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Dormagen: Eine Liebeserklärung an den Esel in Zons

Eselpark Zons : Eine Liebeserklärung an das Lasttier Esel

Als Nutztier haben die meist grauen Vierbeiner schwere Lasten zu tragen – nicht im Eselpark Zons, wo höchstens Kinder aufsitzen.

Das Bild des störrischen Esels ist so sprichwörtlich wie falsch. Zumindest hat Peter Norff die meist grauen oder braunen Tiere ganz anders kennengelernt: „Esel wissen eben, was sie wollen – und was nicht“, erzählt er lachend. Da kommt es dann schon mal vor, dass die charakterstarken Tiere eben nicht den vom Menschen vorgeschlagenen Weg gehen wollen. Oft liegt hinter der Weigerung, zum Beispiel einen Fluss zu überqueren, kein Starrsinn, sondern ein früheres, traumatisches Erlebnis. Denn viele der Esel sind von Peter Norff vor dem Schlachter gerettet worden oder auf verschlungenen Wegen nach Zons gekommen. Sie haben auf jeden Fall eine starke Persönlichkeit. „Das macht auch einen Teil der Faszination aus, die von ihnen ausgeht“, sagt Norff, der den Eselpark aufgebaut hat und mit viel Engagement betreibt.

Dabei haben die Grautiere durchaus therapeutische Fähigkeiten im Zusammenspiel mit Menschen: „Esel erden einen“, sagt Norff. Und wer schon einmal die Chance hatte, das Tier-Paradies Eselpark Zons an der Aldenhovenstraße zu besuchen, weiß, was er meint: Allein durch ihre Anwesenheit und die Aufmerksamkeit, die sie den Gästen schenken, lassen sie die Besucher Stress und Probleme, Trauer und Krankheit für eine Zeit vergessen. Daher besucht Norff mit ihnen auch gern das St.-Augustinushaus, wo auch demente Senioren durch den Kontakt mit den Eseln aufblühen. Zuletzt war eine Gruppe Senioren im gerade auf doppelte Größe erweiterten Aufenthaltsraum zum adventlichen Besuch zu Gast – das war wieder ein Moment für Peter Norff, der die Mühen und Anstrengungen lohnt: „Für solche Erlebnisse von Tier und Mensch mache ich das alles“, sagt er. Und wenn Kindertagesstätten zu Besuch in Zons sind, lassen sich die Esel vom Trubel der Kleinen auch nicht aus der Ruhe bringen, die fleißig, auch beim „Abäppeln“, dem Aufsammeln der eseligen Pferdeäpfel helfen. Das Entfernen der Hinterlassenschaften gehört ebenso zum kompletten Eselpark-Besuch dazu wie das Streicheln der Vierbeiner.

Dann knutscht Nele den namenlosen Esel auf die lange Nase... Foto: Eselpark Zons

„Auf Esel ist Verlass – immer schon. Kein Wunder, dass ein Esel die schwangere Maria nach Bethlehem getragen hat“, weist Peter Norff auf die biblische Weihnachtsgeschichte hin: „Ohne den Esel wäre die Heilige Familie damals nicht weit gekommen“, sagt er lachend. Dann wäre auch die Krippe nicht richtig warm geworden – „und es wäre vielleicht alles nicht so gekommen“, meint er augenzwinkernd.

... und dann wird im Eselpark Zons geschmust. Foto: Eselpark Zons

Egal, wie die Geburt des Christkindes dargestellt wird – Esel als Last- und Tragetiere waren im Mittelmeerraum schon vor mehr als 2000 Jahren bekannt. „Leider zum Teil heute mit schlimmen Folgen, wenn die Esel auf Santorin stark übergewichtige Touristen den Berg hoch schleppen müssen und unter der Last fast zusammenbrechen“, regt sich der Tierfreund auf: „Dass es nicht gut für das Tier sein kann, 150 Kilogramm zu transportieren, müsste jedem klar sein.“ Daher gilt im Eselpark Zons die Regel: Wenn Esel geritten werden, dann nur von kleinen Kindern.

Kira reitet stolz auf Carlos. Die Drittklässlerin hilft im Eselpark. Foto: Eselpark Zons

Die haben daran natürlich großen Spaß, müssen aber vorher im Stall mit anpacken: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, meint Peter Norff. Allerdings helfen auch schon Dreijährige gern mit, wenn sie in Kontakt mit den Eseln treten können. Klar, dass die Drittklässlerin Kira, die Tochter der Eselpflegerin, ihrer Mutter nacheifert – und als schon erfahrene Pony-Reiterin auf Esel Carlos sicher reiten kann. „Es ist toll, dass wir einige Freiwillige haben, die uns unterstützen“, sagt Norff, der gern mit weiteren Ehrenamtlern zusammenarbeiten würde, auch um den Besucheransturm an den ab dem Frühling 2019 wieder anstehenden monatlichen Sonntags-Besuchertage zu bewältigen. Der Förderverein um den Vorsitzenden Andreas Behncke ist ein weiteres Unterstützer-Standbein. Das Tier-Paradies außerhalb von Zons bietet vielen Arten ein Zuhause: So leben dort 22 Esel, zwei Ponys, 15 Hühner, zwei Schweine, sechs Laufenten, vier Ziegen und die beiden Schafe Erik und Bernd, die sich gern neugierig unter die Esel und die Besucher mischen. Auch bei den Spaziergängen mit den Grautieren ist das ein oder andere Schaf an der Leine schon mal dabei. Demnächst könnte eine dreirädrige Kutsche die Spaziergänge erweitern und dann mit Hilfe der Esel auch Fußkranke, Senioren oder Behinderte befördern. Denn die Crowdfunding-Aktion des Fördervereins mit der VR Bank war erfolgreich: „Wir haben das Geld für die Randoline zusammen“, erklärt Peter Norff. Sie ist sogar schon mal ausprobiert worden. „Das war spannend, wie die Esel auf das Einspannen vor die Kutsche reagieren würden – Carlos und Lilly haben sich eingesetzt, als hätten sie noch nie was anderes gemacht“, berichtet Norff. Auch dabei wird streng darauf geachtet, dass die Tiere nicht überfordert werden: „Wir sind ein gutes Team und achten aufeinander“, so Norff. Und das ist jederzeit bei Mensch und Tier im Eselpark Zons zu spüren.