Dormagen: Die Motive bleiben im Dunkeln

Dormagen: Die Motive bleiben im Dunkeln

Horrem/Limburg Er schämt sich für seine Taten und möchte sich weder filmen noch fotografieren lassen: Der mutmaßliche Serienmörder Marco M. aus dem hessischen Haiger verbarg sein Gesicht zu Beginn des Verfahrens am Landgericht Limburg hinter einem schwarzen Aktenordner.

Horrem/Limburg Er schämt sich für seine Taten und möchte sich weder filmen noch fotografieren lassen: Der mutmaßliche Serienmörder Marco M. aus dem hessischen Haiger verbarg sein Gesicht zu Beginn des Verfahrens am Landgericht Limburg hinter einem schwarzen Aktenordner.

Er soll zwischen 2003 und 2006 drei Frauen getötet und eine weitere lebensgefährlich verletzt haben. Den Hinterbliebenen im Gerichtssaal mochte er ebenso wenig in die Augen schauen wie dem Publikum, sein Geburtsdatum und den letzten Wohnort nannte er mit leiser Stimme, bei seinem erwarteteten Geständnis ließ der 29-Jährige seinen Verteidiger für sich reden.

Dabei war das Geständnis nicht der Rede wert: In einem Satz ließ M. mitteilen "Ich gestehe die Morde ein" - das war´s. Nachfragen ließ er nicht zu, Worte des Bedauerns suchten die Hinterbliebenen vergeblich. "Das ist schlimm für die Familienangehörigen", meinte auch Nebenklage-Anwalt Michael Schlingensiepen, "schon im Gespräch mit Psychiatern hat er lapidar gesagt, es sei 'über ihn gekommen´, deshalb habe er die Taten begangen. Und dann kommt heute wieder nur ein einziger Satz, nach dem Motto 'ich hab's gemacht, mehr sage ich nicht'. Dabei könnte M. jetzt vor Gericht "reinen Tisch" machen und seine vermutlich sexuellen Motive erklären.

Angefangen hatte seine unheimliche Mordserie im November 2003. Damals hatte er in Köln auf dem "Straßenstrich" am Militärring die 32-jährige Prostituierte Nicole Uszkoreit in seinen Lkw gelockt. "Er hat sie hier erwürgt und sie nach ihrem Tod vergewaltigt", sagte Staatsanwalt Frank Späth.

Danach sei er mit der Toten 33 Kilometer bis nach Dormagen gefahren. Am Rande eines Baumarktes im Gewerbegebiet "TOP-West" in Horrem habe er in den frühen Morgenstunden auf einem menschenleeren Parkplatz angehalten, die Tote und ihre Kleidung genommen und alles hinter einer Gartenhütte abgelegt. Am nächsten Morgen wurde Nicole Uszkoreit gefunden - von einem Baumarkt-Kunden, der "mal musste". Marco M. war inzwischen längst wieder in den "normalen Teil" seines Doppellebens zurückgekehrt. Laut Anklage war er kurz nach dem Mord bei seinem Arbeitgeber in Neuss-Uedesheim erschienen, um dort seinen Lkw neu beladen zu lassen.

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Auch seine zweite Tat soll der verheiratete Familienvater im Rheinland begangen haben. Im Oktober 2004 lockte er ähnlich wie zuvor eine Prostituierte als vermeintlicher Freier in seinen Lkw. Die 25-Jährige wurde gewürgt, mehrfach vergewaltigt und letztlich niedergestochen.

"Ich bin dann in ein Maisfeld gekrochen und zusammengesackt", erinnerte sich die Frau am Montag vor Gericht. Sie musste als einzige Überlebende des Serienmörders aussagen und die Rolle der "Kronzeugin" übernehmen. Nur weil der Angeklagte offenbar dachte, die Frau würde sterben, hatte er von ihr abgelassen. Sie konnte jedoch gerettet werden. "Noch heute wird sie von Alpträumen geplagt", sagte ihre Anwältin Monika Müller-Laschet, "sie wird das nie ganz verarbeiten können."

In den beiden weiteren Mordfällen kamen die Opfer aus Hessen. Zunächst wurde die 31-jährige Aneta Budz aus Dillenburg vergewaltigt und getötet, im Sommer 2006 brachte Marco M. die erst 18jährige Anna S. um. Danach wurde er geschnappt, ein Abgleich der DNA-Spuren hatte ergeben, dass die Taten auf das Konto eines Serientäters gehen.

Vor Gericht muss der Angestellte einer Neusser Spedition mit der kompletten Härte des Strafgesetzbuches rechnen. "Neben einer lebenslangen Haftstrafe droht ihm Sicherungsverwahrung", so Staatsanwalt Frank Späth.

(NGZ)