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Dormagen: Die Expertin für Religionen

Dormagen : Die Expertin für Religionen

Von klein auf begleitet Fiona Missaghian-Moghaddam die Baha'i-Religion. Doch schon früh wollte die 39-Jährige über den konfessionellen Tellerrand schauen. Heute teilt sie ihr Wissen im Rat der Religionen und gestaltete die interkulturelle Woche mit.

Wissenschaft und Religion müssen kein Gegensatz sein – das beweist Fiona Missaghian-Moghaddam. Sie ist nicht nur promovierte Religionswissenschaftlerin, sondern zugleich Gründungsmitglied des Rats der Religionen in Dormagen.

Ihr Vater ist Iraner, ihre Mutter Deutsche. Ihre Verwandten leben in China, Uruguay und Großbritannien verstreut. Sie selbst wohnte fünf Jahre lang mit ihrer Familie in Los Angeles. Trotzdem hat die Dormagenerin etwas, was sie ihr ganzes Leben begleitet: Die Baha'i-Religion, die in Dormagen lediglich 18 Anhänger zählt.

Schon während der Schulzeit lebte Fiona Missaghian-Moghaddam eine der Grundlagen ihrer Konfession, die Einheit der Religionen, offen aus. So organisierte sie zum Schulabschluss einen überkonfessionellen Gottesdienst mit Muslimen, Christen und Baha'i. "Denn entscheidend ist, was Religionen verbindet – und nicht, was sie trennt", sagt sie. Während ihres Aufenthalts in Los Angeles faszinierte die 39-Jährige das friedliche Zusammenleben der vielen verschiedenen Kulturen in der Stadt. Dort würden die Konfessionen viel mehr ausgelebt als in Deutschland, meint die Wissenschaftlerin. An verschiedenen Universitäten lehrte sie als Dozentin im Bereich Weltreligionen und war begeistert, wie interessiert die Studenten waren. Die Erfahrung vom interkulturellen Zusammenleben prägten sie auch weiterhin, als sie mit zwei Kindern 2004 aus den Staaten zurück nach Dormagen kam.

"Schon bald darauf sprach mich der ehemalige evangelische Pfarrer Heinz Tenhafen an, ob ich ihm bei der Gründung eines Rates der Religionen in Dormagen unterstützen könnte." Lange zögerte sie nicht und wurde bis zur Gründung des Rates 2006 eine "Sachkundige Bürgerin", danach Vollmitglied und heute Mit-Vorsitzende des Gremiums, dem acht Konfessionen angehören. Die Religion nehme nicht nur Einfluss auf die Menschen, sie verändere diese auch. "Deshalb finde ich die Arbeit so spannend", erzählt Missaghian-Moghaddam. Ihr ist es "ein Herzensanliegen", den Kontakt zwischen den Konfessionen herzustellen, um so Vorurteile und Ängste abzubauen.

Schon in Amerika war sie stets neugierig. Sie besuchte das jüdische Passahfest, nahm am muslimischen Fastenbrechen teil und schaute sich einen Sikh-Tempel an. Besonders der Zeit als Dozentin an der Uni trauert sie heute noch nach. Um die verschiedenen Religionen trotzdem jungen Schülern näher zu bringen, hat die 39-Jährige Material für einen Weltreligionsunterricht entwickelt. Damit will sie in Zukunft, privat bei sich zu Hause, den eigenen Kindern und Freunden, ihre Ideale näherbringen. "Wenn das Material ausreicht, gibt es vielleicht auch ein Buch."

(NGZ)