Dormagen: Stadtverwaltung will Trinkwasserspender in Innenstadt testen

Antrag in Dormagen : Stadtrat lehnt Trinkwasserspender ab

Der Stadtrat lehnte ein Pilotprojekt zur Aufstellung von Trinkwasserspendern ab. Die laufenden Kosten seien für den städtischen Haushalt zu hoch. Der Antrag war im Sommer von der SPD-Fraktion eingereicht worden.

Nach einem Antrag der SPD-Fraktion vom 30. Juli hat sich die Dormagener Politik mehrheitlich gegen die Installation eines Trinkwasserspenders ausgesprochen. Nach mehreren Sitzungen war zunächst von einem einjährigen Testlauf die Rede, um anschließend zu entscheiden, ob in Zusammenarbeit mit der evd Energieversorgung Dormagen künftig dauerhaft die kostenlosen Spender in der Innenstadt sowie im touristischen Zentrum Zons aufgestellt werden könnten.

Im Stadtrat am Donnerstag fand das Pilotprojekt keine Mehrheit. Auch der Vorschlag der SPD, den Trinkwasserspender erst einmal für ein Jahr probeweise anzubieten, lehnten CDU, Zentrum, Bündnis 90/Die Grünen und FDP ab. „Die Kosten sind zu hoch: Vor allem, da es an zwei Stellen in der Innenstadt bereits kostenloses Trinkwasser gibt, brauchen wir keine weitere“, erklärte CDU-Fraktionsvorsitzender Kai Weber. Die beiden Abzapfstellen sind in der Verbraucherberatung an der Kölner Straße und in der Rathaus-Galerie. Die hohen Kosten habe auch die SPD im Blick, so Fraktionschef Andreas Behncke: „Aber die Sommer werden immer heißer und die Umweltbelastung durch Plastik nimmt immer mehr zu, daher wäre ein auf ein Jahr begrenztes Pilotprojekt sinnvoll.“

Wie Grünen-Fraktionschef Tim Wallraff erklärte, sehe seine Fraktion den Vorstoß „grundsätzlich positiv“, frage sich aber, ob es nicht günstiger angeboten werden könne, eventuell mit Kooperationspartnern oder durch das Verlegen eines Wasserhahns in der Stadtbibliothek. Auch Zentrums-Fraktionschef Hans-Joachim Woitzik kritisierte die hohen Kosten: „Wir möchten nicht, dass der städtische Haushalt auf Dauer damit belastet wird.“

Zuvor hatte Klemens Diekmann, Geschäftsführer des Energieversorgers evd, ausgeführt, dass in Köln von April bis Oktober ca. 300 Kubikmeter Wasser durch den Trinkwasserspender fließen würden: „Aus hygienischen Gründen müssen das ,Dauerläufer’ sein, bei denen das an den Gefäßen vorbeilaufende Trinkwasser dann ins Abwasser geleitet wird.“

Die SPD begründete in ihrem Antrag, dass durch die Bereitstellung eines Trinkwasserspenders, an dem direkt Wasser getrunken oder mitgebrachte Trinkflaschen aufgefüllt werden können, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt gesteigert werden könne. Als mögliche Sponsoren standen die evd, die Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dormagen oder die City-Offensive Dormagen im Raum.

In den vorigen Sitzungen wurde der Kostenpunkt auf bis zu 14.000 Euro pro Wasserspender gerechnet, zusätzlich der jährlichen Wartungskosten in Höhe von über 10.000 Euro. In einer Stellungnahme der evd heißt es, dass jährlichen Betriebsarbeiten nach der Trinkwasserverordnung – bestehend aus Wasserproben, Reinigung und Inspektion – die größten Kostentreiber im Falle einer Installation seien.

Neben der Kostenfrage war auch lange der Standort eines solchen Trinkwasserspenders strittig. Zum einen wurde wegen der Innenstadt-Nähe der zentrale Platz vor dem Historischen Rathaus vorgeschlagen sowie zum anderen das Kreismuseum in Zons. Erster Beigeordneter Robert Krumbein gab in einer Beratungsvorlage vom August zu bedenken, dass „eine solch moderne Straßenmöbilierung aus Sicht der Stadtmarketing- und Wirtschaftsfördergesellschaft Dormagen nicht in die historische, denkmalgeschützte Altstadt passt“. In der Innenstadt sei ein Trinkwasserspender „gestalterisch vertretbar“, solange er „die Ansicht des Historischen Rathauses“ nicht beeinträchtige.