1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: DHC: Fans jubeln - und jammern

Dormagen : DHC: Fans jubeln - und jammern

Trotz des Heimsiegs diskutierten die Zuschauer am Sonntag die Insolvenz des DHC – und die Frage, ob sie Zeugen der Abschiedsvorstellung in Dormagen waren. Die Fans schwanken zwischen Resignation und Hoffnung.

Sie hoffen und bangen, sie pendeln zwischen Trotz und Verzweiflung. Die Fans des DHC wussten nicht, ob sie zum letzten Mal Profi-Handball in der Arena sehen würden, als sie am Sonntag an den Höhenberg pilgerten. Um weiterhin Heimsiege wie gegen Melsungen feiern zu können, starten die Fans Rettungsaktionen – Dormagen ohne Profi-Handball können sich viele nicht vorstellen.

"Sie reißen mir die Flyer aus den Händen", sagt Melanie Karbach ganz euphorisch. Die 43-Jährige ist Mitglied im DHC-Fanclub 09 und verteilte gemeinsam mit Corinna David (27) vom Fanclub Blau-Weiß 91 vor der Arena Zettel mit der Nummer des erst vor zwei Tagen eingerichteten Spendenkontos. "Die ganze Nacht haben wir die gedruckt", erklärt sie. "Vielleicht verzichtet der ein oder andere auf ein teures Karnevalskostüm und gibt das Geld lieber für den DHC aus", meint sie und fügt kleinlaut hinzu: "Was sollen wir denn ohne den DHC machen? Handball ist doch unser Leben."

Seit vielen Jahren kommt Michael Beckmann mit Familie zu den Heimspielen. Der 42-Jährige fackelte nicht lange, als er die vielen Anfragen nach einem Spendenkonto im Internet las – er eröffnete eins. "Damit wollen wir Aufmerksamkeit erregen und die Wirtschaft sensibilisieren." Frank Kluth will auf jeden Fall spenden. Der 34-jährige Rommerskirchener geht seit 20 Jahren zum Handball. "Kleinvieh macht auch Mist." Friedhelm Kramer hingegen ging davon aus, sein letztes DHC-Spiel zu sehen. "Die Spendenaktion ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein." Sein Appell: "Die lokale Wirtschaft muss sich mehr engagieren." Dauerkartenbesitzer Thomas Knoppe gibt aber auch den Marketingstrategien Schuld an der Insolvenz. "Man kann nicht einfach 250 Briefe verschicken und glauben, so wird alles gut. Klinken putzen gehört auch zum Geschäft", ist der 54-Jährige überzeugt. Als prominente Unterstützer outeten sich Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und sein allgemeiner Vertreter Jürgen Steinmetz. "Wir müssen mehr unternehmen", so Steinmetz.

Sandra Gerwig ist traurig – aber sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben. "Ich wünsche mir, dass es weitergeht", sagt die Dauerkarteninhaberin. Auch Claudia Genzer vom Fan-Club Blau-Weiß 91 will sich nicht mit dem Aus abfinden. "Ich hoffe, dass es in der Zweiten Liga weiter geht. Wir müssen weiter spielen." Die 20-Jahr-Feier des Fanclubs will sie durchziehen – "egal was passiert." "Bitter" findet Hans-Peter Schnorrenberg die Situation. Er grillt seit Jahren bei Heimspielen Würstchen und Steaks. Was er ohne DHC am Sonntagnachmittag machen würde? "Zuhause sitzen und den 1.FC Köln gucken."

(NGZ)