Dormagen: Der Frühlings-Erklärer

Dormagen: Der Frühlings-Erklärer

Endlich Frühling! Die ersten Blumen strecken ihre farbenfrohen Blüten im Wald und am Wegesrand in die Luft. Doch warum sind Frühblüher Frühblüher? Thomas Braun von der Biologischen Station erklärt den Frühling.

Thomas Braun hat die wissenschaftlichen Erklärungen parat, das Zusammenspiel von Temperatur und dem Erblühen der Natur ist ihm kein Rätsel. Und doch spürt man in den Worten des Mitarbeiters der Biologischen Station eine gewisse Bewunderung für die "Frühlingsgeophyten". Jene Blumen also, die im Volksmund Frühblüher heißen und den Menschen nach dem harten Winter ein mildes Lächeln auf die Lippen zaubern. Zuerst war da noch karge Erde – und schon innerhalb weniger Tage "geht es rund", wie Braun sagt. Und das alles, weil die Frühblüher im Grunde Südländer sind.

Vitamin C im Schabockskraut

Der gelernte Gärtner und Diplom-Landschaftsökologe muss sich nur wenige Meter von der Biologischen Station entfernen, um inmitten blühenden Scharbockskraut zu stehen. Der Boden leuchtet gelb – und Thomas Braun sagt: "Scharbock kommt von Skorbut." Der Krankheit, die durch Vitamin-C-Mangel ausgelöst wird und unter der vor allem Seemänner litten. "Die Knolle des Scharbockskrauts wurde früher gewissermaßen als Nahrungsergänzungsmittel verwendet, um Skorbut zu verhindern", berichtet der 40-Jährige. So viel Vitamin C steckt in den Wurzelknollen. Braun vermutet, dass die Samen und Kapseln auch auf hohe See mitgenommen wurden.

Doch in den knolligen Wurzeln steckt noch viel mehr. Alle wichtigen Reserven sind darin gespeichert, der Spross ist in ihr angelegt. Sobald die Temperatur der sie umgebenden Erde eine gewisse Wärme erreicht hat, bricht sich der Spross Bahn, kommt ans Licht, Blätter entwickeln sich, nehmen noch mehr Licht auf, die Pflanze wächst und wächst.

Die krautigen Pflanzenarten sind es, die als erstes die Farbenpracht des Frühlings entwickeln. Schneeglöckchen, Buschwindröschen, Scharbockskraut. "Ihre Vorfahren stammen vom Mittelmeer", erklärt Thomas Braun. "Nach der Eiszeit haben sie sich von dort aus wieder bis zu uns ausgebreitet. In der Türkei etwa gibt es Wildtulpen, die sich ja ebenfalls aus einer Knolle entwickeln. Die gehen in der sommerlichen Hitze ein, sie bekommen auf den kargen Böden kein Wasser mehr. "Bei uns gehen sie im Sommer ein, weil die Baumkronen zu dicht werden", sagt der Ökologe.

Die dichten Blätter nehmen ihnen das Licht weg, im Frühling profitieren die Frühblüher davon, dass das Licht ungehindert durch die noch kahlen Äste fallen kann. Außerdem saugen ihnen die Bäume das Wasser weg – auch sie verdursten, wie die Wildtulpen in der Türkei. Dann ziehen sie sich zurück in die Erde, warten auf den nächsten Frühling. Doch dann gibt es ja gottseidank andere, sommerliche Blumen. Die Natur ist nicht mehr aufzuhalten.

(NGZ)