Dormagen: Raphaelshaus möchte großen Bunker zur Gedenkstätte ausbauen

Jugendhilfezentrum in Dormagen: Der Bunker unter dem Raphaelshaus

Tief unter der Erde befindet sich mitten unter dem Jugendhilfezentrum Raphaelshaus ein lang vergessener, gut erhaltener Weltkriegs-Bunker. Dort will die Einrichtung eine Gedenkstätte errichten.

24 Stufen führt die steinerne Treppe hinter einer verschlossenen Tür vom Spielplatz des Jugendhilfezentrums Raphaelshaus in die dunkle Tiefe. Sieben Meter lang geht es abwärts. Abdichtende Metalltüren, die die rund 80 Jahre seit dem Bau des Bunkers gut überstanden haben, tauchen nach zwei Biegungen im Schein der Taschenlampe auf.

Der Abstieg in die Vergangenheit ist spannend und angesichts der Todesängste im Krieg auch berührend und bedrückend. Und überraschend: Denn wer beim Gedanken an einen Bunker an einen einzigen Raum unter der Erde denkt, wird unter dem Gelände des Raphaelshauses eines Besseren belehrt: Vier große, langgezogene Schutzräume, die an ihrer höchsten Stelle 2,20 Meter hoch, 2,65 Meter breit und 10,50 Meter lang sind, sind mit zwei Gasschleusen und einem Verbindungsweg zu einem langgestreckten begehbaren Ganzen gebaut worden. „Man spürt sofort die Enge, Angst und Ungewissheit, die hier unten geherrscht haben muss“, sagt Raphaelshaus-Direktor Marco Gillrath.

Daniel Mastalerz (l.) und Marco Gillrath an der Tür „17a“ zum Bunker. Foto: Georg Salzburg(salz)
  • Jugendhilfezentrum in Dormagen : IT-Auffrischung für das Raphaelshaus

Dort soll eine Gedenk- und Erinnerungsstätte entstehen. „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich hautnah und konkret mit dem Terror des Zweiten Weltkriegs auseinander zu setzen und Schicksale aus ihrer Umgebung kennenzulernen“, so Gillrath. Doch bis diese Idee vielleicht bis Sommer 2019 umgesetzt werden kann, müssen noch viele Arbeiten erledigt werden. Jetzt schon arbeiten die Pädagogen und anderen Mitarbeiter mit Hochdruck an dem museumspädagogischen Projekt, indem sie auch andere Gedenkstätten wie in Köln besuchen, sich mit Feuerwehr und Stadt um Sicherheit, Brandschutz, Belüftung, CO- und CO2-Meldeanlagen und andere nötigen Aufgaben kümmern. „Die Statik stimmt“, betont Gillrath. Die Räume des Bunkers sind gut erhalten, einigermaßen geräumig und haben zwei Zugänge – so lautet das Fazit der Bauaufsicht. „Eine Nutzung für geführte Besichtigungen ist denkbar, wenn eine entsprechende Baugenehmigung beantragt und die sichere Benutzung durch ein Brandschutzkonzept nachgewiesen wird“, sagt Stadtsprecher Max Laufer.

Die Türen sollen historisch aussehende neue Gummidichtungen erhalten. Foto: Georg Salzburg(salz)

Wiederentdeckt wurde der gut erhaltene Bunker des Modells „Neuss“ nach gut 40 Jahren aus Zufall. Der stellvertretende Einrichtungsleiter Daniel Mastalerz, ein erfahrener Höhlenkletterer, wollte vor der endgültigen Schließung des Eingangs mal hineinschauen. Die anderen beiden Bunker auf dem Gelände sind entweder nach wenigen Metern verschüttet oder voll Wasser. „Einen Schutzraum lassen wir so, wie er ist“, erklärt Mastalerz. In den anderen sind die Rekonstruktion der Holzbänke („30 Zentimeter pro Sitz“), weitere Ausstellungsstücke, Erklär-Tafeln und eine Filmvorführung denkbar. Auch die elektrischen Leitungen sollen nach der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg aussehen, als der Bunker gebaut wurde und Zwangsarbeiter die Bauteile herbrachten. So sollen Holzdübel und alte Stahlrohre eingebaut werden. „Wir wollen moderne Standards, aber altes Aussehen“, erklärt Mastalerz.

Vermoderte Gasmasken 73 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Foto: Georg Salzburg(salz)
Mehr von RP ONLINE