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Dormagen: Die Mundart-Künstler

Dormagen : Die Mundart-Künstler

Hermann Hertling und Willi Reisdorf lieben die rheinische Sprache. Die beiden Mundart-Künstler, die auch mit eigenen Stücken auftreten, wurden am Freitag in Zons mit der Franz-Peter-Kürten-Auszeichnung geehrt.

Gegen das Vergessen: Mundart ist vom Aussterben bedroht. Um dem entgegenzuwirken, verleiht der Rhein-Kreis Neuss zusammen mit seinem Internationalen Mundartarchiv Ludwig Soumagne auf dem Gelände des Kreiskulturzentrums in Zons seit 1991 die Franz-Peter-Kürten-Auszeichnung. Kürten (1851 bis 1957) war Schriftsteller, Sammler und Volkskundler. Erstmals gab es jetzt zwei Preisträger: Hermann Hertling (81) und Willi Reisdorf (80) stammen beide aus Köln. Und in der Domstadt sind sie immer noch auf vielfältige Weise für das Mundart-Theater "Kumede" aktiv. Der Laudator Professor Jürgen Bennak hofft, dass die Auszeichnung Ansporn für die Senioren ist, sich in punkto Mundartpflege noch nicht zurückzuziehen.

Nordhalle in kölscher Hand

Die Nordhalle in Zons war am Freitagabend fest in kölscher Hand: Der Laudator, die beiden zu Ehrenden, Mitglieder der "Kumede" und nicht zuletzt das Duo "Sakko Colonia" mit Bettina Wagner und Theo Krumbach, alle aus Köln, setzten die Akzente. Das störte die Besucher aus dem Rhein-Kreis Neuss überhaupt nicht — im Gegenteil: "So schön war es noch nie", erklärte Helga Peppekus aus Neuss, die schon so manche dieser Auszeichnungen miterlebt hatte. Professor Bennak, Vorsitzender des Heimatvereins Alt-Köln, hielt eine launige Laudatio unter der Überschrift "Ehre, wem Ehre gebührt". Er lobte die "Verdienste um das rheinische Idiom".

Achim Thyssen, Leiter des Internationalen Mundartarchivs Ludwig Soumagne, erinnerte daran, dass die Jury aus ehemaligen Preisträgern besteht. Der allgemeine Vertreter von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, Jürgen Steinmetz, stellte fest, dass "der rheinische Humor keinesfalls auf dem Rückzug ist". Er überreichte "die Plakette und jede Menge Anerkennung" an die beiden Senioren. Mit dabei: Lucie Kürten, die Schwiegertochter von Franz-Peter Kürten.

Liebe und Leidenschaft für die rheinische Sprache scheinen die beiden Preisträger fit zu halten. Hermann Hertling, der früher als Prokurist gearbeitet hat und mittlerweile in Brühl lebt, versprach im Gespräch mit der NGZ, weiterhin "locker-flockig für die ,Kumede' tätig zu sein". Das gilt auch für den pensionierten Finanzbeamten Willi Reisdorf. Beide haben für das Mundarttheater Stücke geschrieben und sind selber aufgetreten. "Sakko Colonia" sangen und spielten Kölsche Lieder und animierten das Publikum immer wieder zum Mitsingen. Da kam schnell Stimmung auf — und der Eindruck, die ehemalige Zollfeste Zons sei ein Stadtteil von Köln.

(NGZ)