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Dormagen: Die Liebe zur alten Vespa rostet nicht

Dormagen : Die Liebe zur alten Vespa rostet nicht

In unserer Reihe "Traumfahrzeuge" erzählen NGZ-Leser Geschichten rund um ihr Lieblingsgefährt. Arnold Zagermann aus Nievenheim ist seit 53 Jahren stolzer Besitzer eines Vespa-Rollers. Mit dem ist er fast täglich unterwegs.

Die Motivation, einen Vespa-Roller zu kaufen? Arnold Zagermann muss nicht lange überlegen. "Die Frauen standen drauf ", erzählt der 73-Jährige in Erinnerung an das Jahr 1960 schmunzelnd. Damals begann seine große Liebe, die bis heute ebenso wenig gerostet ist wie das Objekt, auf das sie sich bezog: die mittlerweile 53 Jahre alte Vespa, die immer noch aussieht wie neu. Zagermann hat sein perfekt gepflegtes Motorrad-Schmuckstück auf der Wiese in seinem Garten abgestellt. Silbern glänzt der Lack in der Sonne, kein Stäubchen verunziert die Weißwandreifen, ein kleiner brauner Koffer, der hinter der Sitzbank angebracht ist, gibt dem Roller eine zusätzliche individuelle Note und betont den Oldtimer-Charakter. "Den Koffer habe ich auf dem Trödelmarkt dazu gekauft", erzählt Zagermann.

Ein Schmuckstück: Arnold Zagermann auf seiner tiptop gepflegten Vespa, Baujahr 1960. Die meisten Reparaturen erledigt der Nievenheimer selbst. Foto: Jazyk, Hans (jaz)

Für die Anschaffung der Vespa musste der gelernte Elektriker, der später als Drucker beschäftigt war, 1960 als junger Mann an seine finanziellen Grenzen gehen. "Die Maschine kostete bei Denecke in Neuss 1650 Mark, mir fehlten aber 500", erinnert sich der Nievenheimer. Was tun? Für Jugendliche — mit 20 galt man damals noch nicht als volljährig — gab es keine Kredite. "Ich hatte schon daran gedacht, einen Wechsel aufzunehmen, denn ich wollte die Vespa unbedingt haben", berichtet Zagermann. Schließlich habe ihm ein Nachbar aus der Klemme geholfen.

Die Vespa ist wettbewerbstauglich, wie diese alte Aufnahme belegt. Foto: Arnold Zagermann

Wieviele Kilometer er in den vergangenen 53 Jahren mit dem Roller abgerissen hat, kann der 73-Jährige nicht sagen. Vor fünf Jahren ist der Tacho der Vespa überholt und auf 0 gesetzt worden — seitdem ist der Dormagener schon wieder 13 000 Kilometer gefahren. Arnold Zagermann ist seit 18 Jahren Mitglied im Vespa-Club Düsseldorf, früher gehörte er dem inzwischen aufgelösten Club in Dormagen an, der im Lokal "Flora" seine Heimstatt hatte. Mit diesen Vereinen wurden und werden immer viele Touren unternommen, auch im europäischen Ausland. Roller-Fan Zagermann erinnert sich noch gut an eine Reise, die 2000 Kilometer durch Italien führte. Bis nach Verona ging's mit dem Reisezug, dann war die Vespa gefragt. Jedes Jahr findet weltweit ein Vespa-Treffen statt. In Belgien kamen zum Beispiel mehr als 2000 der Zweiräder zusammen.

Auf etwa 90 Stundenkilometer bringt es die Maschine. Bei heutigen Verkehrsverhältnissen ist das zumindest auf der Autobahn eigentlich zu wenig. "Ich habe Probleme, an Lastwagen vorbei zu kommen", weiß Arnold Zagermann. Deshalb habe er sich noch einen zweiten, schnelleren Roller gekauft. Von schweren Unfällen ist der 73-Jährige bisher zum Glück verschont geblieben. "In den 60er Jahren habe ich in Neuss mal das Hinterrad verloren", erinnert er sich. Und auf dem Weg zu einem Polterabend in Siegburg sei er mit dem Roller im Gebüsch gelandet — das war alles.

Zagermanns Frau Marlies, die früher auch eine Vespa besaß, hält sich mit dem Rollerfahren inzwischen zurück. Dennoch teilt sie die Liebe ihres Mannes. "Vespas sind toll", findet sie.

(NGZ)