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Dormagen: Die Königin der Zonser Märchenspiele

Dormagen : Die Königin der Zonser Märchenspiele

Seit der Gründung der Spielschar vor 60 Jahren hat Elisabeth Krumbein bei allen Märchenspielen auf der Freilichtbühne mitgewirkt.

Sich mit Elisabeth Krumbein über Märchen zu unterhalten, macht Spaß. Die 75 Jahre alte Zonserin hat nicht nur Dialoge und Begebenheiten im Kopf, sondern berichtet lebhaft von vielen Anekdoten rund um die Märchenspiele Zons, die heute mit einem Geburtstagsfest auf der Freilichtbühne ihr 60-jähriges Bestehen feiern. Bei freiem Eintritt können kleine und große Besucher von 11 bis 17 Uhr Szenen aus drei verschiedenen Märchenproduktionen und viele andere Aufführungen, unter anderem "Dornröschen op Kölsch", erleben.

Zwischen diesen Fotos liegen 51 Jahre: Lisa Krumbein 1961 als schöne Müllerin in "Rumpelstilzchen" und im vorigen Jahr auf der Freilichtbühne Zons. Foto: ON/Jaz

Sie hat schon viele Rollen gespielt, war mehrfach Prinzessin und Königin, sogar des Teufels Großmutter. "Es macht sehr viel Freude, den Zuschauern die Märchen in besonderer Form näherzubringen", sagt Lisa Krumbein, die seit der Gründung der Spielschar 1953 dabei ist: auf der Bühne als Darstellerin und hinter den Kulissen als Geschäftsführerin des Vereins Märchenspiele Zons. Rund 10 000 Stunden investiert sie im Jahr in die Märchenspiele, wie sie mal ausgerechnet hat.

"Meine Mutter hat mich mit drei Monaten mit auf die Bühne genommen, daher hab ich den Theatervirus, der geht auch nicht weg", sagt sie. Keine Premiere hat sie seit der ersten, "Der gestiefelte Kater", verpasst — bis jetzt, als sie wegen eines Reha-Aufenthaltes nicht dabei sein konnte, als "Dornröschen" am 9. Juni zum ersten Mal in dieser Saison gespielt wurde. "Ich brauchte Ruhe, aber trotzdem habe ich mich sofort nach dem errechneten Schluss der Vorstellung erkundigt, wie es gelaufen ist", gibt sie zu, sich nicht ganz entziehen zu können. "Ich habe so viele schöne Erinnerungen an all die märchenhaften Jahre, die kann mir keiner nehmen", sagt Lisa Krumbein, die für den "runden Geburtstag" heute vorbereitet hat. Die Wettervorhersage verheißt auch nur Gutes, wie überhaupt in dieser Saison noch keine Vorstellung des Freiluft-Märchens ausfallen musste.

In den 60 Jahren hat Elisabeth Krumbein, die ihren Mann auf der Bühne kennengelernt hat, unter vielen Regisseuren gearbeitet, die den Märchen ihre Handschrift gegeben haben. Initiiert haben die Spiele Heinrich Knops und Karl Alexander Terheggen, es folgten die Regisseure Hans-Georg Bögner, Ralf Dümling, Rolf Koch und seit 2008 Jürgen Reinicke.

Als Lieblingsrolle bleibt Lisa Krumbein vor allem die schöne Müllerstochter in "Rumpelstilzchen" im Gedächtnis, vielleicht wegen der Doppelspielzeit und der besonderen Anforderungen: Zum einen wurde es 1960 und 1961 gespielt, weil die erste Saison komplett verregnet war. Und zum anderen kamen die Texte des Rumpelstilzchens, das der Ballettmeister Karl Alexander Terheggen tanzte, vom Band, wie Lisa Krumbein erzählt: "Das war sehr schwierig, die genauen Einsätze zu erwischen, denn das Band lief weiter, und ich musste meinen Text dazwischen sprechen." Daran hat sie in jeder freien Minute gearbeitet, bis alles perfekt saß. Es muss so großen Eindruck gemacht haben, dass sie der Sohn des damaligen Spielleiters Heinrich Knops immer noch mit "Guten Tag, Frau Müllerin" begrüßt.

Überhaupt wird Lisa Krumbein auch außerhalb von Dormagen oft als "Märchenfee" erkannt. So wurde sie, als sie mit ihren Kindern vor Jahren am Kölner Bahnhof auf einen Zug wartete, von einer Passantin gefragt: "Sind Sie nicht die Königin von Zons?" Das berichtet Elisabeth Krumbein lachend, so wie sie sich zurecht über Publikums-Generationen freut: Wenn ihr Zuschauer erzählen, dass sie selbst als Kind auf der Freilichtbühne saßen, danach mit ihren Kindern und nun mit Enkeln die Märchenspiele besuchen.

(NGZ)