Dormagen: Die Handball-Hoffnung

Dormagen: Die Handball-Hoffnung

Insolvenzverwalter Dirk Andres soll den angeschlagenen DHC Rheinland sanieren. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt hat Erfahrung mit der Rettung von Sportvereinen. Sein großes Ziel lautet: den Spielbetrieb aufrecht erhalten.

dormagen/düsseldorf Das Schicksal des DHC Rheinland ist abgeheftet in zwei himmelblauen Aktenordnern, die auf einem ovalen Tisch im Konferenzraum von "Andres & Schneider" liegen. Neuer Zollhof 3, Düsseldorfer Hafen – so lautet die schnieke Adresse der Kanzlei, die im weißen der drei berühmten Gehry-Bauten untergebracht ist. Insolvenzverwalter Dirk Andres – 1970 geboren, jugendlicher Typ – betritt mit federnden Schritten den Raum. Zur Begrüßung sagt er: "Ich bin ganz guter Dinge, dass wir eine Lösung finden."

Dirk Andres ist seit vergangener Woche der Insolvenzverwalter des angeschlagenen Dormagener Handballclubs DHC Rheinland. Die Kanzlei ist nicht zufällig ausgewählt worden. Die Düsseldorfer haben Erfahrung mit der Sanierung von Sportvereinen. Sie haben den ECD Iserlohn in den 80ern saniert, die DEG in den 90ern und zehn Jahre später den VfB Leipzig. Und auch im aktuellen Fall ist Andres zuversichtlich: "Bis jetzt ist es uns fast immer gelungen, dass es mit den Vereinen weitergeht. Für den DHC prüfen wir derzeit alle Optionen."

Noch steht der Insolvenzverwalter am Anfang seiner Arbeit, er führt Gespräche mit DHC-Verantwortlichen und Fan-Initiativen, sondiert die Lage. Fünf Mitarbeiter kümmern sich um den DHC und darum, dass sich die blauen Aktenordner mit DIN-A4-Blättern füllen. "Wir brauchen jetzt Sponsoren, die zum Verein stehen", sagt Dirk Andres. Am Sonntag war auch er selbst bei der Partie gegen Melsungen in der Halle. Es ist das Signal: Auch ich stehe zum DHC Rheinland.

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Ohnehin sieht sich Andres nicht als kalter Verwalter einer Insolvenzmasse, sondern als Sanierer, als Retter, als jemand, der Perspektiven schafft. "Abwickeln" – schon das Wort kann er nicht leiden. Er wolle den Spielbetrieb bis zum Ende der Saison sicherstellen. Dafür muss eine spielfähige Mannschaft aufgestellt werden. Andres schaltet sein iPad ein und zieht mit den Fingern eine Grafik in Position. Er mag Technik. In seiner Studienzeit hat er ein IT-Unternehmen betrieben.

Beruflich ist Andres allerdings den Spuren seines Vaters gefolgt, der auch Jurist war. Er hat Rechtswissenschaften an der Universität Köln studiert. "Ich mag es, einen Fall auf seine Essenz runterzubrechen", sagt Andres. Jura und Zahlen, das schließe sich nicht aus.

Und warum Insolvenzverwalter und nicht Rechtsanwalt? "Als Jurist ist man eher Berater, ich will Entscheidungen treffen, das macht mir Spaß", sagt Andres. Der Düsseldorfer hat auch eine Affinität zum Sport. Er selbst hat Leistungssport betrieben, war Leichtathlet. Einen sportlichen Schwerpunkt gebe es aber nicht. Unternehmen wie den Autohändler Kroymans oder die Falkenroth-Gruppe hat die Kanzlei saniert. Rund 100 Insolvenzen zieht "Andres & Schneider" im Jahr durch. Der Unterschied? "Im Sport geht es emotional zu", sagt Dirk Andres, "der Kunde ist der Zuschauer."

(NGZ)