Informationsabend in Dormagen „Die Täterlobby ist sehr groß“

Nievenheim · Johannes Heibel berichtete über die „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch“, in der er sich seit 30 Jahren engagiert. Klar sei, dass mehr für Betroffene getan werden müsse.

 Johannes Heibel, Initiative gegen Gewalt vor der Kirche in Nievenheim

Johannes Heibel, Initiative gegen Gewalt vor der Kirche in Nievenheim

Foto: Melanie van Schyndel

Am Mittwochabend hatten Pastor Klaus Koltermann und Andrea Krahmer-Hützen, Präventionsbeauftragte im Seelsorgebereich Dormagen-Nord, zu einem Informationsabend mit anschließender Diskussionsmöglichkeit in die Pfarrkirche Sankt Pankratius eingeladen. Das Thema: „Warten, bis dass das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Der Sozialpädagoge Johannes Heibel, berichtete über seine Erfahrungen mit seiner Arbeit für die „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen.“

Die Kirche war gut besucht, etwa 30 Personen waren gekommen. Sowohl im Vortrag Heibels als auch in der anschließenden Diskussion wurde deutlich: Es muss noch viel mehr getan werden, um Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, vor Übergriffen, Missbrauch und Gewalt zu schützen. Das gelte für die Strukturen in der Kirche, aber auch in allen anderen Bereichen. Auch Schulen seien in der Pflicht, Veränderungen in ihrer Struktur vorzunehmen, denn dort würden immer noch viele Kinder zum Opfer, wie Johannes Heibel berichtete. „Die Täterlobby ist sehr groß“, meinte eine Teilnehmerin während der Diskussion. Die Justiz kümmere sich um die Täter, auch um die Resozialisierung. „Das Opfer bleibt meist auf der Strecke.“ Auch die Verurteilung der Staftäter dauere oft viel zu lange, in dieser Hinsicht müsse dringend etwas passieren.

Seit knapp 30 Jahren engagiert sich Heibel bereits vor allem für Kinder und Jugendliche, die sexuell belästigt oder missbraucht wurden und denen Gewalt angetan wurde. Er und die Mitglieder der Initiative begleiten und beraten deutschlandweit beispielsweise Betroffene und Vertrauenspersonen bei Gerichtsterminen, entwickeln Hilfepläne, zeigen Perspektiven, unterstützen bei der Suche nach Ansprechpartnern, unterstützen im Notfall auch finanziell und leisten viel Präventionsarbeit in Kindergärten, Schulen und der breiten Öffentlichkeitsarbeit. In seinem Vortrag berichtete Heibel von etlichen Fällen, die er in den letzten Jahren begleitet hat. Von einem Lehrer zum Beispiel, der Schülerinnen belästigt hat. Zu einer Verurteilung kam es jahrelang nicht - die Vergehen seien nicht schlimm genug, der Lehrer kein Klassen- oder Fachlehrer gewesen. Von einem Priester, der immer wieder auf neue Stellen versetzt wurde, anstatt verurteilt zu werden. Heibels Vorschlag: „Es sollte ein Ministerium für Opferschutz und Prävention geben.“ Es werde sich viel zu wenig um die Betroffenen gekümmert, die oft nicht wüssten, wo sie Hilfe erhalten. Auch ein Elternführerschein sei laut Weidel eine Möglichkeit, Eltern zu schulen, um Kinder bestmöglich schützen zu können.

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