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Dormagen: Die Familien-Kümmerer

Dormagen : Die Familien-Kümmerer

Kathrin Kramer (28) und Carolin Daniel (25) kümmern sich beim Jugendamt um Familien. Aufräumen wollen sie mit dem Vorurteil, das Jugendamt sei eine herzlose Institution: "Wir helfen, vor uns muss niemand Angst haben."

Wenn Kathrin Kramer an der Tür klingelt und sich vorstellt, erntet sie manches Mal einen bangen Blick. Die 28-Jährige ist Jugendamtsmitarbeiterin und für den Bereich Delhoven zuständig. Und das Bild des Jugendamts als herzlose Institution, das Kinder aus den Familien reißt, scheint sich aufgrund zahlreicher Horror-Berichte in den Medien in vielen Köpfen verfestigt zu haben. "Dabei ist das Jugendamt nichts Angst einflößendes", insistiert Kathrin Kramer. Im Gegenteil: "Wir sind Fachleute für Familiensituationen."

"Nichts Angst einflößendes"

Die studierte Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin gehört wie ihre Kollegin Carolin Daniel (25) dem 15 Personen starken Team des Jugendamts an. Die Konflikte können vielfältig sein: "Es kann sein, dass die Mutter sich beklagt, dass der Vater dem Kind zu viele Süßigkeiten gibt", sagt Kathrin Kramer, die aus Rommerskirchen kommt und selbst keine Kinder hat. Auch wann das Kind zu Bett gehen sollte kann zum Streitthema werden. Möglicherweise hat die Mutter sogar die Unterhose des Kindes mit einem "x" markiert, um zu beweisen, dass der Vater nicht häufig genug die Kleidung des Kindes wechselt. Zunächst einmal versuchen die Jugendamtsmitarbeiterinnen zu erreichen, dass die Erziehungsberechtigten außergerichtlich eine so genannte Elternvereinbarung treffen.

Die Zahlen, die das Statistische Landesamt zuletzt herausgegeben hat, sind alarmierend: Die Jugendämter in NRW müssen immer mehr Kinder vor Gewalt und Vernachlässigung schützen. Im vergangenen Jahr waren 10 617 Maßnahmen für Kinder und Jugendliche angeordnet worden.

Martina Hermann-Biert, die das Jugendamt leitet, nennt die Zahlen für Dormagen: Im vergangenen Jahr mussten 26 Kinder in Pflegefamilien untergebracht werden, acht Kinder wurden an Erziehungsstellen vermittelt. "Wir mussten die Kinder aus den Familien rausholen, oder die Eltern haben von sich aus gesagt: ,Wir können nicht mehr'", sagt Hermann-Biert.

Der Job von Kathrin Kramer und Carolin Daniel — deren Gebiet Hackenbroich ist — geht indes noch weiter. Beim Amtsgericht machen sie Jugendgerichtshilfe,.Das können ganz banale Fälle sein: "Ein Jugendlicher zum Beispiel, der die Drossel an seinem Mofa entfernt hat." Die Jugendamtsmitarbeiterinnen macht dann einen Vorschlag für das Strafmaß, "erzieherische Maßnahmen" heißt das im Fachjargon. Auch das schwangere Mädchen, das an der Jugendamtstür klopft, betreuten die Mitarbeiterinnen. "Wir bringen das Mädchen dann etwa zur Beratungsstelle Esperanza." Wenn Kramer ins Büro zurückkommt, blinkt oft der Anrufbeantworter. Der nächste Fall.

(NGZ/rl)