Dormagen: Die Garnison aus Zons bevölkert die Altstadt

Dormagen: Die Garnison aus Zons bevölkert die Altstadt

Einmal im Monat trifft sich die "Zonser Garnison" am Schloss Friedestrom und entführt Bürger ins Mittelalter zur Zeit des Krieges

Der Schwerthieb prallt an der Rüstung ab. Schützend hält der Söldner sein Schild vor sich und wappnet sich für den nächsten Angriff. Der Regen prasselt auf die Erde, und das kleine Burgfräulein im Burgtor verfolgt gespannt und mit großen Augen die Szenerie.

Foto: "Tinter, Anja (ati)"

Was hier so echt und gefährlich aussieht, ist eine Kampfvorführung der "Zonser Garnison". Seit einem Jahr führt die Mittelaltertruppe die Zonser Bürger auf eine Zeitreise ins Mittelalter: 1474, zur Zeit des Neusser Krieges. Einmal im Monat patroullieren die Söldner an den Toren der Zonser Altstadt und stehen in der Zollfeste für historische Stadtführungen, Fotos und beeindruckende Kampfvorstellungen zur Verfügung.

In der 15-köpfigen Freundestruppe ist beinahe jedes Alter vertreten von sechs bis zu 49 Jahren. Jedes Mitglied hat seine eigene mittelalterliche Berufung. "Ich bin ein Langbogenschütze. Ich habe vor einigen Jahren zum Geburtstag ein Bogenbauseminar geschenkt bekommen. Damals hat alles angefangen", erklärt Douglas Freye (54), gebürtiger Amerikaner. Er habe immer schon gerne mittelalterliche Feste besucht und sein Interesse sei gestiegen. "Ich wollte unbedingt mal hinter die Kulissen schauen und selbst ein Teil des Schauspiels werden. Ich finde es ist ein faszinierendes Hobby", so Freye.

"Unsere Kampfsportart ist der Mittelalterliche Vollkontakt. Dabei achten wir natürlich darauf, uns nicht zu verletzten. Unsere Schwerter sind alle stumpf.", erzählt Hobby-Söldner Thomas Moch (22). Beim Mittelalterlichen Vollkontakt werden nach festen Wettbewerbsregeln in historischer Ausrüstung mittelalterliche Kämpfe ausgetragen. Ausrüstung und Waffen sind dabei speziell auf diese dynamische Sportart abgestimmt. In verschiedenen Disziplinen messen sich die Kämpfer sportlich in Einzel- und Gruppenkämpfen.

Doch nicht nur Krieger lassen sich in der Zonser Garnison finden. Michael Topp (39) tritt als Geistlicher auf. "Ich kann nicht kämpfen und habe auch kein großes Interesse am Kampf. Aber ich wollte mich in diese nette Gemeinschaft integrieren. Von Beruf bin ich Physiotherapeut und", sagt Topp und lacht. Momentan arbeitet er noch an seiner Rolle als Hospitalitermönch. Uwe Bak (47) hat bereits viel Erfahrung im Sport Schwertkampf. Er hat zehn Jahre lang gekämpft und ist nun Mitglied bei der Zonser Garnison.

"Wir verstehen uns super und sind alle im Laufe des Projekts Freunde geworden. Es ist toll, dass auch unsere Familien mitwirken", erzählt der Gründer Wolfgang Göddertz alias Hauptmann Wolfgang von Barrenstein stolz und deutet auf seine Tochter. Die sechsjährige Ellen ist als Burgfräulein verkleidet und hat Spaß daran, die Friedrich-von-Saarwerden-Statue zu erkunden. Auch seine Nachbarskinder konnte Göddertz für das Mittelalter begeistern. Tajeb (11) und Jan (10) sind Feuer und Flamme. Noch dürfen die beiden angehenden Ritter nicht kämpfen, aber sie können es gar nicht mehr abwarten. Dafür lernen die Zwei aber eine Menge anderer nützlicher Dinge, bis es soweit ist. "Wir lernen, wie man Feuer mit Steinen macht", sagt Tajeb, und Jan ergänzt: "Momentan üben wir schon mit Dolch und Kurzschwert."

(NGZ)