Dormagen: Grundschüler ohne Frühstück

Schulen In Dormagen : Schüler ohne Frühstück sind nicht selten

Ob Kinder morgens frühstücken, hängt auch vom Wohnort ab. In den Schulen ist dies hinlänglich bekannt. Die Zentrums-Fraktion will das ändern und setzt das Thema im Jugendhilfeausschuss auf die Tagesordnung.

Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach  geht bundesweit jedes zehnte Kind ohne Frühstück in die Grundschule. In absoluten Zahlen sind dies etwa 300.000 Jungen und Mädchen. Die Zentrums-Fraktion nimmt dies zum Anlass, die Situation an den Dormagener Grundschulen ins Auge zu fassen. In einem Antrag für den am Donnerstag, 19. September, tagenden Jugendhilfeausschuss tritt die Partei für eine anonyme Umfrage unter Lehrern und evtl. auch Eltern ein, mit dem der Stand der Dinge in Dormagen ermittelt werden soll.  Das Zentrum will Auskunft darüber,  ob an örtlichen Schulen ein „Notfrühstück“ angeboten wird, und wie viele Schüler dieses in Anspruch nehmen. Bestätige sich der Bundestrend in Dormagen,  verlangen Fraktionschef Hans-Joachim Woitzik und Thomas Freitag, der das Zentrum als sachkundiger Bürger im Ausschuss vertritt, „ein Konzept zu Gegenmaßnahmen“.

Auch wenn es für die städtischen Grundschulen kein statistisches Material gibt, ist das in Rede stehende Phänomen dort natürlich nicht unbekannt – wenngleich es, je nach Standort, mehr oder weniger ausgeprägt ist. „Bei uns sind es doch einige Kinder, die ohne Frühstück kommen“, sagt etwa Larissa Goller-Wolf, die die Schule Burg in Hackenbroich leitet. Ob die Schule damit im Bundestrend liege „kann ich nicht bestätigen“, sagt die Rektorin. Gleichwohl mag sie nicht ausschließen, dass das Problem „bei uns mehr als an anderen Schulen“ eine Rolle spiele.

In Hackenbroich sei jedenfalls gewährleistet, dass jedes Kind, das morgens zu Hause kein Frühstück erhalte, dies in der Schule bekomme. „Es gibt immer etwas im Sekretariat“, so die Lehrerin. Zudem würden die Klassenkameraden oft mit ihnen ihre Pausenbrote teilen.  Mit den betroffenen Eltern sei die Schule im Gespräch, „in vielen Fällen ist auch das Jugendamt mit dabei.“  Larissa Goller-Wolf ist überzeugt: „Mit etwas Erziehung schafft man schon einiges.“  Vorbehalte hat sie gegen Befragungen: „Dagegen würde ich mich wehren wollen“.

 Auch wenn es Einzelfälle geben könne, an der Delhovener Tannenbuschschule ist das Phänomen von Kindern ohne Frühstück „nicht so ausgeprägt“, wie Schulleiterin Annelie Witte- Schmale sagt. „Die Kinder teilen dann untereinander, aber in der Regel hat jeder etwas dabei“, beschreibt sie die Situation in  Delhoven. Ähnlich sieht es an der Friedrich-von Saarwerden-Schule in Zons aus.  „Es gibt nur vereinzelt Kinder, die ohne Frühstück in die Schule kommen“, erzählt Konrektorin Ursula Habermann. Auch hier teilten die Kinder ihr Pausenbrot gern mit ihren Klassenkameraden. Zudem nehmen die Schule am EU-Schulobst-und-gemüseprogramm teil, das die Kinder drei Mal pro Woche mit  frischem Obst und Gemüse versorgt. Gleiches gilt auch für die Christoph-Rensing-Schule in Horrem, wie deren Leiterin Adelheid Rothenburg betont.  „Es ist uns nicht unbekannt“, sagt sie hinsichtlich zu Hause nicht frühstückender Kinder. „Wir legen großen Wert darauf, dass die Kinder in der Schule frühstücken“,  verweist sie auf die Frühstückspause. Was dort übrig bleibe, sei den ganzen Tag verfügbar.

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