Dormagen: Die Welt der Chemie entdecken

Dormagen : Die Welt der Chemie entdecken

Der Chempark ist der größte Arbeitgeber der Stadt Dormagen. Edelgase werden an der Grenze zu Köln genauso hergestellt wie Acrylfasern. Besucher haben einmal im Monat die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen des mächtigen Industrieparks zu werfen.

Wer durch den Chempark Dormagen fährt und die Gedanken schweifen lässt, könnte sich im Filmklassiker Mad Max mit Mel Gibson wähnen. 100 Kilometer Rohrleitungen winden und verknoten sich, es dampft, zischt und raucht aus Schornsteinen und Düsen. Kurz: Es sieht nach Zukunft aus. Und ein wenig ist es auch das, woran im Chempark getüftelt wird: An Produkten für die Zukunft.

In Stapeln aufgereiht stehen die Chemie-Tanks, um später von Lastwagen abtransportiert zu werden. Foto: Berns, Lothar

Niels Sijben (35) lässt den Blick über die Industriekulisse schweifen. Dann sagt er: "2000 verschiedene Produkte und Vorprodukte werden hier produziert." Sijben erklärt interessierten Besuchern einmal im Monat den Chempark und seine Firmen.

Das Luftbild zeigt die beeindruckende Infrastruktur. Foto: Berns, Lothar

Das nächste Mal am 8. September führt die Tour von Tor 14 aus über das Werksgelände. Seit dem Jahr 1917, als in Dormagen Schwefelsäure und Pikrinsäure für die Sprengstoffproduktion hergestellt wurde, hat sich viel getan. Zunächst hat sich der Chempark als "Seidenspinne des Niederrheins" etabliert: 27 große Faserbetriebe haben unter anderem den Stoff hergestellt, aus dem Nylonstrümpfe gemacht werden.

An den Hafenanlagen wird etwa der Rohstoff Naptha für den Spezialchemiekonzern Ineos angeliefert. Foto: Berns, Lothar

Heute arbeiten 9400 Beschäftigte am Standort Dormagen. 30 verschiedene Unternehmen und 60 Betriebe sind auf dem Gelände untergebracht. Produziert werden dort Edelgase genauso wie Acrylfasern: Der Produktionsschwerpunkt des flächengrößten Standortes liegt auf der Entwicklung und Herstellung von Pflanzenschutzmitteln, Polymeren, Kunststoffen und Kautschuken.

Bayer ist immer noch das prägende Unternehmen im Chempark. Foto: Berns, Lothar

Die bekannsten Arbeitgeber sind Bayer mit ihrer Kunststoffsparte MaterialScience und dem Pflanzenschutzbereich CropScience sowie Lanxess. Diese beiden Firmen sind es auch, die die Gesellschaft Currenta als Verwalter des Chemparks gegründet haben. Die größte Hoffnung für die Zukunft ist derzeit nicht mehr als ein Betonfundament, umstellt von Zäunen. Arbeiter mit leuchtenden Helmen wuseln auf der Baustelle umher, ein knallroter Kran mit der Aufschrift "Colonia" steht dort einsatzbereit.

Ein Fahrstuhlschacht ragt in den Himmel. Wo früher das alte Kraftwerk stand, soll ab 2014 eine TDI-Anlage entstehen. Bayer MaterialScience wird dann die Chemikalie Toluylen-Diisocyanat produzieren, aus der Autositze hergestellt werden oder Matratzen. "Aufgebaut ist der Chempark nach dem so genannten Zwiebelschalen-Modell", erklärt Niels Sijben. Innen stehen die Produktionsbetriebe, außen die Lagerflächen. Die Infrastruktur im Chempark ist gigantisch. Eine Eisenbahnlinie fährt über das Gelände, das in zwei Teile gespalten ist, Lkw werden im Minutentakt abgefertigt, es gibt eine eigene S-Bahn-Station.

3,7 Quadratkilometer groß ist das gelände, ohne Ineos, die ehemalige Erdölchemie, deren brennende Fackeln von der Autobahn zu sehen sind, wenn überschüssiges Gas verbrannt wird. Für den Brandschutz ist gesorgt. Sijben: "Zwei Feuerwachen beherbergt der Chempark."

(NGZ/rl)
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