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Dormagen: Marco Gillrath ist seit einem Jahr Raphaelshaus-Direktor

Marco Gillrath vom Raphaelshaus Dormagen im Interview : „Allein könnte ich nicht viel bewegen“

Seit einem Jahr ist Marco Gillrath (44) Direktor des Jugendhilfezentrums Raphaelshaus mit 250 Mitarbeitern.

Herr Gillrath, seit einem Jahr sind Sie offiziell Direktor des Jugendhilfezentrums Raphaelshaus und Nachfolger des nach 30 Jahren in den Ruhestand verabschiedeten Hans Scholten. Wie war Ihr erstes Jahr als Chef?

Marco Gillrath Schon im ersten Jahr haben wir – die Leitungsrunde und ich – viel erreicht. Die Einrichtung ist weiterhin pädagogisch und wirtschaftlich gut aufgestellt. Ich habe den Schwerpunkt auf vermehrte Einbindung der 250 Mitarbeitenden gelegt. Das führt zu vielen kreativen Ideen, die wir gemeinsam umsetzen. Meine Tür ist immer offen. Inhaltlich möchte ich die Kinder und Jugendlichen, aber vor allem deren Eltern noch mehr einbeziehen.

Wie setzen Sie dieses Ziel um?

Gillrath Wenn Kinder und Jugendliche zu uns kommen, geht es darum, ihnen eine Perspektive zu geben und ihnen zu helfen, ihr Leben in Zukunft gut zu führen. Dafür brauchen wir die Sorgeberechtigten. Wir sitzen mit ihnen in einem Boot. Sie müssen nicht mit uns rudern, aber dürfen auch nicht dagegen paddeln. Wenn Eltern nicht hinter unseren Maßnahmen stehen, gibt es keine Entwicklung. Da ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen.

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Hat es Ihnen den Einstieg erleichtert, dass Sie bereits acht Jahre im Raphaelshaus als Bereichsleiter gearbeitet hatten?

Gillrath Natürlich war es für mich einfacher als für einen Außenstehenden, da ich Haus, Mitarbeitende und Strukturen schon kannte. Das war eine gute Hilfe. Aber es war in neuer Funktion dann schon ein anderes Arbeiten mit meinen Kollegen als vorher (lacht). Das waren neue Aufgaben und Herausforderungen.

Sie haben zum Start gesagt, dass Sie Gutes und Bewährtes weiterführen wollen, aber trotzdem einen eigenen Stil pflegen. Wie hat sich das im ersten Jahr gezeigt?

Gillrath Es macht ja keinen Sinn, etwas zu ändern, nur um des Änderns willen. Das brauche ich nicht als Zeichen. So behalten wir Aktionen wie die Stolperstein-Reinigung oder Veranstaltungen für unsere Förderer gern bei. Und wir engagieren uns weiter für Dormagen, zum Beispiel mit dem Säubern des Bahnhofsumfelds. Den Übergang habe ich als reibungslos erlebt: Ich bin geradezu gerührt, dass weiterhin so viele Freunde das Raphaelshaus unterstützen. Da können wir auf ein gutes Netzwerk setzen.

Dass Ihre neue Aufgabe spannend werden würde, wussten Sie. Haben Sie die Vielfalt erwartet?

Gillrath Es ist schon erstaunlich, was alles auf den Direktor an Aufgaben zukommt (lacht). Ich bin Bauherr, Baustellenbetreuer, kümmere mich um Personal, Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit – von inhaltlicher Arbeit mal ganz abgesehen. Aber die Arbeit macht mir sehr viel Spaß. Und als Teamplayer habe ich viele kompetente Mitarbeitende, auf die ich mich verlassen kann. Allein könnte ich nicht viel bewegen.

Ein neues Projekt ist die Umgestaltung des jetzt wiederentdeckten weitläufigen Bunkers zu einer Gedenk- und Erinnerungsstätte. Hat Sie die Dimension überrascht?

Gillrath Nicht nur die räumliche. Denn Lehrer und andere Pädagogen engagieren sich sehr, dieses Projekt umzusetzen. Es ist schon sehr spannend, Geschichte hautnah mitzuerleben. Wir hoffen, dass wir bis zum Sommer einige Räume so mit Licht und Luftzufuhr hergerichtet haben, dass wir dort Führungen und geschichtliche Tafeln zeigen können. Wir wollen, dass sich unsere Kinder und Jugendlichen, die sich viel mit Demokratie beschäftigt haben, davon profitieren. Da ist der Bunker die Fortführung – als Zeugnis einer demokratiefernen Zeit.

Nun soll die Turnhalle saniert werden. Was planen Sie dort?

Gillrath Die alte Turnhalle ist in die Jahre gekommen, daher haben wir ihr unser Jahresprojekt gewidmet. Mit Spenden können sich unsere Gönner für alle Kinder der Raphaelschule und der Gruppen einsetzen. Mit neuem Hallenboden und vor allem besseren Umkleiden und guten sanitären Anlagen macht den Kindern Sport, Bewegung und Erlebnispädagogik wieder mehr Spaß.

Gibt es weitere Schwerpunkte?

Gillrath Wir wollen noch stärker auf Nachhaltigkeit setzen und die Themen Umwelt und Ökologie ausweiten. Auch wenn wir Brunnen, ein Blockheizkraftwerk und Solaranlagen haben, geht es auch um Stromsparen, umweltverträgliche Putzmittel und das richtige Heizen.

Sind Sie im Raphaelshaus vom Fachkräftemangel betroffen?

Gillrath Wir suchen weiterhin qualifizierte und engagierte Fachkräfte. Dafür wollen wir unser Bewerbungsmanagement noch verbessern. Wertschätzung und gute Arbeitsbedingungen sind wichtig, um gute Mitarbeiter zu halten. Dazu bauen wir ein systematisiertes Vorschlags- und Beschwerdemanagement für Mitarbeitende auf. Wir haben eine geringe Fluktuation, und zum Glück kehren viele ehemalige Praktikanten und Freiwillige zurück ins Raphaelshaus. Da gilt es, den Kontakt zu halten.