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Dormagen: Dormagen stärker verschuldet

Dormagen : Dormagen stärker verschuldet

Die Verschuldung der Dormagener Bürger hat zuletzt zugenommen. Besonders viele Menschen in Hackenbroich stehen in der Kreide. Die Schuldnerberatung des Internationalen Bundes (IB) weiß, wo die Gründe dafür liegen.

Der Mann, der sich im Elektronikmarkt auf Pump mit Stereoanlage und Flachbildschirm eindeckt; die Frau, die im Internet Schuhe nur dutzendweise shoppt —aus Sicht von Sina Degenhard sind Beispiele wie diese (oftmals) ein Klischee. Die gelernte Sozialpädagogin und Schuldnerberaterin beim Internationalen Bund (IB) in Nievenheim erklärt: "Es sind oft Trennung, Arbeitsplatzverlust oder Krankheit, die Menschen in die Schulden stürzen." Und genau das passiert in Dormagen zunehmend öfter, wie aus aktuellen Zahlen zu ersehen ist, die das Inkassobüro Creditreform in seinem Schuldner-Atlas 2011 ermittelt hat.

In ganz Dormagen weisen 8,63 Prozent der Menschen über 18 Jahren so genannte Negativ-Merkmale (siehe Info-Grafik) auf. Das ist mehr als in den Jahren 2010 (8,50 Prozent und 2009 (7,94 Prozent). Zum Vergleich: In Düsseldorf liegt dieser Wert bei 12,16 Prozent, in Neuss bei 12,55 Prozent; den besten Wert im Rhein-Kreis Neuss kann Meerbusch mit 6,67 Prozent vorweisen.

Insbesondere in Hackenbroich ist die Schuldner-Quote mit 12,04 Prozent gewohnt hoch. Besonders gering ist die Quote dagegen in Delhoven, wo nur 4,83 Prozent der 3126 Bürger über 18 Jahre in der Kreide stehen. Als unvermeidbare Gründe für eine Überschuldung nennen die Macher des Schuldner-Atlas ähnlich wie der IB Arbeitslosigkeit (28,3 Prozent), Scheidung oder Trennung (14,9 Prozent), Krankheit (13,8 Prozent), Tod des Partners (4,2 Prozent). Doch auch vermeidbares Verhalten wie Konsum (12,1 Prozent) oder Unwirtschaftliche Haushaltsführung (3,4 Prozent) führen oftmals in die Pleite. Rainer Bovelet von der Agentur Synergie 2, der den Schuldner-Atlas 2011 für Creditreform konzipiert hat, ist sich sicher: "Wir halten eine Informationsoffensive zum Thema Überschuldung für absolut notwendig."

Die Probleme, die beim IB ankommen, sind oft nicht rein technisch. "Schulden sind oft mit Scham verbunden", sagt Sina Degenhard. 200 "Erstberatungen" haben die beiden Schuldnerberater des IB geleistet — dazu laufenden Fälle. "Der Bedarf ist groß", sagt Sina Degenhard. Vier bis sechs Wochen muss man auf einen Termin beim IB warten — das ist im Vergleich zu anderen Schuldnerberatungen kurz. Das Geschlecht spielt bei der Verschuldung aus Sicht des IB kaum eine Rolle. "Männlich oder weiblich — die Schulden sind aus meiner Erfahrung 50:50 verteilt", sagt Sina Degenhard. Als letzte Option bleibt oft nur noch die Privatinsolvenz. Sechs Jahre zieht sich das Prozedere hin. Voraussetzung ist, dass der Schuldner versucht hat, sich mit dem Gläubiger zu einigen. Degenhard: "Traurig ist es, wenn ein Schuldner in der Privatinsolvenz in die Beratung kommt und man merkt: Er hat wieder Schulden gemacht."

(NGZ/url)