Dormagen: Fastenbrechen im Bürgerhaus führt Kulturen zusammen

Begegnung in Dormagen : Fastenbrechen führt Kulturen zusammen

Am Donnerstag feierten Muslime und Christen das Iftar, das abendliche Festmahl im Ramadan, im Bürgerhaus. Erst als die Sonne unterging, wurde das Buffet eröffnet. Auch der Vize-Bürgermeister schaute vorbei.

Im Römertopf dampft die Tajine. Gefüllte Weinblätter, von Auberginen umhülltes Hackfleisch, sahniger Möhrensalat, Bulgur: Das Buffet biegt sich unter der Last nahezu sämtlicher Köstlichkeiten, die die türkische Küche zu bieten hat. Doch nichts wird angerührt, kein Stück Fladenbrot und nicht einmal die Wasserflaschen auf dem Tisch. Nicht, bevor die Sonne untergegangen ist.

Über 100 Gäste warten geduldig auf diesen Moment. Sie haben sich am Donnerstagabend im Bürgerhaus versammelt, um gemeinsam „Iftar“, das abendliche Festmahl im Ramadan, zu zelebrieren. „Vor drei Jahren waren wir mit 40 Personen in der Christuskirche, letztes Jahr dann schon 70 in der Schule am Chorbusch“, skizziert die städtische Gleichstellungsbeauftragte Anja Hain die rasante Entwicklung des gemeinsamen Fastenmahls, zu dem der Verein „Puzzle-Frauen“  - sie puzzlen Kulturen aneinander - gemeinsam mit der Stadt Dormagen und weiteren Akteuren  einlädt. Der Saal ist heute passenderweise geschmückt mit Bildern von Christiane Alban, die auf Leinwand Szenen ihrer Orientreisen festgehalten hat. Die Tische sind festlich geschmückt. Gemeinsam Essen verbindet, über alle Kulturen und Nationalitäten hinweg.

So ist auch das offene „Iftar 2019“, bei dem jeder Gast jeder Religion willkommen ist, eine Gelegenheit, „durch Toleranz und Dialog zum Miteinander zu finden“, wie es Durdu Yavuz, Vorsitzende der Puzzle-Frauen, formuliert. Sie betont in ihrer Begrüßung, dass „Ramadan nicht nur die Zeit des Fastens, sondern auch der Begegnung“ ist, in der „der Gast einen besonders hohen Stellenwert hat“. Bevor sich die Gäste nach etwa 16-stündiger Enthaltsamkeit von Nahrung und Getränken den Genüssen des Buffets widmen dürfen, gibt Islamwissenschaftlerin Zehra Akinci eine kurze Einführung in die Bedeutung und die Regeln des Ramadan – schließlich sind auch Nicht-Muslime heute Abend zu Gast.

Sie erfahren, dass im  Ramadan, neunter Monat im islamischen Mondkalender, nicht nur der Magen fastet, „sondern auch Herz, Zunge, Ohren, alle Organe“. Gläubige Muslime verstehen den Fastenmonat als Zeit zur spirituellen Einkehr, „eine innere Reise und eine Angelegenheit zwischen dem Reisenden und seinem Schöpfer“, erläutert Akinci. Im Ramadan darf vom Morgen bis zum Sonnenuntergang nichts gegessen oder getrunken werden. Kranke, Schwache, Schwangere und stillende Mütter sind davon ausgenommen. Aus eigener Erfahrung sagt Akinci: „Mit jeder Reise lernt man sich besser kennen, so ist das Fasten letztlich auch ein Dienst an mir selbst.“ Nach dem Gebetsruf ist es um 21.34 Uhr soweit.

Mit Datteln – sie enthalten viele Nährstoffe – und einer leichten Linsensuppe, die von den Männern serviert wird, endet dieser Fastentag. Und es zeigt sich, auch im Ramadan darf geschlemmt werden, denn im Nu bildet sich eine lange Schlange am Buffet, das zum Ende des Abends nahezu leergefegt ist.

Auch Vize-Bürgermeister Hans Sturm hat gekostet, genossen und resümiert: „Es ist schön zu sehen, dass sich in unserer Stadt mit dem gemeinsamen Fastenbrechen ein verbindendes Element zwischen den Kulturen entwickelt hat.“