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Dormagen-Nievenheim: Bald Bio-Methangas vom Conradshof

Conradshof Straberg : Bio-Methangas bald auch für Nievenheim

Der Conradshof versorgt mit seiner Bio-Methangasanlage Straberg, Teile von Delhoven und das Kloster Knechtsteden. Mit einem neuen, leistungsstarken Motor wird das Strom-Geschäft ausgebaut.

Dem Wochenende blickt Hans-Jakob Lemper mit Freude entgegen: niedrigere Temperaturen und die Aussicht auf Regen. Wie seine Kollegen auch kann er sich mit der wochenlangen Hitze einfach nicht anfreunden, weil sie seinem Mais, den Zuckerrüben und dem Kartoffelanbau nicht gut tut. „Einfach schlecht für das Pflanzenwachstum“, sagt der Chef des Conradshofes in Straberg. Hinzu kommt ein weiterer, entscheidender Aspekt: Mit Mais und Zuckerrüben befeuert Lemper seine Biogasanlage, die wiederum ganz Straberg, Teile von Delhoven und das Kloster Knechtsteden mit Bio-Strom beliefert. Denn der Conradshof steht beileibe nicht allein für Spargel, Erdbeeren oder Kartoffeln. Das Geschäft mit Bio-Methangas wird ausgebaut, weil auf dem Conradshof ein neuer Motor steht, der viel leistungsstärker ist als die bisherigen drei. Wenn die Genehmigung des Rhein-Kreises vorliegt, kann es losgehen. Dann wird mit dem Strom künftig auch ein Großteil von Nievenheim beliefert.

Wer sich auf dem Conradshof umschaut, dem fällt sofort der riesige Berg Maissilage auf. „Futter“ für die Anlagen, in denen Lemper Bio-Methan-Gas, also Biomasse-Strom, produziert. Im Sommer werden täglich 14 Tonnen Mais verarbeitet, im Winter sind es 22 bis 23 Tonnen. Um die Mengen einschätzen zu können, vergleicht Lemper: „Das ist eine Menge, die 250 bis 300 Kühe bzw. Rinder am Tag fressen würden.“

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Der auf dem Hof produzierte Strom wird ins Dormagener Stromnetz eingespeist. Die Zauberformel heißt aus Sicht des Landwirtes „flexible Stromproduktion“. Teure „Stromspitzen“ sollen so gebrochen werden. Er braucht nicht 24 Stunden am Tag diese Energie zu produzieren, weil im Netz der Strom vorhanden ist, der zum Beispiel von der Energieversorgung Dormagen (evd) im Solarpark an der ehemaligen Mülldeponie in Gohr gewonnen wird. Morgens zwischen 5.30 und 8.30 Uhr sowie nach 17 Uhr ist der Conradshof bei der Stromversorgung mit dabei, „wenn aufgrund fehlender Sonneneinwirkung im Solarpark nicht mehr ausreichend Strom produziert werden kann“. Ähnliches gilt bei Regenwetter oder im Winter. Der Conradshof trägt damit seinen Teil zur Stabilität des Dormagener Stromnetzes bei. Abgerechnet wird mit der Rheinischen Netzgesellschaft.

Der neue Motor, den Hans-Jakob Lemper bald anwerfen wird, ist mit 900 Kilowattstunden deutlich leistungsstärker als die drei bisherigen mit jeweils 250 Kilowattstunden. Mehr wird es nicht werden: „Wir haben dann das Maximum dessen erreicht, was wir produzierten dürfen.“

Der Conradshof versorgt auch das komplette Kloster Knechtsteden. Mit dabei ist das Norbert-Gymnasium, das vor fünfeinhalb Jahren von Lemper ein eigenes Blockheizkraftwerk installiert bekam. Damit kann zum Beispiel kostengünstiger die Versorgung des eigenen Hallenbads sicher gestellt aber auch Schule und Basilika mit Wärme versorgt werden. Dieses Projekt basiert auf einer Kooperation mit Lemper, von dessen Hof die Rohre zum NGK verlegt wurden. Der Vorsitzende des Norbert-Vereins, Wilhelm Meller, erklärte damals, dass so rund 50.000 Euro an Energiekosten gespart werden würde.

Für die Familie Lemper und den Conradshof hat die Biostrom-Produkion auch einen erfreulichen Nebeneffekt: Denn als „Abfallprodukt“ entsteht auch Wärme, die bei ihnen zum Heizen verwendet wird.