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Theodor Siebers: "Die Finanzkrise ist noch nicht bewältigt"

Theodor Siebers : "Die Finanzkrise ist noch nicht bewältigt"

Auf dem blauen NGZ-Sofa sprach der Vorstandsvorsitzende der VR Bank auch über die Fusion mit der Raiffeisenbank Grevenbroich.

Herr Siebers, Sie sind Chef von rund 150 Mitarbeitern. Was zeichnet eigentlich ein gutes Betriebsklima aus?

Theodor Siebers Ich möchte es einmal so formulieren: Ein gutes Betriebsklima herrscht dann, wenn alle wissen, wofür sie arbeiten. Das hat weniger etwas mit Feiern zu tun, als vielmehr damit, dass man ein Team bildet, um gemeinsame Ziele zu erreichen.

Was schätzen Sie an Mitarbeitern?

Siebers Aufrichtigkeit.

Und was ärgert Sie?

Siebers Wenn die Identifikation mit dem Betrieb und der Arbeit fehlt.

Wir sind auf der Zielgerade des Jahres: Wie fällt die Bilanz 2013 aus?

Siebers Es war erstaunlicherweise wieder ein sehr gutes Jahr. Dabei befinden wir uns in einer gesamtwirtlichen Lage, die nicht unbedingt vermuten lässt, dass es einer Bank gut geht. Wir haben selbstverständlich am Rande auch mit den Problemen zu kämpfen, die sich draußen ergeben, aber die Jahre verlaufen für uns in einem relativen Gleichklang. Wir haben derzeit auch wenige Ausfälle im Kreditgeschäft, ansonsten ein Riesenproblem für Banken.

  • Die Vorstände beider Banken (v. l.):
    Raiffeisenbank in Hückeswagen : Volksbank Oberberg strebt für 2020 Fusion an
  • Erkelenz : Volksbank hat Fusion gemeistert
  • Die Vorstände (v. l.): Ralf Löbach,
    Raiffeisenbank in Radevormwald : Volksbank Oberberg strebt eine Fusion für das Jahr 2020 an

Wie kann man sich als lokale Bank im globalen Finanzsektor behaupten und in diesem großen System seinen eigenen Weg finden?

Siebers Indem man in Deckung geht. Die Größe der Volks- und Raiffeisenbanken oder auch die der Sparkassen ermöglicht es, sich ein wenig vor der Krise zu verstecken. Die Krise erwischt uns auch deshalb nicht voll, weil wir viele Geschäfte gar nicht erst betreiben. Daher treffen uns deren Risiken nicht, aber in guten Zeiten ergeben sich auch nicht die Chancen.

An welchen Geschäften beteiligen Sie sich nicht?

Siebers Wir sind, wie unsere Kunden, relativ wenig an den Aktienbörsen vertreten, und auch Staatsanleihen haben wir nicht in unseren Depots.

Die Wirtschaft läuft, der DAX ist auf Rekordjagd — gibt es die Finanzkrise noch?

Siebers Wir haben eine massive Finanzkrise. Nicht unbedingt in Deutschland, aber in anderen Ländern wie Spanien, Italien, Frankreich, weil dort schwerwiegende strukturelle Probleme bestehen. Die Krise ist noch nicht bewältigt.

Es gibt Gespräche zur Fusion der VR Bank und der Raiffeisenbank Grevenbroich. Ist das schon beschlossen?

Siebers Es gibt Gespräche, aber es steht noch nichts fest. Wir haben hier die Besonderheit, dass es beiden Banken gut geht, beide sind ähnlich groß und organisiert, mit ähnlichem Kundenstamm. Eigentlich zwei Kreditinstitute, die ideal zusammenpassen. Beide haben das nachvollziehbare Interesse, den Geist, den Spirit, gleichberechtigt in das neue Unternehmen einzubringen. Es geht weniger um harte Fakten.

Kommt die Fusion?

Siebers Ich bin guter Dinge, dass sie kommt. Beide Seiten wissen, dass rational nichts dagegen spricht.

Was versprechen Sie sich davon?

Siebers Der Markt selber würde von dieser Fusion nicht betroffen, also 60 Prozent der Mitarbeiter, die im Kundengeschäft tätig sind. Außer dass sie in einem größeren Betrieb mehr Chancen haben, etwas aus sich zu machen. Der Rest spielt sich in der Verwaltung ab, dort wird es die Synergieeffekte geben. Keine Effekte durch Entlassungen.

Irgendjemand muss es doch merken? Der Mitbewerber?

Siebers (lacht) Der wird es fürchterlich merken.

Warum Grevenbroich und nicht die Volksbank Düsseldorf/Neuss als Partner?

Siebers Einer Bank, die ihren Sitz an der Düsseldorfer Kö hat und auch dort ihre Kunden sucht, wird sich schwer tun, den genossenschaftlichen Gedanken in die Zukunft zu transportieren. Es ist dort ein anderes Institut entstanden. Ich schätze die Kollegen. Aber es ist keine typische Genossenschaft mehr. Wäre es heute die Volksbank Neuss, würden wir uns viel leichter tun.

Und andere Partner?

Siebers Kaarst und Meerbusch würden auch ganz gut in das neue Konstrukt passen.

Wie soll denn die neue Bank heißen?

siebers Da waren wir uns schnell einig. VR Bank eG.

Mit Sitz in?

Siebers Der wäre juristisch in Dormagen. Wir werden die übernehmende Bank sein. Wir sind die etwas größere Bank und besitzen mehr Grundstücke. Das hat auch mit Steuerersparnissen zu tun.

Ist das genossenschaftliche Prinzip eigentlich noch zeitgemäß und nicht zu kompliziert?

Siebers Eine berechtigte Frage. Mit unserer Größenordnung nehmen wir uns heraus, bestimmte Dinge anders zu tun als andere. Dass wir im Zweifel bei einem säumigen Zahler eine Woche länger warten, dass wir Verständnis für die private Situation des Kunden haben. Unsere Struktur gibt uns die Chance, uns etwas fairer zu verhalten.

Sie haben etwa 11 500 Mitglieder. Wollen Sie mehr haben?

siebers Wir wollen mehr haben, könnten das forcieren, bieten die Geschäftsanteile aber nicht aktiv an.

Wie schätzen Sie den Wirtschaftsstandort Dormagen ein?

Siebers Wir sind hier in einer sehr glücklichen Lage im Speckgürtel zwischen den großen Städten. Wir partizipieren an deren Aufschwung, haben aber noch ein anderes Preisniveau bei den Wohnimmobilien.

Ist Dormagen das Mittelzentrum, das es gern sein möchte?

Siebers Dormagen hat in den vergangenen Jahren erheblich gewonnen. Klar ist, wir brauchen zunächst einmal Bewohner. Je mehr Wohnungen wir bauen können, je mehr wir verdichten können, desto mehr Nachfrage entsteht und desto mehr wird der Einzelhandel profitieren. Es wird eine neue attraktive Stadt entstehen.

Welche Anlagestrategie empfiehlt der Experte?

Siebers Streuen, streuen, streuen. Ziel ist die Vermögenssicherung; die Hatz nach großer Rendite kann man vergessen.

KLAUS D. SCHUMILAS FASSTE DAS GESPRÄCH ZUSAMMEN.

(NGZ)