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Dormagen_ Ampelschaltungen sollen fahrradfreundlicher werden

Radwegenetz in Dormagen : Ampeln fahrradfreundlicher machen

„Einen gewaltigen Fortschritt“ sieht Fahrradbeauftragter Peter Tümmers im Neubau der Stürzelberger Straße.

Herr Tümmers, die sogenannte „Unfallkreuzung“ an der L280/L380 ist gerade umgestaltet und vergrößert worden, was für  Autofahrer eine erhebliche Verbesserung darstellt. Wie sieht es da für Radfahrer aus?

Peter Tümmers Für Radfahrer hat sich auch einiges verbessert, alle zuführenden Wege sind neu asphaltiert und verbreitert worden. Die entscheidende Verbesserung liegt aber in der neuen Ampelschaltung, bei der die Radfahrer in der Hauptrichtung von Horrem nach Delhoven gleichzeitig mit den Autofahrern grün haben und so keine langen Wartezeiten mehr in Kauf nehmen müssen. Bei dem Rechtsabbieger von Horrem nach Delhoven war das aus technischen Gründen nicht möglich, aber da hat der Landesbetrieb eine kleine Kamera installiert, die erkennt, wenn ein Radfahrer kommt und dann auf grün schaltet. Ich habe das selbst in den letzten Tagen zu verschiedenen Zeiten ausprobiert und das funktioniert ganz wunderbar und zuverlässig.

Wäre ein solch modernes Ampelschaltungssystem nicht auch an anderen Kreuzungen möglich?

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Tümmers Wir haben leider auf den außerörtlichen Straßen teilweise sehr alte Ampelanlagen mit diesen sogenannten Bettelschaltungen, die uns schon lange ein Dorn im Auge sind. Es ist kompliziert, das zu verändern, weil man an solchen Knotenpunkten oft die gesamte Ampelschaltung neu schreiben müsste. Wir haben aber in diesem Jahr einen Grundsatzbeschluss im Planungsausschuss gefasst, dass diese Kreuzungen fahrradfreundlich geschaltet werden sollen und eine Prioritätenliste erstellt, die nach und nach abgearbeitet wird.

Welche Knotenpunkte sollen dann als nächste fahrradfreundlich werden?

Tümmers Die Kreuzung Matthias-Giesen-Straße/K 18 Europastraße, die eine direkte Verbindung von der Innenstadt ins Gewerbegebiet für viele Radfahrer ist, hat höchste Priorität. Dort hat uns der Kreis bereits angekündigt, demnächst eine neue Technik zu installieren, die eine fahrradfreundliche Schaltung ermöglicht.

Welche anderen Projekte gibt es derzeit?

Tümmers Der Neubau der Ortsteilverbindung Zons-Stürzelberg, die Stürzelberger Straße, steht aktuell an. Das ist die größte Netzlücke gewesen, die wir im Stadtgebiet hatten, denn mit dem Fahrrad konnte man da bisher nicht fahren, die Deichstraße ist eng und oft stark befahren, durch die Zonser Heide ist auch nicht jedermanns Sache, wenn es dunkel ist. Das ist also ein gewaltiger Fortschritt, wenn es da demnächst einen drei Meter breiten, asphaltierten Radweg gibt. Eine weitere Sache, die in Kürze kommt, ist der Neubau eines Radweges zwischen der Südstraße in Nievenheim und der Straße nach Straberg bis zum Nievenheimer See.

Mal abgesehen vom Straßenbau - was macht die Stadt, um das Rad fahren noch attraktiver  zu machen?

Tümmers Der Bau der Radstation am Dormagener Bahnhof war eine ganz wichtige Sache, durch die wir den Radverkehr mit dem ÖPNV verknüpft haben. Ich kann mir dort für 70 Euro im Jahr einen sicheren Parkplatz für mein Pedelec oder Rad mieten und habe auch noch eine Werkstatt dabei, die zuverlässig und günstig Reparaturen durchführt. Man kann dort auch E-Bikes leihen. Die Stadt schafft im Rahmen des Mobilitätskonzeptes 20 E-Bikes an, die ein Jahr lang nur den städtischen Mitarbeitern, danach auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollen. Mit dem E-Bike kann man bequem  Termine wahrnehmen, ohne verschwitzt anzukommen – das ersetzt oft ein Auto.

Seit 20 Jahren ist Dormagen nun fahrradfreundliche Stadt und Mitglied in der AGFS (Arbeitsgemeinschaft fußgänger-und fahrradfreundliche Städte). Was hat sich in diesen Jahren verändert?

Tümmers Wir konnten unser Radwegenetz großflächig ausbauen, das haben wir auch in unserem Fahrradstadtplan dokumentiert, den man im Rathaus bekommen kann. Wir haben 25-30 Kilometer mehr Radwege als vor 20 Jahren. Radfahren und Gesundheitsthemen sind im Trend, auch die aktuelle Klimasituation führt dazu, dass immer mehr Bürger bewusst Rad fahren. Es spricht sich herum, dass die Infrastruktur gut ist und sie hier gut und sicher fahren können. Die Leute registrieren immer mehr die Vorteile des Radfahrens: Es ist gesund, macht Spaß und ist gut für die Umwelt.

Das zeigt sich auch bei der Aktion „Stadtradeln“, an der sich Dormagen bereits zum fünften Mal beteiligt hat.

Tümmers Ja, das ist zentraler Bestandteil unserer Öffentlichkeitsarbeit und sehr erfolgreich. Wir konnten Jahr für Jahr unsere gefahrenen Kilometer steigern, haben mit 80.000 angefangen und waren dieses Jahr mit 289.000 Kilometer eine der erfolgreichsten Städte in Deutschland in unserer Größenordnung. Das motiviert mitzumachen, da bekomme ich viel positives Feedback. Außerdem bekommt man dadurch auch immer Hinweise, wo etwas vielleicht noch nicht so gut ist, zum Beispiel mal eine Hecke in einen Radweg ragt. Das sorgt für eine positive Besetzung des Radfahrens.