Trotz Gewinn von Logistiktochter: Deutsche Bahn macht Milliardenverlust im ersten Halbjahr
EILMELDUNG
Trotz Gewinn von Logistiktochter: Deutsche Bahn macht Milliardenverlust im ersten Halbjahr

Innovation in Dormagen Bei Ineos wird aus Müll neuer Kunststoff

Dormagen · Das Petrochemieunternehmen mit Sitz an der Dormagener Stadtgrenze zu Köln will mit seinem Partnerunternehmen Plastic Energy eine neue Anlage für modernes Kunststoffrecycling bauen.

 Das recycelte Material könnte zur Produktion von Kunststoff, für Medizin-Anwendungen, Lebensmittelpackungen, Autoteile und Rohre genutzt werden.

Das recycelte Material könnte zur Produktion von Kunststoff, für Medizin-Anwendungen, Lebensmittelpackungen, Autoteile und Rohre genutzt werden.

Foto: Ineos/videovisiones@gmail.com

Daran dürfte selbst die derzeit weltweit wohl bekannteste Umweltaktivistin Greta Thunberg ihre Freude haben – wie vermutlich jeder, der den schonenden Umgang mit Ressourcen befürwortet. Das Petrochemieunternehmen Ineos, dessen markanter Verwaltungsrundbau quasi das südliche Eingangstor zu Dormagen bildet, will gemeinsam mit dem Partner Plastic Energy eine neue Anlage errichten, die für eine besonders fortschrittliche Form des Recyclings genutzt werden soll. Kunststoffabfälle sollen in Zukunft nicht mehr in Deponien, in Verbrennungsanlagen oder gar in der Umwelt landen, sondern für die Herstellung neuer Produkte bei Ineos verwendet werden. „Das Projekt bestätigt unser Engagement für die Kreislaufwirtschaft“, betonen die Verantwortlichen bei Ineos. Durch die Umwandlung des Plastikmülls in neue hochwertige Polymere könnten erdölbasierte Rohstoffe ersetzt werden. Es würde also Öl gespart.

Manch einer wird sich angesichts dieser Pläne an Covestro im benachbarten Chempark Dormagen erinnern. Auch dort hat man seine Bemühungen um Nachhaltigkeit verstärkt, auch dort wurde in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen – ein Verfahren entwickelt, mit dem der Bedarf an Erdöl reduziert werden kann. Der Weg ist freilich ein anderer: Bei Covestro wird das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid zu einem nützlichen Rohstoff – „raus aus der Luft und rein in Produkte“, wie das Unternehmen wirbt.

Wo die neue Anlage von Ineos gebaut wird, steht noch nicht fest, der passende Standort wird noch ermittelt. Ziel ist es, dass sie bis Ende 2023 die Produktion aufgenommen hat.

Das neue recycelte Rohmaterial jedenfalls, soviel ist sicher, könnte an vielen Ineos-Standorten zur Herstellung von Kunststoff und in weiterer Folge für medizinische Anwendungen, Lebensmittelverpackungen, leichte Autoteile sowie Wasserrohre verwendet werden. Fortschrittliches Recycling ermögliche es, ein Kunststoffprodukt mit denselben Spezifikationen wie Neuware herzustellen, heißt es seitens Ineos. Es entferne alle Verunreinigungen, so dass die daraus resultierenden Polymere für Lebensmittel- und Medizinverpackungen eingesetzt werden könnten, deren Sicherheitsstandards ein Höchstmaß an Produktreinheit erforderten.

Das Verfahren läuft nach Angaben von Ineos so ab, dass die Recyclingtechnologie die Kunststoffabfälle in Moleküle umwandelt. Das daraus resultierende Material wird dann in sogenannten Crackern von Ineos verwendet, um traditionelle erdölbasierte Rohstoffe zu ersetzen. Bei Crackern handelt es sich um Maschinen, die Produkte bzw. Stoffe spalten können. Ein Beispiel ist bei Ineos der große Steamcracker, der Leichtbenzin in Ethylen und weitere Produkte spalten kann.

Erste Versuche des Partners Plastic Energy, der seinen Hauptsitz in London hat, seien zu dem neuen Recyclingverfahren gelaufen, teilt Ineos mit. Der neue Rohstoff sei im Ineos-Cracker in Worringen bereits erfolgreich in neues Polymer umgewandelt worden. „Die aus diesem Versuch resultierenden Kunststoffe werden nun von ausgewählten Kunden und Markenherstellern verwendet, um die Verfahrensvorteile zu beweisen“, berichtet Ineos. Die patentierte Technologie von Plastic Energy trägt die Bezeichnung Thermal Anaerobic Conversion.

„Für die Nachhaltigkeitsstrategie von Ineos ist dies ein wichtiger Meilenstein. Damit unterstützen wir unsere Kunden bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen zum Recycling“, urteilt Ineos-CEO Rob Ingram.