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Dormagen: Dormagen plant die Friedhöfe der Zukunft

Dormagen : Dormagen plant die Friedhöfe der Zukunft

Der Trend geht bei Beerdigungen hin zu Urnenbegräbnissen. Weil es mehr freie Flächen gibt, entwickelt die Stadt neue Ideen und Konzepte.

Der Trend ist ganz klar: Immer mehr Dormagener wünschen sich eine Beerdigung in einem Urnengrab anstelle der klassischen Erdbestattung. Das ist in Dormagen deutlich ausgeprägt, in den sehr ländlichen Bereichen weniger. "War das Verhältnis zwischen Erd- und Urnenbestattung vor fünf Jahren noch ausgeglichen", sagt Gottfried Koch, Leiter der Technischen Betriebe Dormagen (TBD), "so bevorzugen jetzt 62 Prozent der Dormagener für eine Bestattung ihrer Angehörigen auf dem Hauptfriedhof die Urne. Tendenz steigend." Koch arbeitet zurzeit mit seinen Kollegen an einem neuen Friedhofsentwicklungsplan, in dem auch neue Tendenzen aufgezeigt und den Politikern Vorschläge für die künftige Gestaltung gemacht werden. Zum Beispiel mit Gemeinschafts- oder Baumgräbern.

Im vergangenen Jahr fiel, im Zusammenhang mit der Diskussion über das Haushaltssicherungskonzept, die Entscheidung, die Friedhöfe in den Ortsteilen zu erhalten. Auch, dass die vorhandenen Erweiterungsflächen nicht mehr auf Vorrat gehalten werden. Die sind zum Teil recht groß, wie das Areal am Hauptfriedhof am Holzweg. Aber auch Flächen in Straberg, Gohr oder Nievenheim. Inzwischen wissen die Technischen Betriebe, in deren Regie die neun städtischen Friedhöfe liegen, alles über diese Liegenschaften: Mit einem Aufwand von über 150 Arbeitsstunden wurden die Friedhöfe digitalisiert. Allein 21 000 Grabstellen wurden dokumentiert, dazu Wege und Hallen. Durch den Trend zur Urnenbestattung werden immer mehr Grabfelder frei. "Wir wollen verhindern, dass dadurch Flickenteppiche entstehen", sagt Fachbereichsleiterin Angelika Schiffer, "die Grabstellen sollen schon zusammenliegen." Das ist auch für die Unterhaltung der Gräber kostengünstiger. Auch wenn zukünftig größere Gräberfelder ungenutzt bleiben, die Friedhöfe werden in ihrer Größe bestehen bleiben. Weil "es guter Brauch ist, Friedhöfe in ihren fest stehenden Eingrenzungen nicht anzurühren", sagt Gottfried Koch.

Koch und Schiffer wollen in diesem Jahr der Politik Konzepte vorlegen, wie Friedhöfe weiterentwickelt werden können. Eine Idee lautet "Baumgräber". Dabei wird eine kreisrunde Fläche unter einem Baum mit breiter Krone in Segmente geteilt, in jedem finden bis zu acht Urnen Platz. So liegen in Duisburg Kieselsteine mit den Namen der Toten auf den Segmenten. Eine andere Idee ist die der Gemeinschaftsgrabfelder, wie es sie in Köln-Chorweiler gibt. Dort entfällt die Pflege durch Angehörige, die Verträge mit Gärtnern schließen. "Optisch sehr gelungen", findet Koch. Er ist bei den neuen Konzepten in engem Kontakt mit den örtlichen Bestattern, Steinmetzen und Gärtnern.

Ein Thema sind auch Grabfelder für Muslime. "Die werden allerdings noch nicht so angenommen", sagt Koch. In der Regel überführen Muslime ihre Toten in die Heimat. "Unser Angebot wird wohl erst von der nächsten Generation gut angenommen", glaubt Koch. Bislang sind es meist Araber, die auf die TBD zukommen. Zur Friedhofshalle und zum Grab müssen die Toten aufgrund der hier geltenden Vorschriften in einem Sarg transportiert werden, ehe sie in einem Leinentuch bestattet werden können.

(NGZ)