeit mit Shoa-Überlebenden und der zweiten Generation im Rahmen des Projekts Amcha Kiryat Motzkin, eingesetzt“, beschreibt der 21-Jährige.

Auch in seiner bisherigen Tätigkeit hat der Dormagener sich für soziale Bereiche eingesetzt. Zuletzt hat er als Inklusionshelfer für die Lebenshilfe Neuss gGmbH an der Gesamtschule Nordstadt in Neuss gearbeitet, davor hat er sein Freiwilliges Soziale Jahr an der Neusser Schule am Nordpark, einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, absolviert. „Meine Aufgaben beinhalteten die Unterstützung der Klassenteams im Schulalltag sowie die individuelle Begleitung und Betreuung eines Schülers mit entsprechendem Förderbedarf“, beschreibt Stefan Blankenheim, der seit 2015 ehrenamtlich beim anerkannten Jugendträger „Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken“ tätig ist. Als Beisitzer des Ortverbandes Dormagen der Falken und als einer der Gruppenleiter war Stefan Blankenheim auch beim coronakonformen Sommercamp der Falken auf dem Gelände des Dormagener Bürger-Schützen-Vereins aktiv.

Über die Falken und den – vor Corona – jährlichen Austausch mit israelischen Partnern hat Stefan Blankenheim an zehn Tagen Ende Oktober/Anfang November 2019 Israel „ein bisschen“ kennengelernt: „Wir haben uns mit Jugendlichen ausgetauscht, das tolle Land erkundet und auch Einschätzungen der politisch verzwickten Lage erhalten“, erinnert sich der 21-Jährige. Damals reifte auch sein Entschluss, dort als Freiwilliger zu helfen: „Der Weg der Einigung in Israel ist steinig. Wir als Deutsche tragen durch unsere Vergangenheit Verantwortung, den Friedensweg von Israeli und Palästinensern zu unterstützen“, sagt Stefan Blankenheim, der durch seine Arbeit mithelfen möchte, die Lebensweise zu verbessern.

So bewarb er sich noch aus Israel Ende Oktober beim ASF, deren Referenten von den Freiwilligendiensten in Israel erzählt hatten. Jetzt kümmert sich der ASF um die Freiwilligen, hält Kontakt zu ihnen. „Wir gehen davon aus, dass trotz der Restriktionen eine Einreise möglich sein wird, da wir dort ja arbeiten und helfen wollen“, hofft der Dormagener darauf, dass sein Engagement in Israel am 9. September beginnen kann. Das Jahr kostet rund 15.600 Euro für Unterkunft, Reisekosten, Verpflegung, Versicherung, begleitende Bildungsseminare und Vorbereitung. Davon sind 23,7 Prozent durch den Freiwilligen und sogenannte Patenschaften zu tragen. Von den benötigten 15 Paten, um sein Freiwilligenjahr mitzufinanzieren, hat Stefan Blankenheim bisher rund die Hälfte motivieren können, rund 15 Euro im Monat beizusteuern. Weitere Paten sind willkommen. Mehr Infos erteilt er unter blankenheim_stefan@web.de per E-Mail. Infos über den Freiwilligendienst gibt es auch unter www.asf-ev.de im Internet.

Gespannt ist der Rheinfelder auch darauf, wie soziale Arbeit in anderen Ländern ausgeübt wird und ob Sprachbarrieren überwunden schnell werden. „Auch dass ich mit Kindern und Jugendlichen, aber auch mit Erwachsenen arbeiten kann, darauf freue ich mich sehr“, hält Stefan Blankenheim das für eine gute Vorbereitung seines späteren Sozialpädagogik-Studiums. Auch bei den Falken werde behinderten Jugendlichen eine Teilnahme an den Aktionen ermöglicht: „Das möchte ich weiter vorantreiben“, sagt er mit Blick auf harmonische Gruppen, deren Mitglieder einander Respekt und Wertschätzung entgegenbringen. „Es bereitet mir viel Freude, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten und die soziale Entwicklung ihrer Persönlichkeiten zu fördern“, sagt der 21-Jährige. Diese Erfahrungen sollen ihm helfen, sich auf die Arbeit mit Menschen mit Behinderung zu spezialisieren.

„Die Arbeit mit Überlebenden der Shoa und ihren Nachkommen ist mir auch sehr wichtig, um das Andenken an die Opfer der Verbrechen des NS-Regimes weiter zu tragen und kommenden Generationen ihre Verantwortung bewusst zu machen, Rassismus, Antisemitismus und Rassenideologie nie wieder erstarken zu lassen, sodass solche Verbrechen sich niemals wiederholen“, betont der Dormagener.

„Zusätzlich möchte ich durch den Freiwilligendienst meine Sprachkenntnisse verbessern und praktische Fähigkeiten durch die Herausforderungen der Orientierung und des Lebens in einem anderen Land erwerben“, fasst Stefan Blankenheim seine weiteren Ziele zusammen.