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Dormagen: Die einsame Tankstelle an der A57

Dormagen : Die einsame Tankstelle an der A57

Durch die Sperrung der Autobahn 57 bei Dormagen bleiben an der Raststätte Nievenheim die Kunden aus. Ein Mitarbeiter des Pächters hält noch die Stellung. Getankt werden kann dort nicht mehr. Die durch den Brand zerstörte Brücke wird voraussichtlich erst in zwei Wochen abgerissen.

Das Schild "24 Stunden geöffnet" hängt noch am Eingang. Doch die Tür ist verschlossen, die Lichter sind aus. Nur die Toiletten sind noch zugänglich – für den Mitarbeiter des Pächters, der einsam Stellung in der Tankstelle hält. Wenn man ihn fragt, wann der letzte Kunde da war, zuckt er mit den Schultern.

"Ich weiß nichts", sagt er ruhig, aber bestimmt. "Ich passe nur auf", fügt er hinzu. Mehr verrät er nicht, ehe er wieder in einem der hinteren Geschäftsräume verschwindet. Sein Arbeitsplatz, die Raststätte Nievenheim an der Autobahn 57, Streckenkilomter 103, ist seit Tagen verlassen. Seit der Sperrung der A57 infolge der Massenkarambolage mit einem Toten und 13 Verletzten ist sie die einsamste Tankstelle in Nordrhein-Westfalen.

Keiner kommt mehr, um sein Auto zu tanken, eine Zeitung, Brötchen oder einen Kaffee im Shop zu kaufen. Auch das Schnellrestaurant direkt nebenan hat geschlossen, seit die Kunden durch die Vollsperrung ausbleiben. Am Tag nach dem Unfall sind noch Journalisten und Polizisten gekommen, um Pommes und Hamburger zu essen – danach niemand mehr. Erst wenn die Sperrung nach Ostern in Teilen aufgehoben wird, möchte der Restaurantleiter wieder öffnen.

Bis dahin sind sämtliche Zufahrten zur Raststätte mit Straßensperren abgeriegelt. Die Zapfhähne sind gesperrt, manche sind schon von einer dünnen Staubschicht bedeckt. Daneben hängen an einer Tafel noch die Spritpreise vom Tag der Schließung: Der Liter Diesel kostet 1,56 Euro, Super ist zwölf Cent teurer.

"Wenigstens sind die Benzinkosten konstant geblieben", scherzt Gerhard Meuter, der neben der Tankstelle auf dem ansonsten menschenleeren Parkplatz in seinem Auto sitzt. Seit der Sperrung fährt der 78-Jährige jeden Tag über einen kleinen Schleichweg auf den Rastplatz, um von dort aus die Arbeiten an der durch das Feuer zerstörten Brücke zu verfolgen.

Die Standheizung seines Mercedes läuft, während er aus der Entfernung auf die Baustelle blickt. "Die müssen da mal voranmachen, das müsst doch alles viel schneller laufen, da stimmt doch bestimmt wieder was nicht ", raunt Meuter, der vor seiner Pensionierung für die Straßenmeisterei in Kaarst gearbeitet und selbst jahrelang Baustellen beaufsichtigt hat.

Keine 20 Meter von seinem Wagen entfernt heben drei Mitarbeiter einer Baufirma im Auftrag des Landesbetriebs Straßen NRW mit einem kleinen Bagger den knochenharten Boden entlang der gesperrten Autobahn aus.

Sie verlegen kilometerlange, armdicke Schläuche im Erdreich, die von einer Kabeltrommel abgerollt werden. "Das sind Rohre für das Telekommunikationsnetz von Straßen NRW", erklärt einer von ihnen. Es sind die gleichen Rohre, die unter der Autobahnbrücke von dem unbekannten Brandstifter angezündet worden waren – der Rauch nahm den Autofahrern die Sicht, das Feuer zerstörte das Fundament der Brücke.

Der Unfallort liegt 500 Meter entfernt von der Tankstelle in einer Kurve. Der einsturzgefährdete Bereich ist mit rot-weißen Plastikbändern abgegrenzt. Arne Müller, Leiter der Autobahnmeisterei Rheinberg-Kaarst, ist skeptisch, dass mit dem Abriss der Brücke in den nächsten Tagen begonnen werden kann, so wie Straßen NRW angekündigt hat. "Ich schätze, wir sind erst in zwei Wochen so weit", sagt der 41-Jährige, während neben ihm Vermessungen durchgeführt und Bäume, die für den sechsspurigen Ausbau weichen müssen, gefällt werden.

Unter seinen Füßen werden Betonteile aus der verrußten Decke der Brücke geschlagen. Sie werden später im Labor untersucht, um in Erfahrung zu bringen, wie das Feuer die massive Betonwand so schnell zerstören konnte.

Auf der Raststätte Nievenheim ist es ruhig, nur der Lärm der benachbarten Umgehungsstraße, der Bundesstraße 9, ist zu hören. Dort steht die Tankstelle von Pächter H. Gustke – die Pendler von Köln nach Düsseldorf tanken jetzt bei ihm. "Das Geschäft läuft gut", sagt er.

(RP/nbe/csr/rm)