Dormagen: Kinderschutz-Päsident Heinz Hilgers wird 70

Dormagener Hilgers wird 75: Politikstratege und Kämpfer für Kinderrechte

Am Sonntag wird Heinz Hilgers, ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter und Dormagener Bürgermeister, 70 Jahre alt.

Frank-Walter Steinmeier war der Erste, jedoch viel zu früh. Schon am Freitag gratulierte der Bundespräsident zum Geburtstag, dabei feiert Heinz Hilgers erst am Sonntag die Vollendung seines 70. Lebensjahrs. Hilgers nahm es gelassen und freute sich dennoch. Am eigentlichen Jubeltag wird er es ruhig angehen lassen, eine größere Feier ist nicht vorgesehen: „Die folgt ein paar Tage später, wenn meine Frau ebenfalls ,rundet’, dann feiern wir zusammen.“ Mit Familie und ein paar guten Freunden wird gleichwohl angestoßen. Hilgers freut sich vor allem auf den Besuch von Leonie - seine erste Enkelin, die gerade einmal sechs Wochen alt ist.

Nicht viel Aufhebens um seine Person zu machen ist eine Haltung, die Hilgers ausstrahlt. „Ich ruhe schon in mir, ich bin zufrieden“, sagt er. Der noch 69-Jährige ist ein Mann, den vieles bewegt und der in seinem bisherigen Leben viel bewegt hat. Wenn die Dormagener über die verkehrsberuhigte „Kö“ schlendern, die „Kulle“ zu einer Kulturveranstaltung besuchen oder in der Stadtbibliothek ein Buch ausleihen - dann haben diese Einrichtungen ganz viel mit ihm zu tun. Ebenso die erste Gesamtschule im Rhein-Kreis Neuss.

Gut gelaunt als Karnevalist: Heinz Hilgers (2. v. l.) im Rathaus mit Guido Schenk, Clemens Diekmann, Klaus Schmitz und Andrea Kunz, v. l. Foto: Klaus D. Schumilas kds

Denn Hilgers hat diese Projekte als Bürgermeister in der Zeit von 1989 bis 1999 sowie von 2004 bis 2009 sowie als Fraktionsvorsitzender der SPD maßgeblich angestoßen und begleitet. Mehr als ein Vierteljahrhundert gehörte er zu den einflussreichsten Politikern der Stadt, der Dormagen zwischen 1985 und 1994 auch im Landtag vertrat. Für seine Verdienste wurde er als dritter Dormagener überhaupt zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Auch als Senior mischt er noch im Hintergrund mit. Es heißt, dass sich Bürgermeister Erik Lierenfeld als Neuling im Rathaus dem Rat von Hilgers nicht verschlossen habe.

Der weltgewandte Politiker mit rheinischer Mentalität ist offen für jedes Thema. Ob aktuell die Fußball-WM, die Handball-Spiele des TSV, die Entwicklungen in seiner Heimatstadt oder die große Politik. Absolute Herzenssache sind dort die Kinder und ihre Rechte. Seit genau 25 Jahren ist Heinz Hilgers Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes und dafür in der Woche „mindestens 40 Stunden ehrenamtlich unterwegs“, sagt er.

Heinz Hilgers (r.) wurde 1989 zum Bürgermeister gewählt. Foto: N.N./n.n.
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Er spricht mit allen Großen im Lande, als nächstes will er das Gespräch mit Bayerns Minister Markus Söder (CSU) suchen, um auch von ihm die Unterstützung für die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz zu erhalten, „noch vor der Landtagswahl“. Die Zusage von Bundesinnenminister Horst Seehofer hat er schon. „Wenn Kindern keine Chance auf Gesundheit, Bildung und Teilhabe gegeben wird, dann ist das auch eine Form des Schuldenmachens einer Gesellschaft“, sagt er. Drei Millionen Kinder im Land lebten auf Sozialhilfeniveau, „trotz der besten Wirtschaftslage, die wir je hatten“.

Hilgers nennt den Philosophen Jürgen Habermas, der in einem Vortrag gesagt hatte, dass alles zu ökonomisch gedacht werde, „das führt zu einer Verhärtung der Gesellschaft“. Mit ein Grund für den zu geringen Stellenwert von Kinderrechten. „Ein wichtiges Ziel wäre es zu erreichen, dass Kinderarmut nicht von Generation zu Generation weitergegeben wird.“ Dafür kämpft Hilgers, und auch deswegen wird er im nächsten Jahr erneut für das Amt des Präsidenten kandidieren.

Beim Versuch, den Handball-Klub DHC zu retten, arbeiteten die politischen Rivalen Peter-Olaf Hoffmann (CDU) und Heinz Hilgers (SPD) zusammen. Foto: Jazyk, Hans (jaz)

Dabei hätte er gerne Vizepräsidentin Sabine Andresen, Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung und nach Aussage von Hilgers die anerkannte Expertin beim Thema sexueller Kindesmissbrauch (die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung leitet sie), als seine Nachfolgerin gesehen. „Aber bei einem Treffen hat sie mir gesagt, dass sie so gerne mit mir zusammenarbeitet“, womit dieses Thema erledigt war.

Kinderschutz-Präsident Heinz Hilgers wurde vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff und Gattin Bettina empfangen. Foto: Privat
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