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Dormagen: Chefarzt Henning Langwara setzt sich für eine Wende im Gesundheitswesen ein.

Dormagen : Chefarzt plädiert für neues Denken im Gesundheitswesen

Henning Langwara (Kreiskrankenhaus) will Patienten stärker im Mittelpunkt sehen.

Henning Langwara hat gerade ein besonderes Jahr hinter sich. In den vergangenen zwölf Monaten fungierte der Chefarzt der Chirurgie im Kreiskrankenhaus Dormagen zugleich als Präsident des örtlichen Rotary Clubs. Dieses Amt hat er turnusgemäß jetzt abgegeben (Nachfolger ist der Jurist Kai Michael König). Das rotarische Prinzip aber beschäftigt Langwara weiter – zumal er eine deutliche Verbindung zu seiner beruflichen Tätigkeit erkennt: den dienenden Charakter. Den sähe er auch gerne im Gesundheitswesen allgemein wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt, wie Langwara im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt.

„Es geht mir darum, die Haltung zum Patienten in der Medizin mit den rotarischen Aspekten in Einklang zu bringen“, sagt der 57-Jährige. Rotary, ältester Service-Club der Welt, folgt bei seinem Wirken für die Gesellschaft vier Leitfragen, die ein Wertesystem umreißen: „Ist es wahr? Ist es fair für alle Beteiligten? Wird es Freundschaft und guten Willen fördern? Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen?“ Nach diesen Maximen wolle er auch als Chirurg und als Privatmensch handeln, sagt der Chefarzt. Fürs Krankenhaus übersetzt er die rotarischen Fragen so: „Hole ich den Patienten ab? Kommuniziere ich gut? Stimmt die Diagnose? Zeige ich alternative Behandlungsmethoden auf? Bin ich stets auf dem aktuellen Stand der Medizin? Gebe ich ab, wenn es meine Kompetenz überschreitet?“

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Sein Anliegen ist es, dass dieses Wertesystem auch im Gesundheitswesen wieder in den Vordergrund rückt, das Langwara vor einem Wandel sieht – und damit meint er nicht die aktuellen Veränderungen der Kliniklandschaft im Rhein-Kreis. Seine These: „Wir leben in einer Welt, in der die Medizin immer mehr industrialisiert wird. Zahlen treiben uns an, Patienten werden zu Fällen, das Gespräch und das Sich-Kümmern leiden.“ Dies und immer neue Effizienzforderungen führten zu einem sinnentleerten Gesundheitssystem, das allen schade.

Langwara bemüht sich, an seinem Arbeitsplatz gegenzusteuern. Natürlich müsse auch er den wirtschaftlichen Rahmen beachten, räumt er ein. Doch bei Patricia Mebes, Geschäftsführerin der Rhein-Kreis Neuss Kliniken in Dormagen und Grevenbroich und selbst Medizinerin, stoße er auf offene Ohren. Und zumindest, wenn Personal in ausreichender Stärke vorhanden sei, gebe es Spielräume – wie im Abteilungsstil, den man prägen könne. Indem man dem Patienten zugewandt sei, feinfühlig, aber klar mit ihm spreche, auch bei schlimmen Diagnosen ehrlich zu ihm sei. Und indem man mit allen Kollegen den Teamgedanken pflege. Tatsächlich sind dies lauter Dinge, die sich im rotarischen Prinzip wiederfinden. Langwara ist davon überzeugt, dass es allen Beteiligten dient, nicht nur den Patienten, auch den Mitarbeiter, die mehr Sinn in ihrer Arbeit sähen.

Und seine eigene Rolle? Die Zeit der Starallüren und der „Halbgötter in Weiß“ sei vorbei, betont der Chefarzt: „Ich brauche diese Aura auch nicht.“ Gefragt sei heute der vertrauenswürdige, zur Kooperation bereite Teamplayer.