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Dormagen: Der Schatzgräber geht in Rente

Dormagen : Der Schatzgräber geht in Rente

Mit launigen Worten und einem Oktoberfest nahm Kreisarchivar Karl Emsbach gestern in der Nordhalle in Zons Abschied von seinem Berufsleben. Landrat Petrauschke würdigte Emsbach als "Glücksfall für den Rhein-Kreis".

Jetzt habe er "noch mehr Zeit zur Verfügung als zuvor", sagte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zu Karl Emsbach, als er den Kreisarchivar nach 29 Jahren im Dienst des Rhein-Kreises Neuss in den Ruhestand verabschiedete. Der promovierte Historiker nahm den Beamtenwitz auf und konterte: "Ich soll kein schlechtes Gewissen haben, dass ich jetzt Geld bekomme, ohne dafür zu arbeiten — also ändert sich nichts." Lachend drohte er jedoch an, dass er jetzt Leserbriefe schreiben und Bürgeranträge stellen dürfe. Die Verabschiedung des Kreisarchivars in den Ruhestand war eine gelungene Feier mit humorvollen Beiträgen, Jazz des "Flöns Royal" Dixieland-Orchesters und einem Oktoberfest-Imbiss — ganz ungezwungen, genau so wie es sich Emsbach gewünscht hatte.

Mehr als 100 Weggefährten waren in die Nordhalle des Kulturzentrums des Rhein-Kreises Neuss nach Zons gekommen, um Emsbach zu würdigen, der zum 1. November in Rente geht. Neben den launigen Worten stellte Landrat Petrauschke ernsthaft fest: "Für den Rhein-Kreis Neuss und sein Archiv war und ist Dr. Karl Emsbach ein Glücksfall." Emsbach sei mehr als ein Leiter einer Dokumentationsstelle, er habe das Kreisarchiv zu einer "wahren Fundgrube, wenn nicht sogar einer Schatzkammer" gemacht, und mit zahlreichen Ausstellungen, Publikationen und humorvoll gestalteten Führungen habe er das Geschichtsbewusstsein im Kreis wachgehalten und weiter entwickelt.

Dass es 1982, als Emsbach zur Kreisverwaltung stieß, im Archiv (fast) nichts außer einem kleinen Raum und einem leeren Magazin im Ständehaus Grevenbroich gegeben habe, machte der Fast-Ruheständler selbst deutlich: "Mein Dienstantritt war ziemlich ernüchternd — die Zimmer waren wüst und leer", sagte Emsbach schmunzelnd. Seine Hauptarbeit habe in den fast 30 Jahren darin bestanden, kommunales und privates Schriftgut zu prüfen, aufzubereiten und zu sichern. Dass dabei noch Zeit für die Schriftleitung von 30 Publikationen und das Schreiben von 50 Aufsätzen geblieben sei, freue ihn sehr. Emsbach dankte allen Unterstützern des "Archivs im Rhein-Kreis Neuss", allen voran dem Kreistag, der das Kulturzentrum gut ausgestattet habe. Sein Nachfolger, Stephen Schröder, finde ein gut aufgestelltes Archiv vor.

Professor Wilfried Reininghaus, Präsident des Landesarchivs NRW, der seit seiner Zeit als Referendar in Detmold und Marburg gut mit Emsbach befreundet ist, lobte dessen Arbeit: "Er identifiziert sich mit dem Rhein-Kreis Neuss und hat es geschafft, das Archiv im Rhein-Kreis Neuss bei der Bevölkerung zu etablieren." Emsbach sei ein Vermittler lebendiger Geschichte. Über seinen Freund "Charly", den tiefsinniger Humor auszeichne, sagte Reininghaus: "Wer einen Emsbach dabei hatte, ist nie im Streit auseinander gegangen."

(NGZ)