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Dormagen: Der Lärm-Knigge für Zuhause

Dormagen : Der Lärm-Knigge für Zuhause

Immer wieder ärgern sich Mieter über Ruhestörungen durch Nachbarn. Meist geht es um zu laute Partys, aber auch um Bausstellengetöse. Rechtsanwältin Anja Reinold-Kapff erklärt, was erlaubt ist und was nicht zumutbar ist.

Bei RTL läuft das Thema zur besten Sendezeit, in Buchhandlungen füllt die Literatur dazu Bücherregale und im Internet gibt es unzählige Seiten mit Hinweisen: Lärmbelästigung im Haus oder der eigenen Wohnung. Beim Mieterbund Dormagen berät die in Mietfragen erfahrene Rechtsanwältin Anja Reinold-Kapff lärmgeplagte Mieter.

"Erstmal gilt das Gebot der Rücksichtnahme, das sollte jedem klar sein. Leider wird es jedoch häufig vermisst", erklärt die 41-Jährige. So sollte man eine Geburtstagsparty den Nachbarn ankündigen, dass es ausnahmsweise etwas lauter werden könnte. "Am besten lädt man die Nachbarn gleich mit ein, dann gibt es überhaupt keine Probleme", fügt die Rechtsanwältin hinzu. Generell gilt ab 22 Uhr, dass man sich auf Zimmerlautstärke unterhält.

"Auch der Fernseher oder die Musik muss nach 22 Uhr runtergedreht werden, schwerhörige Nachbarn müssen sich einen entsprechenden Kopfhörer kaufen." Bei besonders schweren und langwierigen Streitigkeiten mit den Nachbarn rät die Rechtsanwältin ihren Mandaten sogar manchmal zum Auszug. "Irgendwann muss der Klügere nachgeben, es ist es nicht Wert in einer Umgebung zu wohnen, in der man sich partout nicht mehr wohlfühlt."

Die Rechtslage bei Lärm von spielenden und tobenden Kindern ist klar geregelt: "In den vergangen Jahren haben die Gerichte immer für die Rechte der Kinder entscheiden", erläutert Anja Reinold-Kapff. So müssen Nachbarn spielende, weinende oder schreiende Kinder hinnehmen. "Aber auch hier geht die Rücksichtnahme vor, sollten sich Nachbarn gestört fühlen. Kinder sollten diese Rücksichtnahme schon früh beigebracht bekommen."

Bei Baulärm ist die Frage von Rücksichtnahme weniger entscheidend. "Bei Bauarbeiten muss man sich an die üblichen in der Lärmschutzverordnung festgeschriebenen Zeiten halten", sagt die Expertin. In Dormagen darf zwischen sieben und ein Uhr und zwischen drei und sieben Uhr gehämmert, geflext und gebohrt werden. Samstags zählt als normaler Werktag, sonntags herrscht absolute Ruhe. Neben Schimmel ist Lärmbelästigung der häufigste Grund für Mietminderungen.

"Wenn die Wohnqualität beeinträchtigt ist, kann die Miete gemindert werden", erklärt die 41-Jährige. Allerdings gibt es dafür keine gesetzlichen Quoten. "Bei langen und lautem Baustellenlärm können Mieter bis zu 20 Prozent der Warmmiete abziehen." Auch zu laute Nachbarn sind ein Grund für Mietminderung, erstmal sollte man aber das Gespräch suchen.

(NGZ/rl)