Von Dormagen nach Krefeld BUND reicht Klage gegen CO-Pipeline ein

Dormagen · Der NRW-Landesverband klagt vor dem Verwaltungsgericht gegen den Planänderungsbescheid der Bezirksregierung. Er hält die Risiken der 67 Kilometer langen Pipeline zwischen Dormagen und Krefeld für „unbeherrschbar“.

Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat jetzt beim Verwaltungsgericht Düsseldorf Klage gegen den Planänderungsbeschluss zum Planfeststellungsbeschluss der 67 Kilometer langen CO-Pipeline zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen eingelegt. Dieser war von der Bezirksregierung Düsseldorf erlassen worden und sieht unter anderem die Verlegung einer zusätzlichen Geo-Grid-Matte und Änderungen während der Bauausführung der umstrittenen Giftgasröhre vor.

 Bereits vor zehn Jahren wurde mit dem Bau der Kohlenmonoxid-Pipeline begonnen.

Bereits vor zehn Jahren wurde mit dem Bau der Kohlenmonoxid-Pipeline begonnen.

Foto: Ralph Matzerath

Trotzdem stuft der BUND die Risiken als weiterhin unbeherrschbar ein. „Der Betreiber Covestro betont zwar, alles für die Sicherheit tun zu wollen. Mit dem Versprechen ist das Unternehmen aber schon beim Bau der Leitung gescheitert“, sagt der Landesvorsitzende Holger Sticht. Der BUND will deshalb mit der Klage erreichen, dass die Fernleitung endgültig außer Betrieb bleibt.

Die CO-Pipeline beschäftigt seit mehr als elf Jahren Anwohner und Gerichte entlang der Trasse von Dormagen bis Krefeld-Uerdingen. Ursprünglich von Bayer Material Science beantragt und gebaut, ist inzwischen Covestro der Eigentümer. Bayer habe sich nach Ansicht des BUND in den Jahren 2007 bis 2011 bei den Bauausführungen an mehreren hundert Stellen über die Planvorgaben hinweggesetzt. „Im Ergebnis wurde nicht ein Kilometer entsprechend der genehmigten Planung gebaut“, konstatiert Dieter Donner von der BUND-Regionalgruppe Düsseldorf. Er bezeichnet dies als „Pfusch am Bau“, der dazu beigetragen habe, dass Bayer im Jahr 2012 einen umfangreichen Planänderungsantrag einreichen musste.

Eine Covestro-Sprecherin erklärte gestern auf Anfrage: „Wir wurden informiert, dass einige Klagen beim Verwaltungsgericht Düsseldorf bzw. je nach Verfahrensstand beim Oberverwaltungsgericht gegen den Planänderungsbescheid eingegangen sind“, sagte sie. „Alle relevanten Themen, zum Beispiel der Sicherheit der Leitung, werden ohnehin im laufenden Verfahren beim Oberverwaltungsgericht behandelt. Das Verwaltungsgericht hat bei den dortigen Klagen darauf hingewiesen, dass es die Entscheidung des OVG abwarten wird.“

Gegen die Planänderungen haben in der Öffentlichkeitsbeteiligung mehr als 24.000 Menschen und auch der BUND Einwendungen erhoben. Es gibt auch private Kläger, so zum Beispiel in Monheim, wo der Kläger in seinem Anliegen von der Stadt Hilden auch finanziell unterstützt wird. Dies deshalb, weil man dort der Ansicht ist, dass eine Privatklage eine höhere Aussicht auf Erfolg habe. Der jetzt ergangene Planänderungsbescheid der Bezirksregierung „enttäuscht auf ganzer Linie“, sagt Donner. „Die Bezirksregierung hat alle Abweichungen nachträglich genehmigt.“

Durch die Rohrleitung soll CO (Kohlenmonoxid) in großen Mengen transportiert werden. CO ist ein unsichtbares Giftgas, das dazu noch geruchlos ist und so Betroffene deshalb nicht wahrnehmen können, dass sie durch das Gas „ersticken“. Da CO sich in der Luft nicht verflüchtigt, sondern sich bodennah ausbreitet, ist jeder Austritt von CO eine tödliche Gefahr für Mensch und Tier. Demgegenüber hält Covestro den Kohlenmonoxid-Transport durch die Pipeline nach wie vor für die beste und sicherste Lösung. Kohlenmonoxid mit Lastwagen zu befördern, sei bedeutend gefährlicher, lautete der Standpunkt des Polymer-Unternehmens. Covestro hatte es im Herbst als Teilerfolg gewertet, dass die Bezirksregierung Düsseldorf die eingereichten Änderungen abgesegnet hatte. So sollen die Rohrleitungen mit Geo-Grip-Matten geschützt werden. Laut BUND hätten Versuche des TÜV gezeigt, dass ein umfassender Schutz der Rohrfernleitungen vor großen Baggern durch die verwendeten Materialien nicht erreicht werden könne. Ein vollständiger Schutz könne laut TÜV, so zitiert der BUND, nur durch Abdeckung mit Betonplatten oder Stahlgewebe erfolgen, was aber auch die Zugänglichkeit zur Leitung bei Reparaturen erschwere. Donner kritisiert: „Trotzdem sollen 20 Tonnen schwere Maschinen Felder, Wälder, Gärten der Anwohner und weitere Strecken über mehr als 60 Kilometer durchpflügen oder aufbaggern, um eine weitere Geo-Grid-Matte zu verlegen.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort