“Date your job“ in Dormagen Firmen boten reichlich Auswahl für 800 Schüler

Dormagen · Die Ausbildungs- und Informationsmesse „Date your job“ war für die ausstellenden Unternehmen und die interessieren Schüler eine perfekte Plattform.

 Dachdecker- und Klempnermeister Ricardo Behlens erklärt dem 14jährigen Gesamtschueler Colin seine Tätigkeit.  Foto: Georg Salzburg

Dachdecker- und Klempnermeister Ricardo Behlens erklärt dem 14jährigen Gesamtschueler Colin seine Tätigkeit. Foto: Georg Salzburg

Foto: Georg Salzburg (salz)

Am Mittwochvormittag luden die städtische Jugendberufshilfe und die Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dormagen (SWD) alle Schüler und Schülerinnen ab der neunten Klasse der weiterführenden Schulen in Dormagen zur Ausbildungsmesse „Date your job“ ein. Rund 800 Schüler und Schülerinnen folgten der Einladung. Rund 52 Ausbildungsbetriebe aus Dormagen und dem Rhein-Kreis Neuss boten den Besuchern vor Ort die Möglichkeit, einen Einblick in ihren Betrieb und die verschiedenen Ausbildungsberufe zu erhalten.

Einige Ausbildungsberufe waren den Schülern bis zur Messe gänzlich unbekannt, wie zum Beispiel der Beruf zum Hörakustiker. „Ich bin im ersten Lehrjahr als Hörakustiker. Eigentlich hatte ich mal angefangen Informatik zu studieren, doch dies wurde mir schnell zu trocken. Ich wollte nicht einfach meine Zeit im Büro absitzen“, berichtet der Auszubildende der Firma Oton, Bastian Bier. „Die Inhaberin Verena Götz, hat mir die Möglichkeit geboten, nochmal von vorne anzufangen, wofür ich ihr sehr dankbar bin“, so der Azubi weiter. „In der Ausbildung zum Hörakustiker braucht man ein richtig gutes technisches Verständnis und ist gleichzeitig nah am Menschen. Das war ein sehr emotionaler Moment für mich, als ich das erste Mal erleben durfte, wie ein Mensch nach dem Einsetzen seines neuen Hörgeräts, unserer Technik – die fein auf ihn abgestimmt wurde – endlich wieder hören konnte. Ich weiß, das mein Beruf zukunftssicher ist, Menschen hilft und ich trotzdem meine Leidenschaft als Techniker ausüben kann“, so Bastian Bier.

Seine Chefin Verena Götz zeigte den Teilnehmern vor Ort live was für einen Unterschied die Technik bringen kann. „Anhand eines Stethoskops kann ich den Schülern heute zeigen, was für einen Unterschied es gibt, mit und ohne Hörakustik zu hören und wie sich die Menschen mit Beeinträchtigung fühlen. Die Schüler können hier vor Ort alles selbst live testen. Das findet guten Anklang“, so die Inhaberin. Sie würde sich sehr freuen, wenn sie ihre beiden Ausbildungsplätze für nächsten Sommer bald vergeben könnte. Das Einzige was man bei ihr für die Ausbildung benötigt ist technisches Verständnis, Empathie für Menschen und einen Hauptschulabschluss. Auch ein paar Stände weiter würde man sich über zahlreiche, neue Azubis für das kommende Jahr freuen. Ralf Boje und seine Kollegen Mario Nowak und Peter Weiß suchen händeringend nach Auszubildenden für die Schornsteinfegerbetriebe im gesamten Kreis. „Wir haben insgesamt in allen Betrieben im Kreis ungefähr 30 Ausbildungsstellen zu vergeben und sind für jede Bewerbung dankbar“, so der Schornsteinfegermeister Ralf Boje. „Wer sich bei mir bewirbt, bekommt sogar schon während der Ausbildungszeit einen Azubiflitzer zur Verfügung gestellt, der auch für private Zwecke genutzt werden darf“, lockt Mario Nowak seinen neuen Auszubildenden. „Die Zeiten in der Ausbildungsbranche haben sich stark verändert. Es ist nicht mehr wie früher. Heute bekommen die Auszubildenen, gerade auch in den handwerklichen Berufen, deutlich mehr Geld und deutlich mehr Boni, als früher“, so Ralf Boje. „Man versucht mit allen Mitteln, die man zur Verfügung hat, die Jugend zu locken, um den Fachkräftemangel möglichst gering zu halten“.

Das es aber gar nicht immer um das Geld und Boni geht, berichten die Schülerinnen Joline Blattner und Beyza Aktas, die die 10. Klasse der Realschule besuchen. „Ich habe schon ein Praktikum bei einem Brautmodengeschäft gemacht. Dort wurden Brautkleider genäht und verkauft. Die Chancen dort eine Ausbildung zu bekommen, sind sehr hoch und man würde dort auch sehr gutes Geld bekommen, aber eigentlich ist es mir wichtiger, dass ich Spaß an der Arbeit habe, statt das ich viel Geld bekomme“, erklärt Joline. Ähnlich geht es auch ihrer Freundin Beyza, die bereits ein Praktikum beim Steuerberater gemacht hat. „Wir haben uns beide dazu entschlossen, dass wir nach der zehnten Klasse erstmal unser Abitur und danach etwas kreatives beruflich machen möchten. Wir haben die Hoffnung, dass wir hier heute bei der Messe vielleicht schon eine Firma finden, die uns das ermöglicht und eine Zukunftsperspektive gibt“, so Beyza Aktas.