Dormagen: Humboldt-Kantate in der Christuskirche

Festival Alte Musik in Dormagen : Humboldt-Kantate in der Christuskirche

Mit einer Humboldt-Kantate stand in der Christuskirche beim Festival Alte Musik ungewohnter weltlicher Chorgesang auf dem Programm, ergänzt durch Orgelmusik von J.S. Bach und Robert Schumann.

Treffsicher beim verpflichteten Ensemble Camerata Musica Limburg und der Organistin Beate Rux-Voss zeigte sich einmal wieder Hermann Max. Auch bei der Auswahl des Programms hatte der Dirigent die gewohnt glückliche Hand. Ihm zur Seite in der begleitenden Gesprächsrunde unter der Moderation von Bernd Heyder standen Tenor Andreas Frese und Germanist Karl-Heinz Göttert.

Mit „Begrüßung – Humboldt-Kantate“ machten 16 Sänger der Camerata per Frühwerk von Mendelssohn Bartholdy den Anfang. „Das ist Musik mit tiefen Klängen“, wie Hermann Max in seiner Einführung sagte, „als wolle der Komponist damit die in der Tiefe der Erde verwurzelte Natur beschreiben.“ Die sehr modern anmutende Erkenntnis des Naturforschers Alexander von Humboldt, nach der alles mit allem zusammenhängt, kommt im Gesang zum Ausdruck. Alles wird gesanglich zum Guten gelenkt.

Sehr gefühlvoll und sehr poetisch geht es in der textlichen Vorlage des Dichters Ludwig Rellstab zu; schließlich ist zur Zeit der Entstehung des Chorwerks die Romantik auf ihrem Höhepunkt. Und die Camerata Musica Limburg dachte sich hörbar in die musikalische Epoche der großen Emotionen ein, ohne übers Ziel hinauszuschießen. Ein wenig zu viel des Guten haben allerdings die Gesprächspartner in den Überleitungen mit ihren ausufernden Einordnungen unternommen. Dem Musikkenner war das meiste bekannt, und die vielen anderen hatten nichts davon.

Für alle verständlich war die phantastische Musik. Zunächst natürlich die Begrüßung des Frühvollendeten Mendelssohn, dann Passacaglia, Toccata und Fuge d-Moll sowie ein Choralvorspiel von Johann Sebastian Bach. Beate Rux-Voss spielte klar und transparent und ohne jede Attitüde an der großen Orgel der Christuskirche. Sie präsentierte Mendelssohn Bartholdy als einen begnadeten Komponisten für dieses Instrument. Robert Schumanns Fuge über den Namen Bach durfte natürlich nicht fehlen.

Noch einmal zu Gehör kam Felix Mendelssohn Bartholdy mit einer eigenen Passacaglia, dem die Musikwelt hoch anrechnet, dass er im 19.Jahrhundert den Niedergang des Orgelspiels tatkräftig gestoppt hat. Seine Verbindung von Sprache und Musik, sie ist ebenso wie bei seinem bewunderten Vorbild J.S. Bach Programm.

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