Dormagen: Der Sand-Sammler von Zons

Dormagen : Der Sand-Sammler von Zons

Von Papua Neuguinea bis zur Ostsee, vom Monument Valley aus den USA bis zu Stränden auf Malaysia: Hermann Josef Göbel besitzt genau 1876 kleine Gläschen mit verschiedenen Sandkörnern aus der ganzen Welt.

Sand, wohin das Auge blickt. Allerdings ist kein Meer in Sicht, sondern die feinen Körner sind hinter Glas gesichert: Bei Hermann Josef Göbel in Zons stehen 1876 verschiedene Sandarten im Regal, fein säuberlich mit den Herkunftsdaten beschriftet und nach Kontinenten sortiert. Der 76-Jährige sammelt seit fast 30 Jahren Sand und hat Proben aus mehr als 100 Ländern, vom Monument Valley aus den USA bis zu Stränden auf Malaysia.

Seit wann er sammelt, weiß Hermann Josef Göbel selbst nicht so genau, aber den Grund: "Die Leidenschaft entstand aus einer Urlaubslaune heraus, aus der Freude am schönen, weichen, farblich ansprechenden Sand." In Travemünde hatte er mit seiner Frau dann in Flaschen abgepackten, verschieden farbigen Sand im Schaufenster eines Reisebüros entdeckt – und seither nimmt er von seinen Reisen nicht nur kleine Sandproben mit, sondern katalogisiert sie und versucht wie alle ernsthaften Sammler, die Lücken in der Sammlung zu schließen. "Die verschiedenen Farben und Konsistenzen faszinieren mich", erklärt Göbel: "Sand ist nicht gleich Sand und immer weiß, sondern auch rosa, rot, organge, grün bis zu braun und schwarz."

Wer ohne "Vorwarnung" in den Keller des Zonser Versicherungskaufmanns tritt, staunt über die "große Anzahl verschiedener Pfeffersorten", wie Göbel oft zu hören bekommt. Denn seine deutschen Sande stecken in Gewürzgläsern, die sich der gebürtige Thüringer, der in Hannover aufgewachsen ist, auf Trödelmärkten besorgt hat.

So wie sich kleinere Laborgläschen für die internationalen Sandproben im Regal durchsetzten, buate Göbel, der seit 1967 in Dormagen lebt, auch seine Länder aus: Von Spanien brachte er selbst gesammelten Sand mit, der beschriftet ist mit "Mittelmeer, Spanien, Mallorca, Puerto Soller, Leuchtturm Faron, 14. April 1985". Einmal von der Leidenschaft gepackt, richteten die Göbels sogar ihre Urlaubspläne nach den noch nicht vorhandenen Sandzielen: "Auf Ischia sind wir einen Tag lang mit dem Rundfahrtbus zu jedem Strand gefahren, um zu sammeln." Doch da man ja nicht zu allen Stränden rund um den Globus jetten kann, beteiligen sich Verwandte, so auch seine zwei Töchter und der Sohn, sowie Freunde und Bekannte am Sammeln: "Ich habe von vielen schon die schönsten Sande erhalten", sagt Göbel, der sich gern daran erinnert, dass ein ihm bis dahin unbekannter Sprachforscher vom Niederrhein auf ein Schreiben hin sogar Sand aus Papua Neuguinea für ihn mitbrachte. Auch der Sand aus dem Kruegernationalpark in Südafrika ist für Göbel etwas Besonderes, da dort Aussteigeverbot für Besucher herrscht: "Der Busfahrer sammelte für mich den Sand am Flußufer."

(NGZ)
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