Dormagen: Kunstskandal im Kreismuseum

Theaterstück nach Nick Hornby : Kunstskandal im Kreismuseum

Im Kreismuseum Zons wurde ein Stück rund um zeitgenössische Kunst aufgeführt.

Das war eine ungemein passende Idee des Vereins der Freunde und Förderer des Kreismuseums Zons an der Schloßstraße: In der Bootshalle des Museums mit den modernen Wandbehängen von Helmut Hahn ein Stück aufführen zu lassen, das sich mit zeitgenössischer Kunst und der (notwendigen) Toleranz ihr gegenüber auseinandersetzt.

Das unterhaltsame Monodrama „NippleJesus“ von Nick Hornby (Deutsch von Clara Drechsler und Harald Hellmann) erzählt die Geschichte vom ehemaligen Türsteher Dave – 1,88 Meter groß, 95 Kilogramm schwer –, der einen Job als Wachmann in einem angesehenen Museum annimmt. Dieser „Scheißjob im Namen der Kunst“ platziert ihn in den „Southern Fried Chicken“-Flügel wo er auf das Exponat Nr. 49 in einem abgetrennten Raum aufpassen muss. Das 3,50 Meter hohe Kunstwerk ist von weitem betrachtet ein Kreuzigungsbild. Bei näherem Hinsehen ist die Figur des Jesus „mit Bart und Dornenkrone“ jedoch irritierenderweise aus Hunderten kleinen Quadraten mit weiblichen Brüsten und Nippeln, aus Pornoheften ausgeschnitten, gestaltet.

Zunächst hasst er das Bild, identifiziert sich aber immer mehr mit „seinem“ Kunstwerk und verteidigt es gegen Eiferer. „Die meisten Leute aber schauen sich das Bild an und sagen nichts, sie haben Angst, Scheiße zu labern!“ Josia Krug (29), seit 2015 festes Ensemblemitglied am Rheinischen Landestheater Neuss, scheint das Stück auf den Leib geschrieben zu sein. Er hat zwar nicht die Statur des Wachmanns, ist aber immer geradeheraus, man vertraut ihm. Der Schauspieler trägt sehr dynamisch vor, andere Stimmen wie die seiner Frau Lisa haben auch schon mal Dialekt.

Er ist im Kreismuseum inmitten der Zuschauer, in Wachmanns Pause lässt er eine Besucherin an seiner Stulle beißen. Als er die eigentliche Intention der Künstlerin erfährt, nämlich den geplanten Skandal auf Video zu filmen, ist er am Ende erschüttert und versteht die Welt nicht mehr.

Wenige Requisiten (Inszenierung/Bühne: Kai Wolters, Assistenz/Technik: Christina Schumann) reichten in der Bootshalle des museums aus, um den starken Monolog von Josia Krug zu illustrieren.

Der Londoner Erfolgsautor Nick Hornby (62), der es mit Werken wie „High Fidelity“, „Fever Pitch“, „How to be Good“ oder „About a Boy“ zum bedeutenden Schriftsteller der Popkultur brachte, verzichtet als Urheber des Stücks übrigens auf die Tantiemen, die Theater für die derzeit weltweiten Aufführungen zahlen müssen. Sie kommen einer Stiftung zur Förderung autistischer Kinder zugute. Dieser Organisation kamen auch die Einnahmen aus dem Verkauf von Hornbys Kurzgeschichten-Sammlung „Speaking with the Angel“ sowie der Filmrechte an „How to be Good“ zugute. Hornby ist selbst Vater eines autistischen Sohnes

Mehr von RP ONLINE