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Dormagen: Dormagen droht Ärztemangel

Dormagen : Dormagen droht Ärztemangel

Das Prinzip der Kostenerstattung soll auf mehr Krankenversicherte ausgedehnt werden – das könnte die Zahl der Arztbesuche und der Arztpraxen verringern. Viele Hausärzte suchen schon heute händeringend nach Nachfolgern.

Die Deutschen gehen oft zum Arzt – im Schnitt 18 Mal pro Jahr. Das ist weltweit Spitze. Nicht einmal die "Praxisgebühr", die gesetzlich Krankenversicherte seit 2004 pro Quartal zu entrichten haben und die etwa zwei Milliarden Euro pro Jahr ins Gesundheitssystem spült, schreckt ab – sie entfaltetet nur vorübergehend dämpfende Wirkung.

Eine Ausweitung des Prinzips der Kostenerstattung hingegen, wie sie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) propagiert (die NGZ berichtete), könnte die Zahl der Arztbesuche senken. Das glaubt auch Dr. Peter Potthoff, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Allerdings hält er die 20 bis 25 Prozent-Prognose seiner Kollegen für überzogen – "das würde ja heißen, dass 25 Prozent der Arztkontakte überflüssig" seien. Dagegen spräche der Befund, dass die hohe Zahl der Arztbesuche viel mit der knapp bemessenen Zeit für die Behandlung zu tun habe – die sich für weniger Kranke mehr Zeit nehmen könnten. Dass die Patienten ein größeres Kostenbewusstsein entwickeln, glaubt Potthoff nicht. "Bei privat Krankenversicherten ist das ja auch nicht der Fall." Selbst Transparenz durch Rechnungen führe nicht dazu, dass sich Patienten wirtschaftlicher verhalten. "Niedrigere Kosten, etwa für Medikamente, werden oft als schlechtere Behandlung empfunden."

Für Dr. Gerd Höveler, Vorsitzender des Praxisnetzes Dormagen, steht gleichwohl fest: Eine Ausweitung des Prinzips der Kostenerstattung würde den Wettbewerb unter Ärzten fördern und die Qualität der Behandlung erhöhen – schon deshalb, weil "zahlende" Patienten höhere Ansprüche und qualifiziertere Fragen stellen, sagt der 59-jährige Allgemeinmediziner. "Wer zahlt, wird sich eher mit den Kosten beschäftigen und fragen, ob ihm eine Behandlung nutzt" – wobei Höveler betont, dass die flächendeckende Einführung der Kostenerstattung sozialverträglich erfolgen müsse.

Dr. Peter Sijben geht davon aus, dass die Kostenerstattung lediglich Patienten mit Lappalien ausbremst. Der 65-Jährige glaubt auch nicht an das von der KBV prognostizierte Praxissterben. Dass jeder vierten Praxis das Aus drohe, hält auch Gerd Höveler für Spekulation. "Wenn es so käme, hätten wir eine medizinische Unterversorgung."

Die könnte in Zukunft zum Problem werden. Bürokratie und Budgetierung sorgen dafür, dass sich der Nachwuchs immer seltener für die Arbeit am Patienten entscheidet. Anders als in der Eifel oder am Niederrhein gibt es hier zwar noch keine Engpässe. Aber auch in Dormagen und Neuss suchen aktuell mehrere Hausärzte Nachfolger. Noch seien die gut zu finden, sagt Peter Sijben, "sofern die Praxis wirtschaftlich gesund ist." Gerd Höveler ist skeptischer: "Künftig kann es auch bei uns kritisch werden."

(NGZ)