Dormagen hat Baby-Begrüßungspaket neu überarbeitet

Familienbüro : Stadt hat das Begrüßungspaket neu gepackt

Das 2006 in Dormagen eingeführte Baby-Begrüßungspaket hat inzwischen bundesweit Schule gemacht. Auch künftig soll es das erste Glied in der Präventionskette des Jugendamts bleiben.

Als die Stadt 2006 mit ihrem „Baby-Begrüßungspaket“ an den Start ging, nahm sie bundesweit eine Pilotfunktion wahr. Schnell war vom „Dormagener Modell“ die Rede. Martina Hermann-Biert, Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend, Familien, Schule und Soziales kann sich noch gut an ihr Lampenfieber vor einem Interview in den Tagesthemen erinnern, das dann völlig komplikationslos verlief.

Inzwischen bedienen sich bundesweit rund 85 Prozent aller Jugendämter dieser von der Stadt Dormagen initiierten „Frühen Hilfe“. Zum dritten Mal, seit es sie in Dormagen gibt, hat das Jugendamt den Inhalt des Begrüßungspakets verändert. Nötig wurde dies, weil das bisher genutzte Info-Material von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nicht wieder aufgelegt wird.

„Wir haben etwa zwei Jahre daran gearbeitet“, sagt Projekt-Koordinator Uwe Sandvoss. Gestaltet hat den handlichen Ordner Stadt-Mitarbeiterin Ulrike Schiefer, die auch für dessen Illustration gesorgt hat. Den buchstäblich roten Faden bildet die Figur eines rothaarigen Mädchens, das mit einem Doppeldecker orientierend durch den Ordner führt. „Wir wollten bei der Neuauflage stärker über Bilder vermitteln, wie Babys getragen, gewickelt und gestillt werden“, erläutert Sandvoss. „Ich denke, das ist uns gut gelungen“, so der Projekt-Koordinator, der eigentlich nicht mehr von einem Projekt sprechen mag, sondern in dem Begrüßungspaket einen festen Programmbestandteil des Jugendamts sieht.

„Das Baby-Begrüßungspaket ist das erste Glied unserer erfolgreichen Präventionskette im ,Dormagener Modell’, das eine Begleitung von Familien von der Geburt des Kindes bis hin zum Start ins Berufsleben vorsieht“, markiert Martina Hermann-Biert dessen Stellenwert.

Die wichtigsten Kernsätze und Informationen sind in der umfangreichen Broschüre in Deutsch und acht weiteren Sprachen enthalten (Englisch, Französisch, Türkisch, Russisch, Polnisch, Griechisch, Kroatisch und Arabisch). Den Text der dem Begrüßungspaket beiliegenden DVD gibt es in sechs Sprachen.

Sozialarbeiterin Nadine Kays und 15 Kolleg(inn)en besuchen die Neugeborenen und deren Eltern etwa sechs Wochen nach der Geburt. Ein Zeitraum, der sich bei jungen Müttern im Stadtgebiet längst herum gesprochen hat, wie Martina Hermann-Biert weiß.

Aus der Sicht des Jugendamts geht es nicht um einen Kontroll-, sondern um einen Begrüßungsbesuch. Genau so werde er von den jungen Familien auch längst verstanden. Das Ganze ist freiwillig, wobei 95 bis 100 Prozent der jungen Eltern das Angebot wahrnehmen – die Zahlen schwanken jährlich in diesem Bereich. „In den seltensten Fällen“ gebe es Ablehnungen, wobei diese Familien dem Jugendamt Uwe Sandvoss zufolge ohnehin meist schon bekannt seien.

Das Gute an der hohen Akzeptanz ist nach Sandvoss’ Worten, „dass sich keiner schämen muss, dass das Jugendamt da war. Wir gehen zu allen.“ Das städtische Begrüßungspaket erfreut sich inzwischen einer derartigen Popularität, dass es sogar schon Anfragen von Bürgern aus dem Kölner Norden gab, die über besonders enge Bindungen nach Dormagen verfügen. Seinen Wirkungsbereich nach Worringen oder Roggendorf ausweiten kann das Jugendamt allerdings nicht, wie Martina Hermann-Biert deutlich macht.

 Enthält schon das neu gestylte Begrüßungspaket digitale Elemente, könnte eine künftige Neuauflage womöglich bereits völlig papierfrei sein, blickt Uwe Sandvoss schon einmal in die Zukunft. „Wir arbeiten bereits an einer Familien-App“, verrät er. Die könnte dann alle relevanten Informationen enthalten, die bislang noch in gedruckter Form vorliegen.

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