Dormagen: Dormagen fehlen die Zivis

Dormagen : Dormagen fehlen die Zivis

Der Bundesfreiwilligendienst trat gestern in Kraft – die neuen Freiwilligen sollen zumindest teilweise die Lücken füllen, die die Zivis hinterlassen. Eine erste Bestandsaufnahme zeigt: Der Plan geht nur ansatzweise auf.

Der Bundesfreiwilligendienst trat gestern in Kraft — die neuen Freiwilligen sollen zumindest teilweise die Lücken füllen, die die Zivis hinterlassen. Eine erste Bestandsaufnahme zeigt: Der Plan geht nur ansatzweise auf.

Mit der Wehrpflicht gehört auch der Zivildienst der Vergangenheit an. Die fehlenden "Zivis" hinterlassen erhebliche Lücken, die der neue Bundesfreiwilligendienst (BFD) nicht stopfen kann — er ist für Hans Scholten, Leiter des Raphaelshauses, eine Fehlkonstruktion. "Wir hatten immer zehn bis zwölf Zivis gleichzeitig; aktuell haben wir zwei Frauen fürs Freiwillige Soziale Jahr, keine einzige Bewerbung für den Bundesfreiwilligendienst", stellt er fest. "Arzt- und Therapiefahrten müssen jetzt Pädagogen mit übernehmen."

Noch wichtiger sei: "Bisher kamen junge Menschen mit hoher Qualifikation, die fürs Arbeitsleben sozialisiert wurden und von denen viele über die Zivi-Zeit in soziale Jobs gekommen sind. Arbeitnehmer zu rekrutieren, wird für uns noch schwieriger", so Scholten.

In der Haustechnik des Kreiskrankenhauses Dormagen waren bisher vier Zivis im Einsatz — bis August gibt Stefan Dahmen den letzten Mohikaner. "Zu Spitzenzeiten hatten wir locker 16 Zivis im Betrieb", sagt Krankenhaus-Verwaltungdirektor Harald Schmitz. BFD-Kräfte gibt es bisher vier; der erste startet am 10. Juli. "Die frühere Verbindlichkeit ist weg, die Organisation der Hilfe, etwa bei Krankentransporten, wird schwieriger", sagt Schmitz. Ersatz muss her, "der deutlich teurer wird als bisher." Zusätzliches Problem: "Die Zivis waren sehr motiviert — mal sehen, wie das bei den neuen Freiwilligen ist."

Einkaufsfahrten zum Beispiel wurden von den vier Zivis im Alloheim übernommen. Seit zwei Monaten fehlen sie — eine Mehrbelastung für alle. "Wir haben erst eine Anfrage für den BFD", sagt Sylke Korzin, Leiterin des Alloheims. Barbara Kron, Leiterin des Malteserstifts in Hackenbroich, kann zwei BFD-Kräfte vermelden: "Bei uns starten am 1. August und am 15. September zwei Freiwillige im Bereich Pflege und Speiseversorgung und Pflege und Haustechnik."

Martin Kosian, Leiter des St. Augustinushauses, betont: Die Pflege sei durch fehlende Zivis nicht in Gefahr. Für hauptamtliche Pflegekräfte gebe es kein Geld, doch Kosian ist optimistisch, dass noch mehr Freiwillige kommen. Zwei FSJ'ler haben Anfragen gestellt, jedoch noch keiner für den BFD.

Bei der Stadt werden zwei Zivi-Stellen, die bis Ende April besetzt waren, in BFD-Stellen umgewidmet. "Die Stellen sind besetzt, der Dienstbeginn folgt", sagt Sprecherin Ute Waldeck. Die Freiwilligen werden im Heilpädagogischen Kindergarten und in der OGS in Nievenheim arbeiten. Auch fünf FSJ-Stellen erwägt die Stadt umzuwandeln. Für die zahlt der Bund bis zu 350 Euro Zuschuss pro Monat.

(NGZ)
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