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Die „Arche“ mahnt am Norbert-Gymnasium zu Respekt vor der Natur

Norbert-Gymnasium Knechtsteden in Dormagen : Eine Liebeserklärung an die Erde

Eine „Arche“ mahnt am Norbert-Gymnasium in Knechtsteden zum guten Umgang mit der Natur.

An den weltweiten Klimaveränderungen und deren Auswirkungen für Menschen, Tiere und Pflanzen ist es zu erkennen: Unsere Lebensweise stellt die Erde vor große Herausforderungen. Im Rahmen des von der EU geförderten Erasmus-Plus-Projekts „Auf der Arche um 5 Minuten vor 12“ machen sich Schüler am Norbert-Gymnasium auf die Suche nach nachhaltigen Lösungen für die Zukunft, denn: „Wir müssen unsere Lebensweise überdenken und ändern“, sagt Schulleiter Johannes Gillrath. Dazu ermahnt die Schüler jetzt eine selbstgebaute „Arche“, die gut sichtbar am Rand des Schulhofs einbetoniert ist.

Das ausgediente Böötchen kam im vergangenen Sommer als Geschenk von Familie Chrastek nach Knechtsteden, wo die 27 Schüler der Erasmus-AG – Jahrgang sieben bis neun – es über Monate hinweg aufmöbelten. Der Pulheimer Künstler Holger Hagedorn, der auch das Mahnmal für die Opfer der Brandkatastrophe vor einigen Jahren auf der Autobahn 57 bei Nievenheim geschaffen hat, ist Ideengeber und ständiger Begleiter des Arche-Projekts. Hagedorn erzählt: „Ich habe auf der Kunstinsel im Zonser Martinssee einige Boote liegen und hatte das Gefühl, die Symbolik passt zum Thema.“

Offenbar hatte der Multimedia-Künstler tatsächlich das richtige Gespür. Er ist vom Geiste der alten Ordensschule Knechtsteden regelrecht durchdrungen. Legte dort 1985 seine Reifeprüfung ab, lässt seine beiden Söhne dort lernen und ist selbst Sohn eines Lehrers, der am NGK Sport unterrichtete. „Hier wirken Menschen, die Werte haben und für sie eintreten“, ist Holger Hagedorns Überzeugung. Bei Erasmus-Lehrerin Nadine Neuwöhner, die die AG leitet, fiel seine Idee auf fruchtbaren Boden.

Nun steht das frisch gestrichene Böötchen also zwischen dem alten und dem neuen Schulgebäude, bunte Wimpel flattern entlang der Takelage im Winterwind. Am Mittwochabend segnete Pater Emeka Nziadibe, Superior des Klosters Knechtsteden, im Beisein der Schulgemeinde und vieler Schüler-Familien die „Arche“ ein. An die 100 Schüler waren der Bitte nachgekommen, etwas Erde aus dem eigenen Garten mitzubringen, füllten sie ins Boot und schufen so Nährboden für Pflanzen und Insekten – Zeichen für einen gemeinschaftlichen Neuanfang. Weitere Erde und Saatgut spenden die Rotary Clubs Dormagen und Pulheim im Frühjahr, damit das Boot zum blühenden Beet wird. Ebenso Holz, das die NGK-ler gemeinsam mit Partnerschülern aus Rumänien, Lettland, Norwegen, Polen und Italien zum Bau von Insektenhotels verwenden, die als Kajüte in die Arche gesetzt werden.

Dem feierlichen Segnungs-Akt ging der Familiengottesdienst voraus, der am NGK drei Mal im Jahr an einem Mittwochabend im Kalender steht. 90 Minuten lang feierten Lehrer, Schüler und deren Familien in der vollbesetzten Basilika Gottes Werk und des Menschen Platz im selben. Eine „Liebeserklärung an die Erde“, so hatte die Schulgemeinde selbst den Gottesdienst überschrieben. Die Erasmus-AG setzte dazu eine szenische Darstellung der Schöpfungsgeschichte um, die vom Technikteam gekonnt mit Lichteffekten unterstützt wurde. Für die gefühlvolle musikalische Begleitung mit neuen geistlichen Liedern sorgte ein spontan von Musiklehrerin Claudia Zonka zusammengestellter Chor, unterstützt von der Mittelstufenband. Ein Gottesdienst wie ein Popkonzert, berührend, überraschend und zeitgemäß. Schulleiter Johannes Gillrath, als Diakon selbst im Messgewand, sagte in seiner Predigt: „Der Mensch erhält von Gott zwei Geschenke, das Leben und die Schöpfung.“ Plakate mit aufrüttelnden Botschaften waren an die Säulen der Kirche geheftet. „There is no planet B“, einen zweiten Planeten gibt es nicht, sagte eins der Poster, „You’ll die of old age, I‘ll die of climate change“, stand auf einem anderem: Ihr sterbt am Alter, ich am Klimawandel.

Die Arche, so Schulleiter Gillrath, soll Aufbruch und veränderte Lebensweisen symbolisieren: „Jedes Mal, wenn wir daran vorbei gehen, wird uns das bewusst.“