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Dormagen: Eltern kämpfen um OGS-Plätze

Bildung in Dormagen : Eltern kämpfen um OGS-Plätze

An der Friedensschule in Nievenheim hat sich die Situation zugespitzt: Für 19 Kinder gibt es keinen Platz in der Offenen Ganztagsschule. Eltern fürchten um ihren Arbeitsplatz, um ihre Existenz.

Neunzehn Kinder und vor allem deren Eltern bangen um einen Betreuungsplatz ab Sommer dieses Jahres an der Friedensschule in Nievenheim. Man könnte meinen, das Problem hat etwas mit dem Coronavirus zu tun. Aber einen solchen Zusammenhang gibt es nicht. Es liegt schlichtweg daran, dass an dieser Schule – wie auch an anderen im Dormagener Stadtgebiet – zu wenig Plätze in der Offenen Ganztagsschule (OGS) vorhanden sind. Wie dramatisch die Situation ist, schilderten Eltern in der Sitzung des Schulausschusses am vergangenen Donnerstag: „Es stehen Existenzen auf dem Spiel“, sagte Peggy Bach, eine der Sprecherinnen der Eltern. „Wenn wir keinen Betreuungsplatz bekommen, droht der Verlust des Arbeitsplatzes.“

Im Moment hilft nur der Glaube daran, dass die Verwaltung irgendwie die Kurve bekommt und diesen (und anderen) Eltern einen OGS-Platz anbietet. Doch zunächst herrscht Wut, Enttäuschung und Angst. Vor allem angesichts von Ungereimtheiten. Denn in der hitzigen Ausschuss-Sitzung sprach Erster Beigeordneter und zuständiger Dezernent für den Kita-Bereich, Robert Krumbein, von einer „falschen Zahl“, die das Dilemma mitverantwortet. Aktuell besuchen 157 Kinder der Friedensschule die OGS. In der Auflistung der Stadt für das nächste Schuljahr ist die Rede von 177. Doch es seien „nur“ 158. Peggy Bach und Marlene Mausberg verstehen es so: „Die vorhandenen sechs Gruppen sind mit jeweils 29 Kindern schon überbelegt. Das fährt die Stadt  im Sommer zurück auf 25 Kinder.“ Ergebnis sind ein klarer Überhang und ein Platzmangel. „Es ist einfach unverständlich angesichts des großen Baugebiets in Nievenheim“, sagt Mausberg. Die Eltern kritisieren auch die aus ihrer Sicht mangelhafte Kommunikation aus dem Rathaus. Im Ergebnis sind die Eltern schockiert ob ihrer Lage, sie weisen darauf hin, dass viele ein Eigenheim erworben haben, entsprechende finanzielle Verpflichtungen haben und auf die Betreuung angewiesen sind, damit beide Elternteile arbeiten gehen können.

Eine überzeugende Rolle spielt die Verwaltung bei diesem Thema nicht. Krumbein erklärte, dass ihn dieses Thema erst „Mitte, Ende Februar“ erreicht habe, er wehrte sich gegen „einseitige Schuldzuweisungen“. Auf Empörung bei den Eltern stieß seine Aussage, es gebe momentan „höhere Prioritäten als OGS-Plätze“. Gleichwohl sei man in der Verwaltung „mit hoher Kreativität unterwegs“, um eine Lösung zu finden. Die soll es Mitte, Ende April geben.

Interessanterweise widersprach Rotraud Leufgen, Sprecherin der SPD-Fraktion und Leiterin eben dieser Friedensschule, dieser Darstellung und erklärte, der Verwaltung sei die Problematik lange bekannt gewesen. „Ich weiß um die Nöte der Eltern.“ Das Problem an diesem Standort ist, dass auf dem Schulhof bereits sogenannte Raummodule (Container) stehen, für weitere ist kein Platz vorhanden.

Sehr verwundert äußerte sich Carola Westerheide (CDU): „Ich habe volles Verständnis für die Eltern. Was passiert, wenn es in Nievenheim keine Lösung gibt?“ Sie appellierte an die Verwaltung, dass man „vor den Prozess“ komme müsse, also schon Antworten parat habe und solche dramatischen Situation erst gar nicht entstehen lasse. „Verwaltung muss längerfristig denken.“ Sie warf als Idee in den Raum, Viertklässler aus den OGS-Betreuungen zu nehmen und sie an einem zentralen Ort zu betreuen, um so Platz für die Kleinen zu schaffen. Sie fragte ebenfalls, was mit tagsüber leer stehenden Räumen von Schützen oder Sportvereinen sei? Eine Antwort erhielt sie jedoch nicht.

Klaus Schumilas kommentiert hier: Eltern brauchen Sicherheit.