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Dormagen: Dormagen braucht Zuwanderer

Dormagen : Dormagen braucht Zuwanderer

Das Thema Demografie drängt – auch in Dormagen. Wie wichtig es ist, auf die Bevölkerungsentwicklung zu reagieren, zeigen aktuelle Zahlen und Prognosen. In einzelnen Stadtteilen droht massive Abwanderung.

"Schaukelpferd oder Schaukelstuhl" – diesen plakativen Titel hatte Demografie-Experte Winfried Kösters für seinen Vortrag gewählt, den er auf Initiative der Stabsstelle Demografie im Rathaus und der "Lokalen Allianz" im Norbert-Gymnasium diese Woche hielt. Seine Botschaft: Die Dramatik der Entwicklung ist in der Landes- und Bundespolitik noch gar nicht angekommen.

Kösters demonstrierte, wie man langfristige demografische Entwicklungen spür- und sichtbar machen kann – und begann mit einem Experiment. Als Antwort auf die Frage "Wo sind Ihre Eltern geboren?" ließ er die Zuhörer Gruppen bilden – aufgeteilt in Leute, deren Eltern in Dormagen geboren sind, im Rhein-Kreis, in NRW, in Süddeutschland oder im Ausland. Ergebnis: Vize-Bürgermeister Hans Sturm war der einzige Dormagener in zweiter Generation. Die Frage: "Wo sind Sie selber geboren?" brachte mehr Zuhörer in die Dormagen-Ecke. Kleiner wurde die lokale Fraktion in den Kategorien "Wo haben Sie ihre Ausbildung oder Ihr Studium absolviert?" und "Wo lebt eines Ihrer Kinder?"

Kösters Fazit: "Dormagen hätte ohne Zuwanderung keine Chance." Deutschland auch nicht: Jeder Fünfte in Deutschland habe mittlerweile einen Migrationshintergrund. So sehr die Babies fehlen, so sehr steigt die Lebenserwartung. "Jeder zweite Junge, der heute zur Welt kommt, wird im Durchschnitt 95 Jahre alt, jedes zweite neugeborene Mädchen sogar 100 Jahre", sagt Kösters.

Dramatisch sind die Folgen des Wandels für die Wirtschaft: Ihr fehlen künftig Auszubildende und Fachkräfte. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der jungen Menschen im Ausbildungsalter in Dormagen um bis zu 40 Prozent sinken. "Vor diesem Hintergrund können wir uns junge Menschen, die keinen Schulabschluss oder keine abgeschlossene Berufsausbildung haben, nicht mehr leisten", sagt Kösters. Detlev Falke von der Stabsstelle Demografischer Wandel der Stadt beleuchtete die Auswirkungen dieser Trends auf Dormagen. Derzeit liege die Stadt mit einem mittleren Bevölkerungsalter von 44 Jahren im Bundesschnitt. "Wir haben heute noch mehr unter 18-jährige als Senioren", so Falke. 2025 werde sich diese Entwicklung umgekehrt haben. Die Einwohnerzahl fällt bis 2030 voraussichtlich unter 60 000.

Während Dormagen in der Vergangenheit von Zuzügen aus den Großstädten profitierte, kehren sich Wanderungsbewegungen künftig um. "Wir müssen dringend überlegen, wie wir Menschen und Arbeitsplätze bei uns halten", sagte Wirtschaftsförderin Gabriele Böse. Eine weitere Beobachtung: Die Stadtteile entwickeln sich sehr unterschiedlich. So verbuchen nur die Stadtteile mit guter Infrastruktur oder in Innenstadtnähe Zuwachs durch junge Familien. Weiterer Trend: "Es gibt Tendenzen, dass Einheimische zunehmend aus der Innenstadt, aus Horrem oder Hackenbroich wegziehen", so Falke. Umgekehrt orientierten sich Ausländer immer stärker in diese Orte.

(NGZ)