Dormagen: Der Sport-Politiker

Dormagen : Der Sport-Politiker

Er ist das Gesicht für Handball und Ringen, Journalist, seit Jahren Vorsitzender des Sportausschusses: nun hat Detlev Zenk auch das Amt des stellvertretenden SPD-Fraktionschefs übernommen. Porträt eines ruhelosen Netzwerkers.

Im braunen Cord-Sakko sitzt Detlev Zenk im Besprechungsraum des Energieversorgers evd und zieht die Augenbrauen hoch. Der 58-Jährige soll bei Kaffee und Kirschstreusel die Planungen für den "Grand Prix der Ringerinnen" präsentieren. In einer Woche werden 196 Ringerinnen aus 18 Nationen in die Chemiestadt kommen. Gestresst sieht Detlev Zenk nicht aus. Aber das tut er eigentlich nie. Stattdessen spricht er ein paar launige Sätze darüber, dass die Ringerinnen aus Aserbaidschan zum Grand Prix nach Deutschland reisen, während in der Heimatstadt Baku der "Eurovision Song Contest" stattfindet, früher bekannt als "Grand Prix Eurovision". Zenk lächelt breit: "Das zeigt doch, welche Bedeutung der Wettbewerb in Dormagen hat."

"Ehrenamt nimmt in Anspruch"

Seit 1999 ist der Dormagener, der mit seiner Lebensgefährtin in Horrem wohnt, Vorsitzender des AC Ückerath. Und nicht nur das. Seit Jahren engagiert er sich für den Handball – als Pressesprecher des DHC Rheinland und Autor für die "Handballwoche". Nebenbei leitet er den Sportausschuss der Stadt, vor einigen Tagen hat der SPD-Mann auch noch das Amt des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden übernommen. "Das Ehrenamt nimmt mich mittlerweile stärker in Anspruch als mein eigentlicher Beruf", sagt Zenk.

Der gebürtige Dormagener ist gelernter Journalist, hat sein Handwerk bei der "Handballwoche" gelernt, war später sogar Pressesprecher beim Deutschen Handballbund (DHB). Schnurstracks führte ihn sein Weg indes nicht dorthin. Er habe zunächst zwölf Semester Jura studiert, dann Probleme mit dem Zivildienst bekommen, schließlich bei dem Fachmagazin volontiert.

Auch selbst war Zenk im Handballteam des damaligen TSV. Die Zeiten haben sich deutlich verändert, seit der 58-Jährige den Ball gepasst hat. "Wir waren Waisenkinder damals im Vergleich zu heutigen B-Jugendspielern", sagt er. Die Jugend sei heute viel athletischer. Das ausgewogene Training schätzt der bekennende FC-Köln-Fan Detlev Zenk auch bei den Ringern. "Die Ausbildung für den Körper ist sehr umfangreich", sagt der 58-Jährige, der sich als Laie zunächst in den Sport einarbeiten musste und sich um Sponsoring und Finanzen kümmert.

Die Situation mit dem Geld steht auch im Fokus seiner neuen Aufgabe als Fraktionsvize bei den Sozialdemokraten. "Wir werden nicht in allen Ortsteilen die jeweiligen Wünsche erfüllen können", sagt Zenk der auch für sein Hobby wieder mehr Zeit finden möchte: das Kino. "Vor Jahren", sagt er, "habe ich mir auf der Berlinale täglich drei bis vier Filme angesehen."

(NGZ)