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Dormagen: Aus für das geplante DORV-Zentrum in Gohr

Dormagen: Projekt wird eingestellt : Aus für das DORV-Zentrum in Gohr

Die Bürgerbefragung ergab zu wenig Interesse und Bedarf für einen Lebensmittelladen mit Dienstleistungen in Gohr. Aber: Die Stadt fördert ehrenamtliche Einkaufshilfen und eine Ausdehnung des Einkaufsangebotes.

Eine gute Idee steht vor dem Aus: Um die Lebensmittelversorgung und Dienstleistungen für das Bergdorf zu verbessern, hat die Stadt Dormagen die Einrichtung eines DORV-Zentrums (Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung) in Gohr überprüft. Nach der Auswertung der Bürgerbefragung und Bedarfsanalyse sollen die Überlegungen „vorerst nicht weiterverfolgt“ werden. So heißt es in der Vorlage für die Ratssitzung am 6. November. „Die Bürgerbefragung und wirtschaftliche Analyse hat ein zu geringes Interesse ergeben“, erklärte Harald Schlimgen, Fachbereichsleiter Bürger- und Ratsangelegenheiten, auf Nachfrage unserer Redaktion. „Wir hätten das gern mit angeschoben, aber das Projekt geht nur gemeinsam mit großen Teilen der Bevölkerung“, weist Schlimgen zwar auf das Engagement mehrerer Gohrer hin. Allerdings reichte das nicht aus, um eine Wirtschaftlichkeit eines solchen Ladens zu gewährleisten.

Zwar hatte die Bürgerbefragung kein eindeutiges Ergebnis für oder gegen das Projekt ergeben, allerdings lag die Beteiligung mit 285 von 948 Haushalten und etwa 30 Prozent im unteren Bereich der Erwartungen. 90 Prozent der 285 Haushalte wünschen sich eine Verbesserung der Einkaufssituation in Gohr. Es besteht dabei auch ein hohes Interesse an regionalen Produkten (71 Prozent) und qualitativ guten Warenangeboten (58 Prozent). 52 Prozent der Befragten gaben an, sie würden ihr Einkaufsverhalten zugunsten eines DORV-Zentrums ändern. Demgegenüber steht jedoch eine überdurchschnittlich hohe Autoverfügbarkeit von 91 Prozent in Gohr und Broich – verbunden mit der Möglichkeit, auch größere Lebensmittelmärkte im Umland zu erreichen. Als „Warnsignale“ insgesamt sind in der Bedarfsanalyse ebenso die „Bereitschaft zur Mitarbeit“ und der geringere Erreichungsgrad der Umfrage bei Jüngeren aufgeführt.

Die Arbeitsgruppe schätzte die Chancen letztlich als gering ein. Denn als nächster Schritt hätten mindestens 100.000 Euro Startkapital durch bürgerschaftliche Beteiligung generiert werden müssen, z.B. 400 Gohrer hätten 250-Euro-Anleihen erwerben müssen. Ein weiterer Aspekt war, dass der Dorfladen laut Basisuntersuchung von 250 bis 260 Menschen täglich besucht werden müsste, um den kalkulierten Mindestumsatz von 450.000 Euro jährlich zu erreichen. Dies wurde ebenfalls vor dem Hintergrund der Beteiligung skeptisch gesehen.

Trotzdem seien die Treffen, Untersuchungen und Überlegungen, die Lebensmittel- und Dienstleistungsversorgung in Gohr zu verbessern, nicht umsonst gewesen, wie Schlimgen betont: „Die Verwaltung wird mit den engagierten Bürgern die Organisation ehrenamtlicher Einkaufshilfen unterstützen.“ Bei der Bürgerversammlung waren mehr als 100 Gohrer zur Mitarbeit bereit, am Workshop nahmen 25 Leute teil. Außerdem fördert die Stadt eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den örtlichen Gewerbetreibenden „mit dem Ziel der Ausdehnung von Einkaufsangeboten“. Noch gibt es in Gohr und Broich ein gutes Angebot von Bäcker, Getränkehandel, Hofladen, Café, Post, Bank und Hausarzt. „Diese vorhandenen Betriebe und Dienstleister wollen wir nicht gefährden“, sagte Schlimgen.