Dormagen: Biologische Station erhält und verkauft alte Obstsorten

Natur in Dormagen : Äpfel mit Geheimratstitel

Die Biologische Station hält alte Obstsorten am Leben und verkauft sie auch. Am Parkplatz des Klosterhofs werden zurzeit Äpfel, Birnen und Pflaumen angeboten. Sie stammen von den Bäumen aus dem angrenzenden Obstgarten.

Der Geheimrat Dr. Oldenburg ist da, Kaiser Wilhelm und Königin Viktoria ebenfalls und auch der Schöne aus Elmpt und die Gute Luise. Was sich anhört wie die Namen des Personals in einem altertümlichen Schauspiel mit adligem Einschlag, ist nicht etwa auf einer Theaterbühne zu Hause, sondern im Obstgarten des Hauses der Natur – Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss in Knechtsteden. Es handelt sich nämlich um alte Apfelsorten bzw. im Falle der guten Luise um eine alte Birnensorte und bei Königin Viktoria um eine schmackhafte Pflaume. Zurzeit stehen sie zum Verkauf, zusammen mit Kisten voller Zwetschgen und den edleren Renecloden. Angeboten werden die Früchte in einer rotgestrichenen Holzhütte am Rande des Obstgartens, direkt am Parkplatz des Klosterhofs Knechtsteden. Dort verkauft Monika Bathen, während nebenan Praktikantin und Biologie- und Geografiestudentin Ann-Sophie Schmitt als Pflückerin auf der Leiter steht und ein neues Körbchen mit Früchten füllt. Der Erlös aus dem Verkauf wird für die Arbeit der Biologischen Station verwendet.

„In unserem Obstgarten stehen circa 300 Bäume, an denen ungefähr 120 Sorten vertreten sind“, erklärt Christian Platz unterdessen dem neugierigen Besucher. Der 28-Jährige, der parallel in Köln seinen Master im Studienfach Geografie macht, ist bei der Biologischen Station Knechtsteden als Teilzeit-Mitarbeiter mit dem Schwerpunkt praktischer Naturschutz tätig. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderen auch die Anlage neuer Ausgleichsflächen für Eingriffe in die Umwelt, die Betreuung von Schutzgebieten und Führungen. Bei Fragen zu den alten Obstsorten gibt er bereitwillig und kenntnisreich Auskunft.

Aus mindestens zwei Gründen hält er die Bewahrung alter Sorten für sinnvoll und wichtig. „Zum Einen handelt es sich dabei um Kulturgut, zum Anderen sind sie wertvolles Ausgangsmaterial für neue Züchtungen“, urteilt Platz. Und noch ein Argument wirft er in die Waagschale: Alte Obstsorten sind für Allergiker in der Regel verträglicher – wie zum Beispiel der weiße Winterglockenapfel, wie Platz anmerkt.

Wer zum ersten Mal Früchte aus dem Knechtstedener Obstgarten erwerben möchte, dem helfen in den Kisten Schilder ein wenig bei der Orientierung. Dabei geht es jedoch nicht in erster Linie um den Geschmack – Verkäuferin Monika Bathen lässt potentielle Kunden gerne mal probieren –, sondern mehr um die Herkunft und die frühere Verwendung. „Jede Sorte hatte früher einen bestimmten Zweck“, erläutert Christian Platz. Über die Biesterfelder Renette etwa erfährt man, dass dieser Apfel seinen Ursprung im Jahre 1905 auf Schloss Biesterfeld bei Bad Pyrmont hatte und sowohl frisch zum Genießen, als auch als Wirtschaftsapfel, also zum Beispiel zum Kochen, Backen oder Einkochen, verwendbar ist. Das selbe trifft auf den „Geheimrat Dr. Oldenburg“ zu, der allerdings schon 1897 gezüchtet wurde, und zwar in Geisenheim im heutigen hessischen Rhein-Taunus-Kreis. Anders die Birne „Gute Luise“, die bereits 1780 in der Normandie aus Samen gezogen wurde: Sie kann auch als Nasskonserve und Dörrfrucht verbraucht werden.

Christian Platz geht davon aus, dass in diesem Jahr in Knechtsteden bis in den November hinein Erträge aus dem Obstgarten verkauft werden können. Denn die Obstsorten haben unterschiedliche Reife- und Erntezeiten. Manche lassen sich einen bis anderthalb Monate lang durchpflücken“, informiert der Experte.

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