Dormagen: Stadt erklärt ihre Straßennamen

Ortsgeschichte in Dormagen : Die Stadt erklärt ihre Straßennamen

Auf sogenannten Legendenschildern sind Zusatzinformationen zu finden, zum Beispiel über die Persönlichkeit, nach der eine Straße benannt ist. Doch noch gibt es Lücken. Die Stadt will sie nach und nach schließen.

Kennen Sie Franz Gerstner? „Klar“, werden historisch Kenntnisreiche jetzt vielleicht sagen, „das ist doch der deutsche Politiker aus dem 19. Jahrhundert.“ Kann sein, dass jemand anders dann jedoch korrigiert: „Politiker ist zwar richtig, aber gelebt hat der von 1925 bis 2013.“ Und ein Dritter sagt womöglich: „Ihr liegt beide völlig falsch. Franz Gerstner war ein österreichischer Eisenbahntechniker.“ Das Tollste dabei wäre: Alle hätten Recht. Denn die beiden Politiker und den Eisenbahntechniker mit dem Namen Franz Gerstner gab es alle tatsächlich. In Dormagen gibt es sogar eine Straße, die nach Franz Gerstner benannt ist. Nach welchem, das verrät eine Zusatztafel, die unter dem Straßenschild angebracht ist. Wer sich die Tafel anguckt, stößt dort auf Franz Gerstner Nummer 4: In Dormagen wird mit der Straßenbezeichnung nämlich an den Bürgermeister erinnert, der von 1952 bis 1964 Oberhaupt der Chemiestadt war und in dessen Amtszeit unter anderem der Bau des Bettina-von-Arnim-Gymnasiums fiel.

Die Stadt hat es sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Straßennamen mit erläuternden Zusatztafeln auszustatten, zumindest da, wo nähere Erklärungen Sinn machen und zusätzliche Informationen für interessierte Bürger versprechen. Das selbe gilt für bestimmte Liegenschaften wie zum Beispiel Latourshof und Leckenhof.

Schon im Jahre 1985 hatten der Dormagener Kulturausschuss und der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, bei der Neuanlage von Straßen erläuternde Schilder zu den Straßennamen anzubringen. Bei schon vorhandenen Straßen sollte sukzessive „nachgerüstet“ werden. Zum Teil hat das auch sehr gut funktioniert: In den Baugebieten Gansdahl II, Sasser Schepp und in den Malervierteln I und II etwa gebe es eine flächendeckende Zusatzbeschilderung, so die Stadt.

Dennoch gibt es eine ganze Anzahl von Lücken im Straßenschildergeflecht, eine ganze Reihe solcher sogenannten Legendenschilder ist noch nicht angebracht worden, obwohl es sinnvoll wäre. Hinzu kommt, dass mitunter Zusatztafeln gestohlen oder durch Vandalismus beschädigt werden.

„Die Verwaltung ist daher dankbar für Hinweise aus dem Kulturausschuss und dem Planungs- und Umweltausschuss, wo Legendenschilder noch fehlen bzw. besonders gewünscht werden“, schreibt Bürgermeister Erik Lierenfeld in einer Informationsunterlage für den Kulturausschuss, der sich am Dienstag, 28. April, um 17.30 Uhr im Ratssaal zu seiner nächsten Sitzung trifft.

Die Hinweise könnten an den Fachbereich Städtebau gerichtet werden. „Bei Straßenbezeichnungen nach Persönlichkeiten oder geschichtlichen Orten und Flurbezeichnungen erfolgt dann im Regelfall eine inhaltliche Abstimmung mit dem Archiv im Rhein-Kreis Neuss“, ergänzt der Bürgermeister.

Einen kleinen Haken hat die Sache aber: die Finanzmittel, die für die Ergänzungen vorhanden sind. Laut Stadtverwaltung stehen zurzeit im Wirtschaftsplan der Technischen Betriebe Dormagen (TBD) jährlich 1000 Euro für die Zusatzschilder zur Verfügung – ein überschaubarer Betrag. Immerhin: Mit dem Geld könnten pro Jahr ungefähr 20 neue Tafeln angeschafft werden.

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