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Dormagen: Frauen fühlen sich am Bahnhof bedroht

Blöde Sprüche und Pöbeleien : Frauen fühlen sich am Dormagener Bahnhof bedroht

Von "obszönen Kommentaren" und Pöbeleien ist die Rede: In einer Facebook-Gruppe häufen sich die Einträge zur Situation am Dormagener Bahnhof. Die Stadt will mehr Kontrolleure einsetzen, die Polizei rät: Sofort die 110 wählen.

Der Hinweis ist deutlich: In der öffentlichen Facebook-Gruppe "Dormagen passt auf" rät eine Frau in ihrem Eintrag jeder Frau, "die abends allein am Dormagener Bahnhof sein muss, sich männliche Begleitung zu suchen". Sie selbst müsse sich täglich durch Gruppen junger und alkoholisierter Männer drängen, um ihr Rad zu holen. "Bis dato bin ich mit obszönen Kommentaren davon gekommen", schreibt sie weiter und "Selbst in Mumbai habe ich mich sicherer gefühlt als in Dormagen." Ein Eintrag, der mittlerweile über 80 Mal geteilt und kommentiert wurde. Auch telefonisch berichten Dormagener unserer Redaktion von "blöden Sprüchen" aus der Gruppe am Bahnhofs-Supermarkt und einem "mulmigen Gefühl". Kritisiert wird in der Facebook-Gruppe unter anderem fehlende Polizeipräsenz, fehlende Kameras sowie eine nicht reagierende Stadtverwaltung.

Das tut sie allerdings jetzt, denn "uns ist es wichtig, dass der Bahnhof kein Angstraum wird", sagt Stadtsprecher Harald Schlimgen auf Anfrage unserer Redaktion. Dass Passanten angepöbelt werden, sei nicht hinzunehmen. Der Verwaltung sei erst jetzt "zu Ohren" gekommen, dass sich der Bahnhof in den vergangenen Wochen zu einem Treffpunkt von Männern entwickelt habe, die alkoholisiert nicht nur Frauen anpöbeln."Daher wird das Ordnungsamt dort verstärkt kontrollieren", so Schlimgen. Außerdem werde man mit der Polizei im Rahmen der Ordnungspartnerschaft überlegen, wie man den Belästigungen entgegenwirken könne.

Daniela Dässel, Sprecherin der Kreispolizeibehörde, rät Betroffenen, bei derartigen Vorfällen sofort die 110 zu wählen. "Dann kommt auch ein Streifenwagen", geht sie auf Facebook-Kommentare ein, die behaupten, die Polizei kümmere sich nicht. Die Beamten, sagt Dässel, könnten die Pöbler des Platzes verweisen. Wenn die rechtlichen Voraussetzungen stimmen, könnten die Pöbler sogar in Gewahrsam genommen werden. "Allerdings", so Dässel weiter, "können Menschen nicht nur deshalb eines Platzes verwiesen werden, weil sie getrunken haben und etwas lauter sind." Pöbeleien dagegen müsse sich keiner gefallen lassen.

Damit mehr Kontrollen - am Bahnhof und anderen Stellen in Dormagen - möglich sind, haben CDU und SPD in ihren Koalitionsvertrag eine Aufstockung des Ordnungsamtspersonals hineingeschrieben. Dieser Punkt soll möglichst bald umgesetzt werden.

Zudem ging es bei den Workshops des Stadtteilentwicklungsprojektes "Soziale Stadt Horrem" unter anderem auch um den Abbau von "Angsträumen", nicht nur im Bahnhofsumfeld, zum Beispiel durch mehr Licht in dunklen Ecken und geschnittene Hecken, die freie Sicht ermöglichen. Daher wird beim bis Ende 2018 geplanten Umbau der Bahnhofs-Rückseite ein großzügiger Zugang von der Knechtstedener Straße zum Fußgänger-Tunnel unter den Gleisen gebaut. Zusätzlich soll der Tunnel dann mit neuem Licht-Konzept hell erstrahlen.

(NGZ)