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Dormagen: Der Vollblut-Pädagoge

Dormagen : Der Vollblut-Pädagoge

Gestern wurde Rudolf Pehe offiziell verabschiedet. Nach 17 Jahren geht der Schulleiter der Theodor-Angerhausen-Schule in den Ruhestand. Der Hackenbroicher freut sich auf Reisen und Ruhe.

17 Jahre scheinen ein guter Zeitraum zu sein für Schulleiter. Josef Zanders sagt dem NGK nach 17 Jahren ade, auch Rudolf Pehe verlässt nach 17 Jahren im Schulleiteramt "seine" Schule, deren rund 180 Schüler für ihn mehr sind als eine pädagogische Herausforderung. "Man nennt mich hier den Mann für alle Fälle", sagt der 63-Jährige und lacht. In der Schulchronik taucht er nicht als graue Eminenz, sondern als Moderator, Entertainer und Hausmeister auf. "Ich habe hier alles gemacht: die Heizung frei geklopft, Lehrer fortgebildet" – und die Entwicklung der Schule geprägt, möchte man ergänzen. Wenn man Rudolf Pehe auf seine Bilanz anspricht, spricht er sofort von der Programmatik der Schule. Er möchte nicht als Person im Mittelpunkt stehen, aber: "Ich wollte meine Idee von Schule verwirklichen – als Gestalter, nicht als Verwalter." Dazu gehört eine klare pädagogische Linie, beeinflusst von der Überzeugung, Kinder früh zur Selbständigkeit zu erziehen und als Lehrer einen Schritt zurückzutreten. Die Theodor-Angerhausen-Schule hat als eine von fünf Schulen im Rhein-Kreis an einem Weiterbildungsprojekt teilgenommen, in dem das "Lernen lernen von Anfang an"-Prinzip, maßgeblich entwickelt vom Grevenbroicher Pädagogen Willi Risters, eine große Rolle spielt. "Davon ist viel im Unterricht hängengeblieben." Vor allem die Informationsverarbeitung und Präsentation der Kinder, die "Lernplakate" erstellen und frei referieren. "Wir wollen die Kinder stärken, ihr Selbstbewusstsein fördern."

Besonders stolz ist Pehe, der in Hackenbroich lebt und vor der Zeit an der Grundschule fast 20 Jahre an der Hermann-Gmeiner-Schule wirkte, auf die Entwicklung zur Offenen Ganztagsschule und den damit verbundenen Neubau. "Endlich etwas Eigenes bauen": Noch heute spürt man Pehes Freude über die Gestaltungsmöglichkeiten vor und nach dem Bau des Gebäudes, das den Raummangel beendete und seit 2008 an der Stelle des alten Gesundheitsamtes steht – ein bunter Blickfang in der Innenstadt, der das Logo der Schule trägt. "Das ist ein echter Akzent in der Stadt", findet Pehe.

Und was macht der Vollblut-Pädagoge außer Dienst? "Erstmal entspannen", sagt Pehe, der nach 40 Dienstjahren mit Sorge auf wachsende Belastungen der Pädagogen blickt. "Die Kinder sind die gleichen. Aber sie kommen schlechter vorbereitet aus dem Elternhaus." Er möchte jetzt mehr lesen, wandern, mit dem Campingwagen unterwegs und frei sein. Er freut sich auch auf mehr Zeit für die Bonsais, die er und seine Frau kultivieren. Kleine Lebewesen liegen ihm. Er wird sie vermissen, seine Schüler. "Der Abschied am Freitag wird sehr emotional", weiß er. "Die Kinder hängen an einem", sagt er, während er auf dem Schulhof "seine" Schüler umarmt. "Sie brauchen Beachtung und Zuwendung als Persönlichkeit", sagt er. Seine Devise laute: "Wir müssen die Kinder wahrnehmen. Dann lernen sie auch."

(NGZ)