Dormagen: Mitsingparty führt Pänz an Mundart heran

Premiere in Dormagen: Mitsingfete führt Pänz an Mundart heran

In der Zonser Nordhalle konnten Jungen und Mädchen mit kölscher Live-Musik von der Band „Mundgerecht“ ausgelassen feiern und ihre „Heimatsproch“ lernen.

Ihre Finger sind etwas steif vom Knotendrehen im Akkord, aber egal, denn Deko ist alles an Karneval: An die 100 Luftballons hängen, im Karree drapiert, von der Decke und verwandeln die Nordhalle in einen Partyraum de luxe. Rund um Regine Prause herum springen Cowgirls und Prinzessinnen, Cops und Eisbären, maximal ein Meter zwanzig groß, wie jeck umher und machen den Flieger, derweil die vier Jungs von „Mundgerecht“ auf der Bühne dazu Text und Tonlage vorgeben. Es ist Freitagnachmittag, und die Nordhalle erlebt die erste Tanzparty in ihrer mehrhundertjährigen Geschichte. Das Mundartarchiv im Rein-Kreis Neuss hat eingeladen zur Kinder-Mitsing-Party im Karneval. Und Eltern und Pänz finden’s famos.

„Eine Kinderfete mit Live-Musik, wo die Kids einmal so richtig durchstarten können, ist echt stark“, findet eine Mutter, das Kindergartenkind im Auge, den beseelt glucksenden acht Monate alten Junior auf dem Schoß. Erstklässler, pardon, Polizist Phil springt im Takt von „Kölsche Jung“ und reckt die Faust, hinter der sechsjährigen Giulia im regenbogenbunten Prachtkleid formiert sich eine fröhliche Polonäse.

Manch ein Besucher sieht den beeindruckenden Raum zum ersten Mal von innen. „Boah, ist das schön hier, kann man das auch privat mieten?“ Wohl eher nicht. Die Nordhalle ist aufgrund der dort angebrachten wertvollen textilen Wandbehänge des Künstlers Helmut Hahn in der Regel wenigen ausgewählten Nutzungen vorbehalten, wozu Theateraufführungen, Tagungen, Vorträge und klassische Konzerte zählen.

Aus dem Gewusel schält sich der oberste Hausherr und Kulturdezernent des Kreises, Tilmann Lonnes, im Gewande Charlie Chaplins, und erklärt, es sei ein Versuch, „den musealen Raum auch für andere Veranstaltungen zu öffnen“. Die Verbindung zum Bildungsauftrag des Kreises liegt für ihn auf der Hand: „Wir führen Kinder hier ans rheinische Brauchtum heran, und das ist zweifellos mit Mundart verbunden.“ Stimmt. Was die Band „Mundgerecht“ hier zu Kindergehör bringt, stammt fast ausschließlich aus der Mundorgel des Kölner Karnevals.

Ideengeberin der ersten Kinder-Mitsing-Party ist die „größte Karnevalistin in Zons und Umland“, sagt Achim Thyssen, Leiter des Mundartarchivs, lachend. Regine Prause arbeitet im Archiv, ist vierfache Oma, im Hätze jeck und möchte, „dass die Kinder unser Brauchtum kennenlernen und Spaß daran haben“. Dafür sorgen auch Limo, Würstchen und Süßkram zum Taschengeldpreis, unters Partyvolk gebracht durch Ehrenamtliche vom „Verein zur Pflege und Förderung der Mundart im Kreis Neuss“. Bananen und Birnen gibt’s umsonst.

Zum guten Schluss macht das Zonser Kinderprinzenpaar, die doppelte Fiona, seine Aufwartung, dazu tanzen die Roten Funken. Um 18 Uhr ist Schluss. Die meisten Gäste können zu Fuß nach Hause gehen: Bis auf die Band, die aus Gohr kommt, waren kaum „Immis“ da. Das dürfte sich bei der fest geplanten zweiten Auflage im kommenden Jahr ändern, wenn sich das fabelhafte und kostenlose Angebot erst einmal rumgesprochen hat.

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