Digitale Offensive an Schulen in Dormagen verzögert sich

Bildung in Dormagen : Digitale Offensive an Schulen verzögert sich

Aus dem vier Millionen Euro großen Paket „Gute Schule 2020“ sind viele Teile noch nicht an den Schulen angekommen.

Ob im Kreishaus, im Technologiezentrum Glehn oder wo auch immer – wo die 570 iPads lagern, die eigentlich schon längst auf den Arbeitstischen von Dormagener schülern liegen sollen, weiß niemand im Rathaus. Das ist aktuell auch nicht so wichtig, weil an den Schulen notwendige Sicherungen für die Unterbringung der Geräte fehlen. Ebenso die Schutzhüllen. Klar ist: Bei der Umsetzung des vier Millionen Euro schweren Landes-Förderprojektes „Gute Schule 2020“ hakt es gewaltig. Kurios: Dieses Mal liegt es nicht am fehlenden Geld.

Die Mitglieder des Schulausschusses staunten in dieser Woche nicht schlecht, als sie erfuhren, welche Versäumnisse es bei diesem Thema gibt. Da kam auch die sicher kreative, aber im Kern auch bittere grafische Darstellung bei den Schulpolitikern nicht besonders an, mit der die Verwaltung den mühevollen Weg hin zur Umsetzung der digitalen Medienoffensive skizzieren wollte (siehe Grafik). Die schulpolitische Sprecherin der CDU, Carola Westerheide, sprach von einem „unglaublichen Vorgang.“ Die Beschlüsse seien vor längerer Zeit gefasst und die Gelder vor zehn Monaten bewilligt worden. „Die Schulen fühlen sich doch veräppelt. Dieses Thema kann keine Priorität gehabt haben.“ Der Ausschuss beschloss auf ihre Anregung hin, dass die Verwaltung ab sofort regelmäßig Zwischenstände erhält.

Für 214.320 Euro hat die Stadt 690 iPads angeschafft, die in Klassensätzen zu jeweils 30 Stück an die Schulstandorte gehen sollen. Aber lediglich 120 (60 für das BvA-Gymnasium, je 30 für Sekundar- und Friedensschule) wurden bislang ausgeliefert. Schuldezernent Robert Krumbein spricht von einer „Panne“. Es ist offenbar schlichtweg vergessen worden, bei der Anschaffung der Geräte auch die notwendigen Lade- und Sicherungskoffer und Schränke zu bestellen. „Es ist nicht bedacht worden, das parallel zu machen.“Jetzt ist es so, dass die Technikexperten im Rathaus ein ganz anderes Sicherungssystem bestellen wollen. Krumbein: „Das Rechnungsprüfungsamt muss dem noch zustimmen, dann kann die Ausschreibung erfolgen.“ In acht Wochen, so die Hoffnung, müssten iPads samt Sicherungen an die Schulen gehen können.

Ungeachtet dessen hat der Schulausschuss die Verwendung von weiteren 1,05 Millionen Euro aus dem vier Millionen Euro großen Förderpaket beschlossen. Davon sollen 352.770 Euro für digitale Medien an den Schulen aufgewendet sowie 705.539 Euro für Baumaßnahmen an der Sekundarschule eingesetzt werden. In der Mai-Sitzung will die Stadt dem Schulausschuss einen Vorschlag für die Verwendung von einer weiteren Million Euro machen. Dann soll es auch beim Thema Active Panels weitergehen, jenen XXL-Bildschirmen, die als neue Form der Präsentationstechnik andere Geräte wie Beamer, Fernsehwagen und Overhead-Projektor überflüssig machen. 370 von ihnen mit einem Gesamtvolumen von rund drei Millionen Euro sollen über die städtischen Schulen hinweg verteilt werden. Die letzten werden erst frühestens 2021, wahrscheinlich aber noch später die Schulen erreichen. Finanziert werden können sie dann nicht mehr aus dem (leeren) Topf von „Gute Schule 2020“, sondern aus dem neuen Digital-Pakt der Bundesregierung – so hofft man in Dormagen.